Volkstrauertag

»Freiheitliche und wehrhafte Ordnung«

IKG-Präsidentin Knobloch legte gemeinsam mit Brigadegeneral Hambach einen Kranz nieder. Foto: Marina Maisel

Auch in diesem Jahr wollte Charlotte Knob­loch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, am Volkstrauertag den gefallenen jüdischen Soldaten des Ersten Weltkriegs ihren Respekt erweisen.

Anders als sonst war allerdings ein Gedenkakt mit zahlreichen Teilnehmern, Reden und einer religiösen Zeremonie wegen des Corona-Lockdowns nicht möglich. Gemeinsam mit dem Kommandeur des Bundeswehr-Landeskommandos Bayern, Brigadegeneral Thomas Hambach, legte Charlotte Knobloch am Gedenkstein auf dem Neuen Israelitischen Friedhof einen Kranz nieder.

mahnung Welche Botschaft von den gefallenen jüdischen Soldaten ausgeht, fasste die IKG-Präsidentin in einem Satz zusammen. »Es ist die Mahnung zu einer freiheitlichen, demokratischen und wehrhaften Ordnung«, sagte sie und wies darauf hin, dass die Rolle der Juden im Ersten Weltkrieg lange Zeit aus dem kollektiven Gedächtnis weiter Kreise der Gesellschaft ausgeblendet wurde.

Anders als sonst war ein Gedenkakt mit zahlreichen Teilnehmern, Reden und einer religiösen Zeremonie wegen des Corona-Lockdowns nicht möglich.

Andererseits fühlten sich diese vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Deutsche und folgten aus diesem Selbstverständnis heraus dem Ruf an die Front. Allein die Zahlen sprechen für sich: 100.000 jüdische Soldaten gehörten zwischen 1914 und 1918 der deutschen Armee an, 80.000 von ihnen waren an der Front stationiert, 19.000 wurden befördert, 2000 in den Offiziersrang erhoben, 30.000 erhielten Tapferkeitsmedaillen – und 12.000 verloren als Deutsche ihr Leben.

Nur kurze Zeit später verkehrte sich die Geschichte ins Gegenteil. Selbst Historikern fällt es schwer, für dieses zeitgeschichtliche Phänomen eine Erklärung zu finden.

entwicklung Charlotte Knobloch sprach diesen Punkt ebenfalls an: »Schon unmittelbar nach dem Ende des Krieges«, beschreibt sie die damalige gesellschaftliche und politische Entwicklung, »sah sich die jüdische Bevölkerung aggressivem Hass und widerlicher Hetze ausgesetzt – und nur 20 Jahre später war Auschwitz Realität.«

Die Verantwortung, die aus dieser Zeit erwächst, ist auch für die Bundeswehr präsent. In jedem Jahr findet der Erinnerungsakt am Volkstrauertag unter ihrer Mitwirkung statt. Brigadegeneral Thomas Hambach, in dessen Händen die Führung des Landeskommandos seit vergangenem Jahr liegt, nahm zum ersten Mal an der Gedenkveranstaltung auf dem Neuen Israelitischen Friedhof teil.

Kriminalität

Berlin: Mehrere Chanukka-Leuchter beschädigt

Fälle wurden aus Schöneberg und Lichtenberg gemeldet. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen

 09.12.2021

München

Fritz Bauer, Kaunas, Goethe

Meldungen aus der IKG

 09.12.2021

Kulturzentrum

»Antisemiten sind immer die anderen«

Eva Gruberová und Helmut Zeller stellten im Gespräch mit Jan Fleischhauer ihr neues Buch vor

von Helmut Reister  09.12.2021

Sicherheit

Gegen Hass und Hetze

In Bayern fand eine landesweite Durchsuchungsaktion statt, um Antisemitismus im Internet wirksam zu bekämpfen

von Helmut Reister  09.12.2021

Stuttgart

Starkes Zeichen der Solidarität

Innenminister unterzeichnen in der Synagoge eine Erklärung gegen Hass, Hetze und Antisemitismus

von Heidi Hechtel  09.12.2021

Porträt

Mit der Geschichte groß geworden

Carmen Reichert wird neue Direktorin des Jüdischen Museums Augsburg

von Katrin Diehl  09.12.2021

Düsseldorf

Podcast für alle

Die Jüdische Gemeinde startet mit »Un(d)orthodox« ein neues digitales Projekt

von Annette Kanis  09.12.2021

Rheinland-Pfalz

Landesrabbiner für die SchUM-Region

In Koblenz wurde David Schwezoff in sein Amt eingeführt

von André Anchuelo  09.12.2021

ZWST

»Machane-Feeling für zu Hause«

Nachumi Rosenblatt über Alternativen zum Winterprogramm, Engagement und neue Projekte

von Christine Schmitt  09.12.2021