Lag BaOmer

Grillen auf dem Dach

Hüpfburg, Kuchen, Barbecue – die Gemeinden begehen den Feiertag

von Christine Schmitt  23.05.2016 18:44 Uhr

Sonst meist vegetarisch, aber zu Lag BaOmer kommt Fleisch auf den Grill. Foto: Thinkstock

Hüpfburg, Kuchen, Barbecue – die Gemeinden begehen den Feiertag

von Christine Schmitt  23.05.2016 18:44 Uhr

Drei große Grills schleppen die Männer in den Nachbargarten. Denn die Jüdische Gemeinde Hameln feiert Lag BaOmer traditionell bei der Evangelischen Reformierten Kirche. Und da noch Kohle, Stühle und Getränke fehlen, müssen sie ein paar Mal zwischen Synagoge und Kirche hin- und herlaufen. »Als wir noch keine Synagoge hatten, konnten wir die Räume der Kirche nutzen«, erzählt die Gemeindevorsitzenden Rachel Dohme. Seit dieser Zeit gebe es diesen interreligiösen Austausch.

Seit fünf Jahren verfügt die Jüdische Gemeinde, die inzwischen 19 Jahre besteht und mittlerweile auf etwa 200 Mitglieder angewachsen ist, über ein eigenes Gotteshaus, doch zu Lag BaOmer treffen sich die Mitglieder und Freunde immer noch nebenan. »Ein weiteres Argument, dieses Fest im Garten der Nachbarn zu feiern, ist auch, dass unsere Küche vegetarisch ist.« Das habe pragmatische Gründe. Aber auf den Grill kommen am heutigen Donnerstag koschere Würstchen. Rachel Dohme rechnet mit 40 bis 60 Gemeindemitgliedern und Freunden, die auch Salate – und alles, was man noch für so ein Fest braucht – mitbringen. Einige Kinder werden etwas aufführen, und die Geschichte von Lag BaOmer wird ebenfalls erzählt.

Lag BaOmer gehöre zu den beliebtesten Feiertagen hatte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden kürzlich gesagt. Denn an diesem Tag werde traditionell gegrillt und gepicknickt. Daher hoffen alle jüdischen Gemeinden auf gutes Wetter.

Trauerzeit Lag BaOmer markiert eine Pause in der 50-tägigen Trauerzeit, die im traditionellen Judentum bis heute eine wichtige Bedeutung hat. Ein Tag, auf den religiöse Juden besonders warten, denn in der siebenwöchigen Omerzeit – den beschwerlichen Tagen zwischen dem Auszug aus Ägypten und dem Empfang der Zehn Gebote am Berg Sinai – darf ansonsten nicht gefeiert werden.

Seit zwei Jahren lädt auch die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen ein. »Es gibt ein Lagerfeuer, der Grill wird angemacht, und wir singen im Gemeindeinnenhof«, heißt es dort. Zum koscheren Fleisch gebe es Salate. Und alles finanziere die Gemeinde. Der Rabbiner habe bereits die Lieder, die traditionell an diesem Tag gesungen werden, herausgesucht. Die Gemeinde rechnet mit etwa 150 Besuchern.

Rund 60 Studenten werden voraussichtlich zum Lag BaOmer Young for Students and Young Professionals am Mittwochabend im Café im Nordpark kommen, sagt Inessa Lipskaja, Eventmanagerin der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf im Vorfeld. Spiele, Musik und koscher Barbecue warten auf die Gäste. Am Donnerstag geht es für Familien ab 14 Uhr auf dem Abenteuerspielplatz Oberkassel weiter. Lipskaja hofft auf 150 Teilnehmer, die das Lagerfeuer, die Spiele und das Grillen genießen wollen. Die Küche der Gemeinde kümmert sich um das Essen, für das Programm sorgt das Jugendzentrum Düsseldorf.

Der Grillmeister wird erst kurz vor dem Angrillen feststehen, sagt Jehuda Wältermann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg. Zwei Grills werden im Synagogengarten aufgebaut, und Wältermann hofft, dass etwa 70 der rund 300 Mitglieder starken Gemeinde mit von der Partie sein werden. Einen Teil des koscheren Fleisches bringt Rabbiner Jona Simon aus Berlin mit. Den anderen Teil holt Wältermann aus Hamburg ab.

Programm
Die Madrichim haben ein Programm auf die Beine gestellt, und die Älteren, die nicht mehr so mobil sind, aber gerne teilnehmen möchten, werden von anderen Gemeindemitgliedern abgeholt. Die Sozialarbeiter übernehmen dafür die Logistik. Da die Gemeinde zu Einladungen gern Milchiges oder Vegetarisches bietet und es »nur zu Lag BaOmer Fleisch gibt«, wurde extra Einweggeschirr besorgt. Und da das koschere Fleisch darüber hinaus auch noch teurer ist, werde das Angebot nicht unbegrenzt sein, warnt Wältermann. Um richtig satt zu werden, müssen die Besucher auch zu Salaten und Brot greifen.

