München

Gasteig verliert gegen »Israelkritiker«

Das Münchner städtische Kulturzentrum Gasteig Foto: dpa

Das Münchner Landgericht hat eine einstweilige Verfügung gegen das städtische Kulturzentrum Gasteig erlassen. Laut Gericht war es nicht rechtens, dass der Gasteig einen Vortrag von Judith Bernstein, Sprecherin der »Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe München« (JPDG), über die politische Bedeutung Jerusalems am 3. Oktober abgesagt hat.

Als Hauptveranstalterin des Vortrags »Jerusalem – das Herzstück des israelisch-palästinensischen Konflikts« zeichnet die Linken-Lokalpolitikerin Elfi Padovan verantwortlich. Aus dem Antrag indes, argumentierte der Gasteig vergangene Woche vor Gericht, gehe nicht hervor, dass tatsächlich auch noch andere Organisatoren beteiligt sind.

verpflichtung Das Landgericht dagegen kam zu dem Schluss, dass der Schriftwechsel des Gasteigs mit Elfi Padovan Auskunft über weitere Veranstalter gibt. Der Gasteig wäre grundsätzlich zwar nicht verpflichtet gewesen, einen Vertrag über die Veranstaltung abzuschließen, erklärte Richterin Uta Winterstein. Nun aber müsse das Kulturzentrum den bestehenden Vertrag einhalten.

Zu den Veranstaltern des Vortrags von Judith Bernstein gehören unter anderem die »Landesarbeitsgemeinschaft Frieden« der Partei Die Linke sowie die beiden umstrittenen Vereine JPDG und »Salam Shalom«. Die JPDG gilt als Unterstützer der umstrittenen antisemitischen BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions). Im internationalen BDS-Aufruf, den die JPDG unterzeichnet hat, heißt es unter anderem, Israel sei größtenteils auf Land gegründet, »das zuvor von seinen palästinensischen Besitzern ethnisch gesäubert wurde«.

Auch der Münchner Verein Salam Shalom ist nach Ansicht von Experten und Politikern höchst fragwürdig und hatte sich in der Vergangenheit BDS angeschlossen. Erst jüngst hat der Grünen-Stadtrat Dominik Krause in einem Interview mit der »Abendzeitung« keinen Zweifel daran gelassen, was er von dem Verein hält. »Salam Shalom«, wird er zitiert, »hat in städtischen Räumen nichts zu suchen – die wären in der NPD-Zentrale besser aufgehoben.«

Ächtung Im Juli dieses Jahres hatten die Münchner Stadtratsfraktionen von CSU und SPD ein deutliches Zeichen gegen BDS gesetzt. Durch den Antrag »Gegen jeden Antisemitismus – Keine Zusammenarbeit mit der antisemitischen BDS-Bewegung« sollen künftig städtische Räume nicht mehr für BDS-Kampagnen oder Veranstaltungen, Ausstellungen und Demonstrationen zur Verfügung stehen, welche die Ziele von BDS verfolgen.

Doch bislang wurde im Stadtrat noch nicht über den Antrag entschieden. Deshalb bemühte der Gasteig vergangene Woche vor Gericht einen formalen Grund, um die Veranstaltung zu verhindern.

In einer ersten Reaktion erklärte Elfi Padovan zur einstweiligen Verfügung des Landgerichts: »Wir atmen auf, dass das Gericht das Grundrecht der Informationsfreiheit verteidigt hat.« Der Gasteig hat sich bislang noch nicht geäußert.

delegitimierung IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch sagte im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen über die vergebliche Absage des Gasteigs: »Die Stadtspitze hat verstanden, dass es den selbst ernannten ›Friedensbewegten‹ auch hier in München in Wahrheit nicht um Frieden oder Dialog geht, sondern darum, Israel öffentlich unlauter anzuprangern, zu diffamieren und zu delegitimieren. Leider wurde der überfällige Antrag von CSU und SPD gegen BDS vom Stadtrat noch nicht verabschiedet.«

Mit einem solchen Antrag hätte die Stadt endlich eine schlagkräftige Grundlage gegen diese Machenschaften, so Knobloch weiter. »In der Vergangenheit haben Veranstalter wie das Palästina Forum München, die Frauen in Schwarz, Pax Christi und insbesondere Salam Shalom und die Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe mehrfach bewiesen, dass sie die antisemitische BDS-Bewegung mittragen oder unterstützen.« ja

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Speyer, Worms und Mainz

SchUM-Stätten feiern fünfjährigen »Welterbe-Geburtstag«

Vor fünf Jahren erhielten sie wegen ihrer wichtigen Bedeutung für das mittelalterliche Judentum den Welterbe-Titel. Nun feiern die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz die Aufnahme auf die Unesco-Welterbeliste mit einer Veranstaltung in Speyer

 09.07.2026

Gemeindetag

Zusammen füreinander

Vom 17. bis zum 20. Dezember treffen sich Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Berlin – für viele wird es ein lang ersehntes und freudig erwartetes Wiedersehen

von Katrin Richter  09.07.2026

Machanot

Kleine Auszeit

Die Koffer sind gepackt, gut gelaunt fahren die Kinder ins Ferienlager. Doch auch die Eltern haben Pläne, wollen renovieren, verreisen oder finden ein neues Hobby. Wir haben uns umgehört

von Christine Schmitt  09.07.2026

Maccabiah

»Jetzt erst recht«

Die Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland sind hoch motiviert. Für manche ist es nicht das erste Mal, dass sie in Israel dabei sind – bei den Medaillen spielen sie ganz vorn mit

von Sabine Brandes  08.07.2026

Programm

Schostakowitsch, Punk und Nathan in der Schwebebahn: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 9. Juli bis zum 16. Juli

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026

München

»Auf geht’s – an die Arbeit!«

Die Israelitische Kultusgemeinde hat einen neuen Vorstand gewählt. Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin im Amt bestätigt

von Leo Grudenberg  07.07.2026

Rabbinerausbildung

Levinson-Stiftung als Institut an der Uni Potsdam anerkannt

Neuer Meilenstein für die Ausbildung liberaler und konservativer Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren

 07.07.2026