Rosch-Haschana-Empfang

»Fit für die Zukunft«

Problemkiez, Arbeitslosigkeit und hohe Kriminalitätsraten: Wenn vom Berliner Ortsteil Wedding die Rede ist, dauert es für gewöhnlich nicht lange, bis diese Schlagworte fallen. Es gibt nicht viele Institutionen in dem Bezirk, die mit positiven Schlagzeilen von sich reden machen.

Das Jüdische Krankenhaus Berlin in der Heinz-Galinski-Straße ist in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Unter den Top Ten im bundesweiten Ranking, vorbildliche Auslastung der Betten und ein international anerkanntes Zentrum für Neurologie – das vor 250 Jahren als »Judenlazarett« gegründete Krankenhaus gehört neben der Charité zu den renommiertesten Krankenhäuser der Hauptstadt.

Bedeutung So verwunderte es auch kaum, dass Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe beim traditionellen Rosch-Haschana-Empfang des Jüdischen Krankenhauses dessen Bedeutung für die Gesundheitsversorgung Berlins hervorhob. »Das Krankenhaus leistet fantastische Arbeit in einem wahrlich nicht einfachen Stadtteil. Es ist fit für die Zukunft«, sagte Gröhe vor rund 200 geladenen Gästen im Beisein der Weddinger Bundestagsabgeordneten Philipp Lengsfeld (CDU), Eva Högl (SPD) und Özcan Mutlu (Grüne).

In seiner Rede ging Gröhe auch auf die wechselvolle Geschichte des Krankenhauses ein, das nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 massiven Restriktionen ausgesetzt war. Nach 1939 funktionierten die Nazis es in ein Ghetto um und missbrauchten es als Lager zur Deportation von jüdischen Berlinern in Konzentrationslager. »Die Beteiligung von Ärzten am Ausschluss ihrer jüdischen Kollegen aus der Ärztekammer bis hin zur Ermordung von Juden ist eine Schande«, betonte Gröhe.

Der während der Schoa ermordeten Menschen gedachte an diesem Abend auch der Berliner Gemeinderabbiner Yehuda Teichtal in seiner abschließenden Rede. Gemäß dem jüdischen Denken, wonach es die höchste Form der Güte ist, Leben zu retten, und wer eine einzige Seele rettet, die ganze Welt rettet, sagte Teichtal: »Dieses Haus ist deshalb nicht nur ein Krankenhaus, sondern auch ein heiliges Haus.«

Geschichte Der Name Jüdisches Krankenhaus verweist auf seine Ursprünge in der Trägerschaft durch die Jüdische Gemeinde in Berlin. Es ist die älteste Einrichtung, die von Juden in Berlin geschaffen wurde und die immer noch in gleichbleibender Funktion besteht.

Nach einer Restaurierung 2003 befindet sich auf dem Gelände des Krankenhauses wieder eine kleine Synagoge, die von den Patienten am Schabbat besucht werden kann. Der über 250-jährigen Tradition entsprechend steht das Krankenhaus jedoch allen Menschen offen – unabhängig von Religion, Kultur und Herkunft. ja

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