»Ich habe mit meiner Familie schon viele Lag-BaOmer-Feiern in Israel erlebt und nur positive Erinnerungen daran«, erzählt Wältermann. Er findet es wichtig, diesen Tag zu feiern, was die Gemeinde nun zum dritten Mal auch umsetzt. Er selbst könne aber erst später hinzustoßen, da er noch arbeiten muss. In diesem Jahr fällt Lag BaOmer auf den katholischen Feiertag Fronleichnam, der in dem evangelisch geprägten Niedersachsen nicht arbeitsfrei ist.

Hessenpark Das ist in Hessen anders, dort bleiben Geschäfte und Schulen geschlossen. Dennoch heißt es bei der Jüdischen Gemeinde Frankfurt erst am Sonntag: »Rabbi and families go Lag BaOmer«, und zwar mit einem Ausflug in den Hessenpark. Sieben Helfer stemmen in Frankfurt das Programm zwischen 11 und 18 Uhr. Mit 200 Interessierten rechnet Rabbiner Julian-Chaim Soussan. Geplant sind Spiele, Führungen, Grill, auch mit vegetarischen Speisen.

»An diesem freudigen Tag macht man Ausflüge mit Spielen im Freien und einem Lagerfeuer«, erklärt der Rabbiner. Der Hessenpark scheint dazu besonders geeignet zu sein. Dort gibt es mehr als 100 historische Gebäude zu besichtigen und Ausgrabungen anzusehen. Die Besucher könnten sehen, wie in den vergangenen 400 Jahren Häuser gebaut wurden und wie die Menschen wohnten. Auch zu historischen Synagogen gebe es Beispiele. Währenddessen sehen sich die Kinder Tiere auf dem Bauernhof an oder stellen selbst Seile her, lernen färben oder töpfern.

Im Seniorenclub der Jüdischen Gemeinde zu Dresden wurde Lag BaOmer einen Tag vorgezogen und fand bereits am gestrigen Mittwoch statt. »Wir hatten uns kurzfristig überlegt, etwas Besonderes anzubieten«, sagt Karin Buron von der dortigen Station der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland. So wurde die Terrasse des Gemeindehauses umgeräumt, sodass alle genug Platz fanden, um draußen zu sitzen, und dank der vielen Pflanzen der Eindruck entstand, sich außerhalb der Stadt im Grünen zu befinden.

Auch Rabbiner Alexander Nachama nahm an der fröhlichen Kaffee- und Kuchenrunde teil. »Das schien für uns die bessere Lösung zu sein, als einen Grill aufzubauen«, sagt Buron. Etwa 15 Besucher kommen regelmäßig in den Seniorenclub, darunter auch einige Demenzkranke.

Schnitzeljagd Die Madrichim im Jugendzentrum der Jüdischen Gemeinde Aachen haben sich ebenfalls etwas Außergewöhnliches ausgedacht: Sie arbeiten eine Schnitzeljagd aus, die durch das Gemeindehaus am Synagogenplatz führen soll, erzählt Leiterin Mascha Boymenblit. Zu den Stationen haben sie sich immer ein spezielles Thema überlegt.

Die Aachener rechnen mit 15 bis 20 Kindern und Jugendlichen, die auch regelmäßig das Jugendzentrum der 1300-Mitglieder-Gemeinde besuchen. Allerdings haben auch sie den Feiertag auf Sonntag verlegt. Genauso entschied sich auch die Jüdische Gemeinde Osnabrück, die ihre Kinder und Jugendlichen am 29. Mai zum Fest willkommen heißt.

In Düsseldorf lädt Chabad Lubawitsch am Donnerstag ab 12 Uhr in die Heerdter Landstraße ein. Hüpfburg, Bumper Soccer (die Spieler tragen hierbei über ihrem Oberkörper eine aufblasbare Kugel) und Lagerfeuer inklusive, kündigt Chabad auf seiner Homepage an.

Ponyreiten, Hüpfburg und Zuckerwatte soll es beim Grillfest von Chabad Lubawitsch auch in Hannover geben. Gefeiert wird im Hof der Jüdischen Gemeinde in der Haeckelstraße. Natürlich wird auch ein Grill aufgebaut. Auch in der Kultusgemeinde Göttingen wird es an diesem Donnerstag die Mitglieder in den Garten zum Grillen ziehen. Und in Freiburg wird es zusätzlich einen guten Überblick über die Stadt geben, denn dort findet das Grillfest über den Dächern der Stadt statt, wie die Gemeinde im Internet ankündigt.

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