Studierende

Für alle da sein

Germany, Berlin, 2022/12/18 Jugendkongress 2022der ZWST (Photo by Gregor Matthias Zielke) Foto: Gregor Zielke

Für die einen ist es bereits Routine, bei anderen dagegen werden nostalgische Erinnerungen wach. Die Rede ist von der diesjährigen Jahresvollversammlung der Jüdischen Studierendenunion in Deutschland (JSUD), die praktischerweise auf dem Jugendkongress in Berlin abgehalten wurde – schließlich kommen nicht jeden Tag so viele junge jüdische Erwachsene an einem Ort zusammen, wie auf der jährlichen Tagung, die traditionell von der Zentralwohlfahrtsstelle der in Juden in Deutschland auf die Beine gestellt wird.

Denn unmittelbar nachdem die JSUD-Präsidentin Anna Staroselski die Beschlussfähigkeit – ein Minimum von 20 Studierenden ist vorgeschrieben – festgestellt hatte, sprach Avital Grinberg zu den Teilnehmenden. »Vor drei Jahren hatte ich auf der JSUD-Jahresvollversammlung meine erste öffentliche Rede gehalten,« so das ehemalige JSUD-Vorstandsmitglied. Nach über zwei Jahren auf diesem Posten ging sie nach Brüssel, wo sie seit dem Sommer die Präsidentin der European Union of Jewish Students (EUJS) ist. »Schon damals hatten wir vor, jüdisches Leben gemeinsam voranzubringen und nicht nur über Antisemitismus zu reden. Aber vor allem wollten wir als überparteiliche Studierendenunion für Alle da sein.«

Daran hat sich nicht viel geändert – auch wenn der Antisemitismus sowie politische Ereignisse, allen voran die russische Invasion in der Ukraine und die Angriffe von Hamas & Co. auf Israel als Themen immer wieder dominant wurden. Genau das spiegelte sich im Tätigkeitsbericht wider, der in Berlin von Anna Staroselski, Lars Umanski sowie Hanna Veiler, Julia Kildeeva und Lena Prytula präsentiert wurde. Zum einen hatte man erfolgreich eine Social Media Task Force ins Leben gerufen, zum anderen sich mit den Antisemitismus-Beauftragten der Länder in vielen Bereichen vernetzt.

Die JSUD beteiligte sich auch unter dem jetzigen Vorstand an zahlreichen Aktionen, wie einer Demonstration vor der Zentrale von Amnesty International in Berlin, weil die prominente NGO einen skandalösen Bericht zu Israel herausgebracht hatte, oder schuf gemeinsam mit Ofek e.V:, der Beratungsstelle bei antisemitischen Vorfällen, einen Safe Space für alle, die der Ukraine-Konflikt belastete. Darüber hinaus gab eine intensive Beschäftigung mit den Aussagen der frisch gewählten Ampel-Koalition zu Israel und der Frage, was der im Herbst 2021 ausgehandelte Koalitionsvertrag für die jüdische Gemeinschaft bedeutet.

Last but not least hatten die Vorstandmitglieder, allen voran Anna Staroselski, in den Medien Flagge gezeigt und den jüdischen Studierenden so eine Stimme gegeben. Die Aufgabe, jüdisches Leben in Deutschland sichtbar zu machen, hatte man offensichtlich mit Bravour erfüllt. Entsprechend machte man sich ans Werk, einige Leitplanken für die zukünftige Arbeit zu identifizieren.

Und da soll die Beschäftigung mit der Gefahr von Rechts einer der Schwerpunkte der JSUD-Politik der nächsten Zeit werden. So heißt es in einem vorgestellten Paper: »Wir stellen fest, dass Rechtsextremismus und das Leugnen der Existenz rechter Netzwerke in Deutschland eine der größten Gefahren für Jüdinnen und Juden darstellen.« Deshalb sei es zwingend notwendig, dass jüdische Organisationen gegen jeglichen Rechtsextremismus einstehen. Dies wolle man vorantreiben.

Doch nach der Diskussion ist vor der Diskussion. Weil Chanukka begonnen hatte, wurde zum Abschluss erst einmal gemeinsam die erste Kerze an einer Chanukkia entzündet. Dazu gab es reichlich Sufganiot und Latkes.

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026

Programm

Vernissagen, Workshops und eine Zeitreise ins Berlin von »Babylon Berlin«: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 17. September bis zum 30. September

 16.09.2026

Dresden

Gemeinde feiert Rückkehr mit Konzert und Ausstellungen

Rund 200 Besucher feierten die Rückkehr der jüdischen Gemeinde in ihre Synagoge, die nach rund dreieinhalb Jahren Bauzeit wiedereröffnet werden konnte

 15.09.2026

Bayern

Nach Morddrohung gegen Charlotte Knobloch – jetzt äußert sich die Polizei

Die Hintergründe

 15.09.2026

Audiowalk

Schritte durch die Vergangenheit

Das Junge Theater Köln erzählt die Geschichte des jüdischen Viertels und verbindet dazu Schauspiel und digitale Technik

von Annette Kanis  15.09.2026

München

Wadephul trifft Charlotte Knobloch nach Morddrohung

Die Präsidentin der Israelitischen Gemeinde München und Oberbayern wurde nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt Opfer einer Gewaltandrohung. Der Bundesaußenminister demonstriert Solidarität

 15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Kino

»Ich habe keine Heimat«

Eine Dokumentation über Albrecht Weinberg erzählt von Verfolgung, Erinnerung und der schwierigen Rückkehr in das Land der Täter

von Esther Martel  14.09.2026