Interview

Fünf Minuten mit…

»Viele junge Juden wollen zu ihren Wurzeln zurückkehren«, Michael Grünberg Foto: Lev Silber / DGPh

Herr Grünberg, Sie haben gemeinsam mit anderen Gemeindevorständen den »Bund Traditioneller Juden in Deutschland« (BTJ) gegründet. Warum?
Wir haben festgestellt, dass sich vor allem jüngere Immigranten aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion für ein traditionelles Judentum interessieren. Diese Entwicklung wollen wir unterstützen.

Sie wollen föderale Strukturen schaffen. Wie sollen die aussehen?
Wir haben zwar den BTJ mit Einzelpersonen gegründet, diese kommen aber alle aus Gemeindevorständen. Mitglieder sollen Gemeinden werden. Voraussetzung ist, dass diese Gemeinden direkt oder durch einen anderen Verband Mitglieder des Zentralrats der Juden in Deutschland sind. Denn der BTJ wird unter seinem Dach arbeiten. Dabei wird sich das Hauptaugenmerk auf die kleinen und mittleren Gemeinden richten. Sie brauchen unsere Unterstützung. Für die erfolgreiche Zukunft der Gemeinden ist die Stärkung der Einheitsgemeinde ungeheuer wichtig. Der BTJ ist so wie die Union Progressiver Juden eine Interessenvertretung einer Denomination. Durch deren Entstehung kann der Zentralrat auch seine Neutralität besser bewahren.

Tradition ist doch eigentlich ein Grundpfeiler des Judentums, warum muss sie noch zusätzlich gestärkt werden?
Das traditionelle Judentum in Deutschland blickt auf eine fast 1.000-jährige spannende und intellektuelle Geschichte zurück. Wir wollen Menschen dazu bringen, mit dem wertvollen Erbe in Kontakt zu bleiben, etwas darüber zu lernen, nachzudenken und sich aktiv ins jüdische Leben einzubringen.

Wie soll die Vermittlung aussehen? Wird es Tagungen und Seminare geben?
Es gibt in den jüdischen Gemeinden eine Reihe junger Leute, die sehr aktiv sind und sich in die Gemeinden einbringen, diese werden wir unterstützen. Das kann bei Seminaren und Tagungen möglich werden. Oder durch Hilfe beim Aufbau von Kindergärten und Einrichtung von Religionsunterricht.

Ihr Fokus liegt auf den jungen Leuten?
Sie sind unsere Zukunft. Um sie müssen wir uns ganz besonders kümmern. Wir wollen nicht, dass sie uns verloren gehen. Wir spüren, dass ihr Wille, zu ihren Wurzeln zurückzukehren, sehr groß ist. Der BTJ möchte nach innen und außen das authentische Judentum mit der korrekt gelebten und weltweit respektierten Halacha vertreten.

Mit dem Vorsitzenden des Bundes Traditioneller Juden sprach Heide Sobotka.

Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht« über ihre Sorgen um die Demokratie und den Aufstieg rechter Parteien. Zu sehen sind Ausschnitte der Interviews auch im Nachtprogramm der ARD

 19.01.2026

Interview

»Die Kita wird für alle offen sein«

Yevgeny Kutikov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Potsdam, über die erste jüdische Kita in Brandenburg.

von Christine Schmitt  19.01.2026

Dachau

2025 mehr als eine Million Besucher in KZ-Gedenkstätte

Erstmals wurden in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein ganzes Jahr lang Besucher gezählt. 2025 waren es mehr als eine Million. Im kommenden Frühjahr will man deren Profil genauer untersuchen

 19.01.2026

Köln

Jüdischer Karnevalsverein antisemitisch angefeindet

»Es ist das bisher Heftigste, was uns passiert ist«, sagt der Präsident des jüdischen Karnevalsvereins »Kölsche Kippa Köpp«. Den Mut verliert Aaron Knappstein aber nicht

von Leticia Witte  19.01.2026

Uckermark

Stille Weite

Alex Stolze ist Musiker und hat sich in einem Dorf unweit der deutsch-polnischen Grenze einen jüdischen Ort in Brandenburg geschaffen

von Katrin Richter  18.01.2026

Berlin

»Meine Überraschung war die Konfitüre aus Rosenblüten«

Laurel Kratochvila backt Challa, Rugelach und Bagels. Nun hat sie ein Buch über polnische Backkunst geschrieben, das die »New York Times« prämiert hat. Eine Reise in die Familiengeschichte und an den Straßenrand

von Katrin Richter  18.01.2026

Grunewald

Friedhof Heerstraße braucht mehr Platz

Die Gemeinde hofft auf die lang erwartete Erweiterung. 1200 neue Grabstellen sind geplant

von Christine Schmitt  18.01.2026

Porträt der Woche

Action als Lebenselixier

Ruth Frenk ist Gesangspädagogin, lebt am Bodensee und fand im Alter die große Liebe

von Matthias Messmer  18.01.2026

Gelnhausen

»Stopp! So geht das nicht!«

Die Stadt wollte das Rabbinerhaus aus dem 16. Jahrhundert verkaufen. Ein Förderverein schritt ein und entwickelt nun ein Konzept als »Ort des Dialogs«

von Eugen El  18.01.2026