Interview

Fünf Minuten…

»Die Verleihung der Körperschaftsrechte sehe ich als eine gesellschaftliche Anerkennung«, Renate Wagner-Redding Foto: Mike Minehan

Frau Wagner-Redding, die Jüdische Gemeinde Braunschweig hat den Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts erhalten. Was ändert sich für Sie?
Für die Gemeindemitglieder ändert sich nichts an ihren Rechten, aber auch nichts an ihren Pflichten. Als Gemeinde genießen wir als KdöR in der Gesellschaft ein noch besseres Ansehen, als wir es als eingetragener Verein hatten.

Was war der Anlass, den Vereinsstatus aufzugeben?
Ausschlaggebend, uns um den Statuswechsel zu bemühen, war die Tatsache, dass wir für den Umbau unseres Gemeindezentrums von unserer Hausbank keinen Kredit erhielten. Obwohl wir dort seit Wiederbelebung der Gemeinde und ihrer Eigenständigkeit in den 70er-Jahren – also seit etwa 40 Jahren Kunden sind, erhielten wir bei unserer Anfrage die Antwort, dass ein e.V. keinen Kredit erhält. Hinzu kam, dass der Landesverband, namentlich sein Vorsitzender Michael Fürst uns nahelegte, den Körperschaftsstatus zu beantragen. Er wies besonders darauf hin, dass uns ja auch das Haus gehört, in dem das Gemeindezentrum untergebracht ist.

Welche Voraussetzungen mussten Sie dafür erfüllen?
Wir mussten unsere Satzung entsprechend umformulieren was zu ausführlichen Diskussionen in der Gemeindeversammlung führte. Aber das haben wir schließlich zu aller Zufriedenheit hinbekommen.

Wir lange hat sich der Akt des Statuswechsels hingezogen?
Fast vier Jahre. Schließlich muss der eingereichte Antrag erst einmal geprüft werden. Dann muss die Satzung geändert werden. Der Wirtschaftsprüfer braucht auch eine ganze Weile. Jetzt muss ich die Gemeindemitglieder offiziell in Kenntnis davon setzen, dass ab Eintritt der KdöR die Satzungsänderung gilt, die wir im März 2009 besprochen und beschlossen haben.

Seit der Gesetzesnovelle 2005 versiegt der Zustrom von russischsprachigen Juden. Verleiht der KdöR-Status den Gemeinden Bestandsschutz?
Einen solchen Status zu erlangen setzt voraus, dass man Bedingungen erfüllen muss. Unter anderem müssen neutrale Wirtschaftprüfer eine Prüfung der Finanzen über den Zeitraum von drei Jahren vornehmen. Und bei vielen kleinen Gemeinden sieht es da nicht gut aus, die leben von der Hand in den Mund, was nicht ihre Schuld ist, aber so sieht es nun mal aus. Bei einer KdöR steht dann auch der Staat in der Verantwortung wenn die Gemeinde etwa Schulden gemacht hat.

Würden Sie kleineren Gemeinden raten, den Körperschaftsstatus anzustreben?
Der Status gibt uns Rechtssicherheit für die Zukunft. Bei unserem Haus, das teils Wohnhaus, teils Gemeindezentrum ist, kann es schnell zu sehr hohen Reparaturkosten kommen, die wir nicht mal eben so begleichen können. Wenn wir jetzt einen Kredit aufnehmen müssen, haben wir als KdöR bessere Möglichkeiten. Außerdem sind wir jetzt mit den christlichen Kirchen gleichgestellt. Den Körperschaftsstatus verstehe ich daher als eine gesellschaftliche Anerkennung. Insofern ist er auch erstrebenswert.

Mit der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Braunschweig sprach Heide Sobotka.

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Angriffe

Schmierereien und Drohungen: Antisemitismus an NS-Gedenkstätten nimmt zu

Lehrer hätten bereits Führungen abgesagt, aus Angst, dass Schüler das Programm boykottieren

von Leticia Witte  18.03.2026

Ehrung

Ein pflichtbewusster Optimist

Fritz Neuland war einer der Wiederbegründer und später Präsident der Münchner Kultusgemeinde. Nun ist eine Straße nach ihm benannt

von Esther Martel  16.03.2026

Auftakt

Schutzversprechen für die jüdische Gemeinschaft

Im Alten Rathaus am Marienplatz begann die Münchner »Woche der Brüderlichkeit« 2026

 16.03.2026

Dresden

Stimme der Aufklärung

Die 90-jährige Schoa-Überlebende Renate Aris erhält für ihr Engagement als Zeitzeugin das Bundesverdienstkreuz

 15.03.2026

Berlin

Signale am Gleis 17

Aktivisten möchten aus dem ehemaligen Bahnwärterhaus eine Info-Werkstatt zur Schoa machen

von Christine Schmitt  15.03.2026

Porträt

Im Einsatz für andere

Jutta Josepovici arbeitete für die ZWST und die Frankfurter Jüdische Gemeinde

von Eugen El  15.03.2026

Leipzig

In sichere Hände

Die Israelitische Religionsgemeinde bekommt eine hebräische Bibel von 1906 geschenkt

von Thyra Veyder-Malberg  14.03.2026

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026