Antisemitismus

»Gegenhalten, wo immer es geht«

Außenminister Heiko Maas in der Synagoge Münstersche Straße Foto: Gregor Zielke

Antisemitismus

»Gegenhalten, wo immer es geht«

Bundesaußenminister Heiko Maas fordert bei Solidaritätsgebet zu entschiedenem Eintreten gegen Judenhass auf

 22.08.2019 12:46 Uhr

Außenminister Heiko Maas hat die antisemitische Attacke auf Gemeinderabbiner Yehuda Teichtal als »abstoßend und widerlich« bezeichnet. »Es macht wirklich viele Menschen in dieser Stadt und in diesem Land wütend, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland beschimpft und bespuckt werden und es immer wieder geschieht«, sagte Maas am Freitagabend bei einem Solidaritätsgebet in Berlin.

»Antisemitismus ist in diesem Land nicht über Nacht entstanden. Aber er ist lauter und er ist aggressiver geworden«, betonte der SPD-Politiker. Zugleich warnte er davor, den Angriff auf den Rabbiner politisch zu instrumentalisieren. »Die unsere Gesellschaft spalten wollen, indem sie so tun, als sei Antisemitismus ausschließlich ein importiertes Phänomen, die trennen zwischen rechtem, linkem und muslimischem Antisemitismus«, sagte er. »Wenn Jüdinnen und Juden Angst haben, sobald sie öffentlich ihre Religion zeigen, dann ist das nichts anderes als beschämend für unser Land«, so Maas. Was Teichtal erlebt habe, sei inakzeptabel, unterstrich Maas. »Umso beherzter müssen wir alle gegenhalten, wo immer es geht.«

Angriffe auf Juden zeigten zudem, »wie sich das Klima in unserem Land verändert hat. Und wir müssen ehrlich zu uns selbst sein: Der Ton verroht«. Vor allem im Internet finde Hass einen Resonanzboden, fühlten sich Hetzer bestätigt. Hemmschwellen würden sinken, und »den Worten folgen leider Taten«, sagte Maas weiter.

Schweigen und Gleichgültigkeit seien keine Alternative, sagte Maas.

Er rief zu entschiedenem Engagement gegen Antisemitismus auf. Das sei nicht nur Aufgabe von Politikern oder Rabbinern. Schweigen und Gleichgültigkeit seien keine Alternative. »Weil auch schon der Holocaust Väter hatte und viele Gleichgültige, die ihn möglich gemacht haben. Das sollten wir aus unserer Geschichte gelernt haben: Wir dürfen nie wieder gleichgültig sein.«

ZIVILCOURAGE Rabbiner Teichtal hatte das Solidaritätsgebet mit den Worten eröffnet: »Fast 75 Jahre nach Auschwitz und dem Schrecken des Holocaust, in dem sechs Millionen Juden ermordet wurden, darunter auch mein Urgroßvater und weitere Mitglieder meiner Familie, werden Juden hier in Deutschland angegriffen und beschimpft.« In dem Moment wo ein Teil der Gesellschaft gehasst oder angegriffen wird, werden alle gehasst und angegriffen, sagte Teichtal. Jetzt müsse sich jeder Einzelne erheben und sagen: »Wir haben null Toleranz für Intoleranz.«

Es müsse eine Gesellschaft des Respekts und der Zivilcourage geschaffen werden. Es müsse unpopulär werden, Antisemit zu sein. Auch forderte der Berliner Gemeinderabbiner insbesondere muslimische Verbände auf, jede Form von Antisemitismus zu verurteilen. Jeder, der gegen Israel sei, sei auch gegen Juden im Allgemeinen, fügte Teichtal hinzu.

Das Solidaritätsgebet, bei dem Psalmen auf Hebräisch und Deutsch vorgetragen wurden, fand in der Synagoge des Jüdischen Bildungszentrums Chabad Lubawitsch in Wilmersdorf statt. Mehr als 200 Gäste nahmen teil, darunter die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags Petra Pau (Linke), Regierungssprecher Steffen Seibert, der Berliner Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD), der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, Daniel Botmann, sowie zahlreiche muslimische und christliche Vertreter.

Ende Juli hatten zwei Männer Rabbiner Teichtal nach einem Gottesdienst auf Arabisch beschimpft und bespuckt. Eines seiner Kinder war bei dem Vorfall dabei. Die Ermittlungen des polizeilichen Staatsschutzes laufen.  ja/dpa

Maccabi

Eine Feier für den jüdischen Sport

Der Verein lud zum traditionellen Sommerfest im Vereinsgelände an der Riemer Straße

von Luis Gruhler  21.06.2026

München

Ganz im Vertrauen

Seit rund sechs Wochen ist Dominik Krause als Oberbürgermeister im Amt. Nun traf er sich mit Vertretern des Vorstandes der IKG zum Gespräch

von Luis Gruhler  21.06.2026

Porträt der Woche

Flucht und Farben

Alexander Glinkin ist Maler. Im Frühjahr 2022 verließ er Kyjiw und lebt heute in Berlin

von Matthias Messmer  21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026

Interview

»Ich kann daraus lernen«

Rabbiner Avigdor Moshe Nosikov hat eine ungewöhnliche Umfrage durchgeführt: Wie zufrieden sind die Mitglieder der Dortmunder Jüdischen Kultusgemeinde mit seiner Arbeit?

von Christine Schmitt  18.06.2026

Berlin

Kampflibellen am BER

Bei der gerade zu Ende gegangenen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Schönefeld haben auch israelische Firmen die neueste Technik vorgestellt. Ein Besuch zwischen Kraftstofftanks und Drohnenabwehr

von Leon Stork  18.06.2026

Nordrhein-Westfalen

Landtag ehrt Sieger von »Shalom - Jüdisches Leben heute«

Mehr als 2200 junge Menschen haben mit mehr als 450 Beiträgen jüdisches Leben greifbarer gemacht

 17.06.2026

Berlin

Babka, Borschtsch und Pargiot

Zum fünften Jubiläum des Streetfood-Festivals locken 52 Stände, viele Acts und eine zusätzliche Kleinkunstbühne

von Helmut Kuhn  17.06.2026