»1700 Jahre«

Geschichte und Gegenwart

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch (M.) freute sich über die Teilnahme zahlreicher prominenter Gäste. Foto: Marina Maisel
Eröffnung des Bühnenprogramms durch einen Flashmob des Jugendzentrums Foto: Daniel Schwarz
Auch viele Münchnerinnen und Münchner feierten »1700 Jahre«. Foto: Marina Maisel
Charlotte Knobloch mit Bundesinnenminister Horst Seehofer Foto: Daniel Schwarz

Mit einer festlichen Auftaktveranstaltung unter dem Titel »Jüdisch im Herzen« eröffnete die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) am vergangenen Sonntag die Veranstaltungsreihe zum Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Die Feier auf dem Jakobsplatz, an der auch Bundesinnenminister Horst Seehofer und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter teilnahmen, war zugleich der Startschuss für die bis zum Oktober laufende Outdoor-Ausstellung Jüdische Geschichten aus München und Oberbayern.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch freute sich nicht nur über die Teilnahme zahlreicher prominenter Gäste, sondern vor allem auch über die vielen Münchner, die den Weg zu der Feier auf dem Jakobsplatz gefunden hatten. »Jüdische und nichtjüdische Menschen teilen dieses Land schließlich seit vielen Jahrhunderten«, sagte sie angesichts der bemerkenswerten Besucherzahl.

Mit Blick auf die lange Geschichte der Juden in Deutschland machte Charlotte Knobloch in ihrer Rede deutlich, dass Juden kein Anhängsel und keine Fußnote der deutschen Geschichte seien, kein Appendix und kein Extra-Kapitel, das die Chronisten großzügig mit aufnehmen würden, um einer kleinen Minderheit ein gutes Gefühl zu geben. »Nein, deutsche Geschichte ist immer auch jüdisch-deutsche Geschichte«, betonte sie.

vielfalt Dieser Blickwinkel ist auch Maßstab für Bundesinnenminister Horst Seehofer, der das Innenleben der Israelitischen Kultusgemeinde als langjähriger Politiker und Ministerpräsident Bayerns kennt. Das seit Hunderten von Jahren bestehende jüdische Leben, so Seehofer, sei Teil deutscher Kultur und bereichere deren Vielfalt: »Juden sind in der Gesellschaft tief verwurzelt.«

»Juden und Nichtjuden teilen dieses Land seit vielen Jahrhunderten«, sagte Charlotte Knobloch.

Vor der beeindruckenden Kulisse von Gemeindezentrum und Synagoge kam Seehofer aber auch zu dem Ergebnis, dass die Etablierung jüdischen Lebens mitten in der Stadt geradezu einem Wunder gleichkomme. Die Entstehung des jüdischen Zentrums im Herzen Münchens bezeichnete er auch als persönlichen Verdienst der IKG-Präsidentin, die in Wort und Tat für den Bau geworben und gearbeitet habe. Ihr Einsatz und ihr persönliches Engagement stünden für den »Inbegriff jüdischen Lebens«.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter wies in seiner Rede auf die Bedeutung der Festveranstaltung einerseits und der Ausstellung Jüdische Geschichten andererseits als öffentlich weithin sichtbare Zeichen hin. Sie belegten gleichermaßen eine gemeinsame Tradition, ein einzigartiges Kulturerbe und vor allem die positiven Aspekte des Zusammenlebens und der Beziehungsgeschichte von Juden und Nichtjuden.

verantwortung »So wichtig und unabdingbar die Erinnerung an die Schoa ist und immer bleiben wird, so muss sie auch verknüpft werden mit der Kenntnis jüdischer Geschichte und Kultur ganz allgemein und natürlich ebenso mit der Vielfalt jüdischer Gegenwart. Auch das gehört zu unserer Verantwortung«, erklärte das Stadtoberhaupt.

Die Open-Air-Ausstellung auf dem Jakobsplatz, deren Eröffnung am Sonntag ein zentraler Programmpunkt der 1700-Jahre-Feier war, entspricht ganz diesem Verständnis. Von A bis Z, auf acht Litfaßsäulen, wird das Auf und Ab der jüdischen Geschichte Münchens und Bayerns in Wort und Bild dokumentiert.

Die Leiterin der IKG-Kulturabteilung, Ellen Presser, die das Ausstellungsprojekt mit Unterstützung ihrer beiden Mitarbeiterinnen Sibylle von Tiedemann und Ira Ginzburg verwirklicht hat, ging bei der Eröffnung näher auf dieses permanente Spannungsfeld ein.

Das Auf und Ab, das Dazugehören, das Ausgestoßenwerden und die Neuanfänge zu skizzieren, das ist das Ziel und Anliegen der Ausstellung, die bis zum 8. Oktober zu sehen sein wird.

Trauriges und Hoffnungsvolles gehörten in der jüdischen Geschichte stets zusammen, sagte Ellen Presser und wies dabei auf den kommenden 9. November hin. An diesem Tag werde am Gedenkstein der ehemaligen Synagoge bei der Namenslesung an die erste große Deportation von Münchner Juden im November 1941 erinnert. Dieser Tag sei aber auch der 15. »Geburtstag« der neuen Synagoge »Ohel Jakob«.

denkanstösse Das Auf und Ab, das Dazugehören, das Ausgestoßenwerden und die Neuanfänge zu skizzieren, das ist das Ziel und Anliegen der Ausstellung, die bis zum 8. Oktober zu sehen sein wird. »Wir wollen Denkanstöße geben«, beschreibt Ellen Presser ihre Erwartungen.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch zog nach der Festveranstaltung, an der zahlreiche Ehrengäste teilnahmen, darunter Justizminister Georg Eisenreich, Polizeipräsident Thomas Hampel sowie hochrangige Vertreter der verschiedenen Gerichte, eine positive Bilanz und bedankte sich bei Bundesinnenminister Horst Seehofer für die finanzielle Förderung der Ausstellung im Rahmen des Gedenkjahres. »

So bekommen die Münchner in den kommenden Monaten die Möglichkeit, auf dem Jakobsplatz quasi im Vorbeigehen ihr Wissen über die jüdische Geschichte und Gegenwart zu erweitern«, freute sich die Frau an der Spitze der Israelitischen Kultusgemeinde.

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