Maccabiah

»Für alle ein einzigartiges Erlebnis«

Makkabi-Präsident Alon Meyer Foto: Rafael Herlich

Maccabiah

»Für alle ein einzigartiges Erlebnis«

Alon Meyer über das Sport-Event in Israel, deutsche Teilnehmer und viele Wünsche

von Heide Sobotka  26.06.2017 20:53 Uhr

Herr Meyer, wir erinnern uns noch gut an die Euphorie, die die European Maccabi Games in Berlin ausgelöst haben. Mit welchem Gefühl fahren Sie und die Sportler jetzt nach Israel?
Mit einem sensationellen Gefühl, weil ich gemerkt habe, dass wir uns seit den EMG 2015 in die richtige Richtung weiterentwickelt haben. Zu mehr Offenheit, in den Mittelpunkt der Gesellschaft. Und jetzt zeigen wir dieses Selbstbewusstsein auch mit der Stärke, mit der Makkabi Deutschland bei der Maccabiah in Israel antreten wird. Unsere Delegation umfasst 225 Teilnehmer, sie ist somit so groß wie niemals zuvor.

In Berlin waren es schon die Spiele der Superlative, was gibt es da noch zu toppen?
In Berlin waren wir Ausrichter und haben es geschafft, in allen 19 Disziplinen Sportler an den Start zu bringen. Die Quote von 364 Teilnehmern erreichen wir jetzt nicht. Es ist auch eine Geldfrage. Die Teilnahmegebühr für Berlin war um ein Vielfaches niedriger als jetzt in Israel. Wir gehen hier von Teilnehmerkosten von 5000 Euro aus. Dennoch ist es uns gelungen, unsere Delegationsgröße für Israel von vor vier Jahren erheblich zu erweitern. Die 225-köpfige Mannschaft umfasst die komplette Delegation, das muss Makkabi Deutschland erst einmal auch finanziell stemmen.

In welchen Disziplinen rechnen Sie sich für deutsche Starter gute Chancen aus?
In den Sportarten, in denen deutsche Makkabi-Sportler klassischerweise stark sind. Allen voran sind das die diversen Fechtdisziplinen, Tischtennis, und natürlich sind wir im Schach sehr gut.

Wie sieht die sportliche Entwicklung seit Berlin aus?
Die Entwicklung ist äußerst erfreulich. Wir haben junge talentierte tolle Nationalspieler hinzugewonnen. Wir haben Spieler gefunden, die in den Peripherien Deutschlands leben und für die Makkabi der einzige jüdische Kontakt ist. Was mich ganz besonders an dieser Reise freut, ist, dass wir in komplett neuen Sportarten vertreten sind, wie zum Beispiel Eishockey. Wir haben neue Sportler, die noch nie in Israel waren. Viele aus unserem Team haben bislang noch keine Bindung zur jüdischen Gemeinschaft, hatten noch nie einen solchen Kontakt zum jüdischen Glauben wie jetzt. Für die waren die Vorbereitungslehrgänge eine ganz neue Erfahrung. Und jetzt kommt für sie die Erfüllung schlechthin: die Israelreise.

Wir haben Anfang des Monats 50 Jahre Wiedervereinigung Jerusalems gefeiert. Wird sich das auch im Freizeitprogramm der Sportler niederschlagen?
Das Angebot ist riesig. Es passiert natürlich sehr viel in Jerusalem. Die Eröffnungsfeier findet im Teddy-Kollek-Stadion statt. Wir werden uns in Israel hauptsächlich in vier Städten aufhalten, die Junioren in Haifa, dann in Hod Hascharon, Tel Aviv und Jerusalem. Jugendliche werden die Möglichkeit haben, ihre Barmizwa nachzufeiern, wir bieten zweimal einen Kabbalat Schabbat in Jerusalem an, Führungen, Touren, Feiern. Es gibt sehr viel.

Was wünschen Sie sich für diese 14 Tage in Israel?
In erster Linie wünsche ich mir, dass wir alle gesund zurückkommen. Als Zweites, dass alle das Land und die Spiele genießen und wenn möglich noch erfolgreich sind und die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Die Spiele sollen für sie ein einzigartiges Erlebnis werden. Israel ist so ein wunderschönes Land. Hinter der Maccabiah steckt die Arbeit vieler Hundert Leute über vier Jahre hinweg. Ich hoffe wirklich, dass jeder so viele Momente wie nur möglich genießen kann und viel Positives erfährt. Freuen würden wir uns auch, wenn sich Partner finden, was ja schon in der Vergangenheit passiert ist. Das Allerwichtigste ist, dass wir Botschafter gewinnen können für unsere Tätigkeit hier in Deutschland, dass wir mithilfe des Sports Brücken bauen in die ganze Welt. Die Politik außen vor und Menschlichkeit walten zu lassen, das wollen wir versuchen.

Mit dem Präsidenten von Makkabi Deutschland sprach Heide Sobotka.

Erinnerung

Verantwortung lebt weiter

In Dachau fand kurz vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag erstmals ein »March of the Living« statt

von Esther Martel  09.02.2026

Lerntool

Timothée Chalamet, Batmizwa und eine Davidstern-Kette

»Sich be-kennen«: Der Zentralrat der Juden bietet einen interaktiven Onlinekurs über die Vielfalt des Judentums für Schulen und interessierte Gruppen an

von Helmut Kuhn  09.02.2026

Berlin-Neukölln

Kritik am Kandidaten

Ahmed Abed sorgte jüngst für einen Eklat, als er einen israelischen Gast als »Völkermörder« beschimpfte. Doch bei der Linkspartei steht der Politiker mit palästinensischen Wurzeln hoch im Kurs

von Imanuel Marcus  09.02.2026

Restitution

Uni Frankfurt übergibt erstmals NS-Raubgut an Jüdische Gemeinde

Seit gut fünf Jahren durchforstet die Universitätsbibliothek in Frankfurt ihre Bestände systematisch nach Raubgut aus der NS-Zeit. Das Projekt trägt nun Früchte - und ist noch lange nicht abgeschlossen

 09.02.2026

Berlin

Lesen, Lernen, Spaß

Der Saftblatt-Baum stand im Mittelpunkt der Erzählstunde des Projekts PJ Library

von Naomi Gronenberg  08.02.2026

Wettbewerb

»Kein Reichtum ist größer«

Aus 13 Ländern kamen Jugendliche zum europäischen Finale des Bibelquiz Chidon Hatanach in München

von Esther Martel  08.02.2026

Porträt der Woche

Der Geheimnisträger

Leonid Komissarenko war Rüstungstechniker – und emigrierte, um seine Frau zu retten

von Anja Bochtler  08.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026