Berlin

Gemeinde wehrt sich gegen Zahlungsstopp

Gesprächsbedarf? Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (l.) und Gemeindevorsitzender Gideon Joffe bei einer Gedenkveranstaltung im November vergangenen Jahres. Foto: dpa

Der Streit zwischen der Jüdischen Gemeinde und dem Senat spitzt sich zu. Nachdem die Landesregierung die Zahlung des Staatszuschusses ausgesetzt hat, reagiert der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe jetzt mit harscher Kritik.

Nach Angaben des Senats habe die Jüdische Gemeinde zu Berlin den Wirtschaftsplan verspätet und nicht vollständig eingereicht. So fehle zum Beispiel der Stellenplan. Es könne nicht nachvollzogen werden, wie viel Personal mit welcher Bezahlung wo eingesetzt werde. Die genaue Anzahl der Stellen sei wichtig, weil davon die Höhe der Zuwendungen abhänge.

Prüfung Joffe konterte am Montag in einem an die Mitarbeiter und Mitglieder der Gemeinde gerichteten Brief. Darin betont er, dass dem Senat ein Wirtschaftsplan mit detailliertem Stellenplan längst vorliege, nur dauere die Prüfung durch die Senatskulturverwaltung noch an. Dies sei ein Grund dafür, dass die Zahlung der Zuwendung ausgesetzt wurde. Die Prüfung dürfe aber nicht auf Kosten der Mitglieder, Mitarbeiter und Partner der Gemeinde gehen. »Eine rote Linie wird dann nämlich überschritten.«

Zudem sei bereits seit Jahren die Berechnung des Staatszuschusses durch den Senat nicht korrekt erfolgt. Insofern habe die Gemeinde »berechtigten Ansprüche aus dem Staatsvertrag«, auf die sie nun verzichten solle. »Natürlich wird sich die Gemeinde dieser unfairen und illegitimen Form der Einflussnahme nicht beugen«, schreibt Joffe. Vielmehr sei sie entschlossener denn je, für ihre Rechte einzutreten.

Zwar würden nun die Mai-Gehälter der Mitarbeiter und Rechnungen von Dienstleistern erst verspätet gezahlt werden können. Doch dieser »kurzfristige Ärger« werde durch die zukünftige Stabilisierung der finanziellen Lage der Gemeinde »mehr als ausgeglichen«, heißt es in dem Schreiben.

Dem Vernehmen nach soll es am kommenden Dienstag ein Gespräch mit der Senatskulturverwaltung geben.

Opposition Noch vor Bekanntwerden des Briefes hatten die Gemeinderepräsentanten Micha Guttmann, Michael Joachim und Tuvia Schlesinger bereits von einem in der Geschichte der Gemeinde beispiellosen Vorgang gesprochen: »Das Verhältnis zum Senat ist nachhaltig zerrüttet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen nahen Zukunft. Eine Sanierung der Gemeinde ist in weite Ferne gerückt.«

Guttmann ist einer der Begründer der Initiative Neuwahl 2013, die nach eigenen Angaben bereits über 1500 Unterschriften erhalten hat. Der Gemeindepolitiker fordert: »Wegen der dramatischen Fehlentwicklungen innerhalb der Gemeinde und ihrer Außenwirkung müssen die Gemeindemitglieder jetzt schnell neu über ihre Zukunft entscheiden können.« ja

Mehr dazu in der kommenden Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen am 23. Mai

Geburtstag

Andreis Glück

Der Schoa-Überlebende Andrei Moiseenkow wird 100 – Weimar feiert seinen Ehrenbürger

von Helmut Kuhn  01.05.2026

Porträt

An der Basis

Lea Rosenberg setzt sich beim Paritätischen Wohlfahrtsverband für Geflüchtete ein

von Gerhard Haase-Hindenberg  01.05.2026

Jüdische Gemeinden

Das neue angstvolle »Normal«

Wie haben sich der 7. Oktober 2023 und die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten ausgewirkt? Der neue Lagebericht des Zentralrats der Juden in Deutschland

von Katrin Richter  01.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  01.05.2026

Berlin

CDU-Präsidium tagt in Chabad-Synagoge

Die Parteispitze will damit ein Zeichen setzen

 01.05.2026

Berlin

Tanzen, trotz allem

Der Israeltag am Wittenbergplatz setzte ein Zeichen der Solidarität, der Lebensfreude – aber auch der Sorge

von Christine Schmitt  30.04.2026

Düsseldorf

Auschwitz-Museum: Rüttgers erhält Auszeichnung »Light of Remembrance«

»Mein Antrieb wurzelt in der tiefen Überzeugung, dass wir Deutsche uns der Verantwortung, die aus unserer Geschichte als ›Land der Täter‹ erwächst, niemals entziehen können«, sagt der Preisträger

 30.04.2026 Aktualisiert

Erinnerung - 20 Jahre ohne Paul Spiegel

Zum 20. Todestag von Paul Spiegel

Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland stand er für Dialog, Klarheit und Verantwortung. Ein Video erinnert an sein Vermächtnis – und daran, warum seine Stimme heute fehlt.

von Jan Feldmann  30.04.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 30. April bis zum 7. Mai

 29.04.2026