Brandenburg

Hachschara-Stätte wird Kultur- und Wohnprojekt

Jüdische Siedlerinnen in den 1920er-Jahren: In Hachschara-Bildungsstätten wie der in Neuendorf am Sande in Brandenburg wurden die Frauen auf die Landwirtschaft in Palästina vorbereitet. Foto: dpa

In der ehemaligen jüdischen Hachschara-Bildungsstätte Neuendorf am Sande in Brandenburg soll ein neues Kultur- und Wohnprojekt entstehen. Der Verein »Zusammen in Neuendorf« habe das Landgut bei Fürstenwalde nach mehrmonatigen Verhandlungen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben, teilte der Verein zur Schlüsselübergabe mit.

Der Kauf sei von zwei Stiftungen in Zusammenarbeit mit dem »Mietshäusersyndikat« unterstützt worden, erklärte der Verein. Das Landgut war von 1932 bis 1941 eine Ausbildungsstätte für jüdische Auswanderer und danach bis 1943 ein NS-Zwangsarbeiterlager.

Landwirtschaft Der Verein wolle dazu beitragen, dass die Geschichte der 1932 gegründeten Hachschara-Stätte nicht in Vergessenheit gerate, hieß es. Dort erlernten zahlreiche Jugendliche Berufe in Handwerk und Landwirtschaft, um sich auf die Auswanderung aus Deutschland nach Palästina, Argentinien und in andere Länder vorzubereiten und dem nationalsozialistischen Terror zu entkommen.

Im Jahr 1941 musste die Hachschara-Stätte in Neuendorf infolge der Wannsee-Konferenz schließen, das Landwerk Neuendorf wurde von den Nationalsozialisten zum Zwangsarbeits- und Sammellager umgebaut, wo die Nazis zwischen 1941 und 1943 zahlreiche Juden ermordeten.

Zu den Holocaust-Überlebenden, die in Neuendorf am Sande Zwangsarbeit leisten mussten, gehören unter anderem der Showmaster Hans Rosenthal (1925–1987) und die 93-jährige »Rapperin gegen Rechtsextremismus«, Esther Bejarano.

schwerpunkte »Der Verein möchte eine Brücke vom Gestern ins Heute und Morgen schlagen«, erklärten die neuen Eigentümer. »Demokratiebildung und politische Bildungsarbeit zählen zu den Schwerpunkten unserer Arbeit.« Wie zu Zeiten der Hachschara stehe auch künftig die Vermittlung von Wissen im Vordergrund, hieß es weiter.

Auf dem Landgut sollen Ausbildungsplätze in verschiedenen handwerklichen Berufen geschaffen werden. Zudem seien Ateliers und Kunstprojekte geplant. Die landwirtschaftlichen Flächen würden auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Geplant sei zudem, die Häuser und Wohnungen unter Einbeziehung der bisherigen Mieter instand zu setzen. epd

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