Interview

Fünf Minuten mit…

Frau Adler, in drei Tagen beginnen die Jüdischen Kulturtage Frankfurt. Sind Sie aufgeregt?
Nein, eher ein wenig angespannt: Werden die Kulturwochen ohne Anfeindungen und Störungen verlaufen? Wie werden die einzelnen Programmpunkte angenommen? Wird genügend Publikum kommen, sodass die Kosten gedeckt werden?

Wie viel Zeit benötigen Sie für die Vorbereitungen?
Wie sagt man? Nach den Kulturwochen ist vor den Kulturwochen. Ich arbeite fast ein ganzes Jahr an dem Programm. Absagen und die damit verbundenen Neuplanungen müssen immer mit einkalkuliert werden sowie aktuelle Angebote für Lesungen und auch Künstler aus dem Ausland, die sich gerade in Deutschland aufhalten.

Sie haben mit Dominique Horwitz einen prominenten Schauspieler und Sänger im Programm. Welche Tricks haben Sie angewandt, damit er kommt?
Ich versuche, jedes Jahr einen prominenten Schauspieler zu gewinnen. Durchs Internet habe ich erfahren, dass Dominique Horwitz das Buch von Arye Sharuz Shalicar »Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude« bereits anlässlich der Jüdischen Kulturtage im Renaissance-Theater Berlin gelesen hat. Ohnehin schaue ich auf Kulturtage anderer Gemeinden, erfahre etwas über die Jüdische Allgemeine oder durch Mundpropaganda. Bei Dominique Horwitz waren keine Überredungskünste notwendig.

Ist es leichter, mit Prominenten zu verhandeln oder mit Leuten, die vielleicht aus der zweiten Reihe kommen?

Mit Prominenten direkt zu verhandeln, erleichtert das Gespräch. Weckt man das Interesse für die Kulturwochen, kann man leichter übers Honorar und anfallende Kosten für die Anreise oder Hotelübernachtung etc. sprechen. Während aber Prominente meist sicherer auftreten und auch mit kurzfristig veränderten Situationen lockerer umgehen, tut sich ein Teil der weniger bekannten Künstler etwas schwer. Sie brauchen mehr Bestätigung, und oft sind die Forderungen auch nicht akzeptabel. Dies möchte ich aber nicht verallgemeinern. Wichtig ist, dass beide Seiten wissen, was sie vom anderen erwarten.

Sie haben bekannte Werke im Programm und weniger bekannte (»Drei lustige Witwen«). Wollen Sie jüdische Künstler bei solchen Kulturwochen bekannt machen?
Natürlich versuche ich zuerst einmal, jüdische Künstler zu nehmen. Ich habe während der Jahre in der Kulturarbeit mit vielen unbekannteren Künstlern gearbeitet, die hervorragend waren, bei denen ich das Bedürfnis hatte, ihnen zu helfen, und dies auch geschafft habe. Mit dem Musical »Drei lustige Witwen und ein tanzender Rebbe« des Jüdischen Theaters Berlin können wir unseren Mitgliedern ein jiddisches Programm bieten. Diese Möglichkeit haben wir selten.

Wie viel Wert legen Sie auf Künstler aus der Umgebung bzw. aus den Gemeinden?
Bei den meisten Planungen versuche ich, Künstler aus den eigenen Reihen und aus der näheren Umgebung zu nehmen. Da die Frankfurter Gemeinde auch durch die Zuwanderung mit einem großen Potenzial an Musikern gesegnet ist, haben diese Vorrang.

Haben Sie ein festes Budget?
Eine Kulturwoche zu organisieren, ist bezüglich des Geldes immer mit Kopfschmerzen verbunden. Das Kulturamt der Stadt Frankfurt unterstützt uns mit 30.000 Euro. Hiervon wird ein Teil für den Druck von Programmheften und Plakaten benötigt. Die Summe, die dann für das Programm übrig bleibt, reicht nicht aus. Außerdem sind die Kosten für Hotelübernachtungen und Anreisen gestiegen. Ich versuche, einen bestimmten Betrag nicht zu überschreiten.

Spielen Sie das auch wieder ein?
Nein, die gesamten Ausgaben werden nicht völlig gedeckt. Ich spreche immer wieder Institutionen und Personen an, die Gelder zur Verfügung stellen könnten, meistens ohne Erfolg. Durch Verhandlungen mit Hotels lassen sich Kosten reduzieren. Unsere Kooperationspartner wie das Jüdische Museum Frankfurt und einige Kinos, dieses Jahr das »Mal Seh’n Kino«-Kino sowie unterstützend das Renaissance-Theater Berlin, berechnen keine Kosten. Hinzu kommt das Kulturprogramm des Zentralrats, der Gemeinden fast kostenfrei ausgezeichnete Künstler vermittelt. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken.

Mit der Kulturbeauftragten der Jüdischen Gemeinde Frankfurt sprach Heide Sobotka.

Soziale Medien

Zeit zum Ausloggen

Australien hat es vorgemacht und ein Gesetz verabschiedet, wonach Jugendliche unter 16 Jahren kein eigenes Konto mehr auf Plattformen wie Instagram oder TikTok haben dürfen. Wir haben uns bei jüdischen Teenagern und Eltern umgehört, wie sie darüber denken

von Katrin Richter, Christine Schmitt  11.01.2026

Initiative

Gedenken im Alltäglichen

Im vergangenen Jahr wurden Erinnerungszeichen für rund 50 von den Nazis ermordete Münchnerinnen und Münchner der Öffentlichkeit übergeben

von Esther Martel  11.01.2026

Porträt der Woche

Frau mit kreativem Gen

Nelli Davydenko ist Pädagogin und tanzt gern zu eigenen Choreografien

von Chris Meyer  11.01.2026

Brandenburg

Potsdam soll jüdische Kita bekommen

Zum jüdischen Leben gehören auch jüdische Schulen und Kitas. Eine Kindertagesstätte wird derzeit in Potsdam geplant

 09.01.2026

Leipzig

Kinder greifen koscheres Café an

Sie bewarfen offenbar Mitarbeiter mit Plastikflaschen, beschimpften sie und versuchten, in den Schankraum einzudringen: Die Polizei ermittelt gegen mehrere Kinder und Jugendliche in Leipzig

 08.01.2026

Trauer

Schöpfer der Todesmarsch-Mahnmale: Hubertus von Pilgrim ist tot

Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim ist im Alter von 94 Jahren in Pullach bei München gestorben. Internationale Bekanntheit erlangte er durch sein Mahnmal für die Opfer des Dachauer Todesmarschs vom April 1945

 08.01.2026

Debatte

Schulen legen Namen von Antisemiten und Eugenikerinnen ab

Hedwig Dohm oder Dag Hammarskjöld sind Namen, die Schulen heute gerne tragen. Andere Schulen sind nach Menschen benannt, deren Wirken heute kritischer gesehen wird als in der Vergangenheit

von Pat Christ  08.01.2026

Gegenwart

Jetzt erst recht!

Das Festjahr für jüdisches Leben in Deutschland war ein großer Erfolg. Es wird Zeit, dass nun auch auf europäischer Ebene das reiche jüdische Erbe gewürdigt wird

von Andrei Kovacs, Abraham Lehrer  08.01.2026

Mannheim

Schätze der Synagogalmusik

Die jüdischen Kantoren treffen sich zur Jahreskonferenz und laden zu drei Konzerten ein

von Christine Schmitt  08.01.2026