Jewrovision

Fit für den Auftritt

Hoffentlich sagt der Coach etwas zu unseren Klamotten und zu unserem Tanz», sagt Mosche Wältermann. Seit Wochen sind der Zwölfjährige und acht weitere Jugendliche dabei, die Choreografie für die Jewrovision auf die Beine zu stellen. Am vergangenen Samstag hat die Gruppe extra eine Probe in einem Tanzstudio abgehalten, weil es in den Oldenburger Gemeinderäumen zu eng dafür ist. Und am Sonntag ist es soweit, da kommt Elaine Delberg aus Berlin angereist, die ehrenamtlich als eine von vier Coaches für die Jewrovision im Einsatz ist.

«Ich möchte Pepp hineinbringen, ihnen sagen, dass sie Freude versprühen und sie den größten Spaß auf der Bühne haben sollen», sagt Elaine Delberg. Sie freue sich schon sehr auf ihre erste Begegnung. Es komme nicht so sehr darauf an, wie die Choreografie gestaltet ist, sondern ob der Funke aufs Publikum überspringt, meint die 24-Jährige. Und das klappe mit einem Strahlen und Lächeln am besten.

Sie muss es wissen, denn mehrmals hat sie den Titel mit dem Berliner Jugendzentrum Olam geholt, sowohl als Mitwirkende als auch als Beraterin. Außerdem hat sie sich zusammen mit ihrem Bruder Mike mehrere Pokale in lateinamerikanischen Tänzen erkämpft, zuletzt sogar die Landesmeisterschaft für sich entschieden. Nach dem Abitur studierte sie Schauspiel und hat seit einiger Zeit die «staatlich anerkannte Bühnenreife» in der Tasche, wie der Abschluss heißt. Bis vor Kurzem stand sie noch für das Jüdische Theater regelmäßig auf den Brettern, nun arbeitet sie bei Max Entertainment Events.

Casting Speziell kleinere Gemeinden haben es schwer, bei dem jüdischen Gesangs- und Tanz-Megaevent gegen die großen zu punkten. Während beispielsweise in Berlin jedes Jahr ein Casting stattfindet – immerhin gibt es mehrere Hundert Jugendliche in der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands – und von ihnen die ambitioniertesten ausgesucht werden können, sind in kleineren Gemeinden alle dabei, die Lust haben. Ohne Casting. Wie in Mosches Jüdischer Gemeinde zu Oldenburg.

300 Mitglieder zählt sie, von denen etwa 18 im Alter von drei bis 17 Jahren die Sonntagsschule besuchen und neun in einem Alter sind, dass sie an der Jewrovision teilnehmen dürfen. Und damit dürfte Oldenburg auch die kleinste Gemeinde sein, deren Jugendliche bei der Jewrovision am 6. Februar in Mannheim auf der Bühne stehen.

Unterstützung «Eine Gemeinde, wie wir es sind, hat damit wahnsinnig viel zu stemmen», sagt der Vorsitzende Jehuda Wältermann. Da kann die Beschaffung von einheitlichen T-Shirts schon schwierig werden. Für das Februarwochenende hat er sich um zwei Autos gekümmert. Ein Bulli wurde angemietet, einer gehört der Gemeinde. Neben den Kindern kommen auch die «Senioren» mit, wie Wältermann sagt. Bereits vor zwei Jahren, als Oldenburg zum ersten Mal dabei war, wollten die über 70- und 80-Jährigen ihre Jugendlichen als Fanclub unterstützen. «Damit stieg das Durchschnittsalter der Zuschauer um zehn Jahre», sagt Wältermann schmunzelnd.

Im vergangenen Jahr war Oldenburg nicht vertreten, doch diesmal haben sie «ein tolles Lied», wie der 15-jährige Lior Wältermann betont, und eine gute Choreografie. Und die ältere Generation spielt bei dem Vorstellungsvideo ebenfalls eine Rolle – passend zum Motto «Next Generation». «Das muss man erst einmal schaffen, dass in so einer kleinen Gemeinde alle Jugendlichen mitziehen – Oldenburg hat deshalb schon meine Sympathie», sagt Elaine Delberg.

«Früher besuchte ich als Kind die Sonntagsschule, nun engagiere ich mich dort», sagt die 17-jährige Liliya Sheina. Für sie stand fest, dass sie nun bei den Proben und dem Auftritt dabei sein wird. Mittlerweile habe alle das Jewrovision-Fieber gepackt. «Wir sind alle miteinander befreundet», sagt Lior. Dennoch gebe es manchmal auch Meinungsverschiedenheiten. Sieht dieser Schritt gut aus, passt diese Betonung?

Derzeit probt der 15-Jährige bis zu sechsmal in der Woche. Das Lied haben sie selbst geschrieben, es ist «ein sehr emotionales», verrät Lior. Die Jewrovision ist für ihn der Höhepunkt des Jahres, und seit das Thema bekannt ist, haben sie «richtig Gas gegeben». Ihm habe es sehr leid getan, dass sie im vergangenen Jahr nicht dabei sein konnten. «Ich muss nicht unter die Top Ten kommen. Ich möchte nur Spaß», sagt Lior.

freiburg Während Elaine Delberg mit den Jugendlichen in Oldenburg trainiert, ist Laura Cazes gerade im Breisgau unterwegs. Sie coacht die Freiburger Gemeinde, die fast doppelt so groß wie die Oldenburger ist. Trotzdem holt sich die Gemeinde für die Jewrovision Unterstützung von Jugendlichen aus den Nachbargemeinden. Einige nehmen dafür sogar eine Anfahrtszeit von mehr als einer Stunde zu den Proben beispielsweise in Baden-Baden in Kauf. Auch Laura Cazes ist mehrere Stunden unterwegs, wenn sie von Frankfurt herüberfährt.

Sie stand schon bei den ersten beiden Jewrovisions, die damals noch gar nicht so hießen, in Bad Sobernheim auf der Bühne. In den vergangenen Jahren hat sie sich immer wieder engagiert und kleinere Gemeinden unterstützt. Ihr Eindruck von den Freiburger Jugendlichen: «Sie nehmen es sehr ernst und haben hart gearbeitet.»

30 Jugendliche im Alter von elf bis 18 Jahren werden im Rampenlicht stehen. Und auch im Freiburger Jugendzentrum wird viel Wert darauf gelegt, dass alle Interessierten mitmachen können. «Gute Tänzer sind dabei, und der Gesang ist auch toll.» Laura Cazes’ Hauptanliegen: an der Bühnenpräsenz zu arbeiten und den Tänzern und Sängern noch den letzten Schliff zu verpassen. «Die Herausforderung für sie ist, in diesen vier Minuten, die der Auftritt dauert, alles rüberzubringen.»

Auch Laura ist gut vorbereitet auf ihre Aufgabe. Fünf Jahre lang hatte sie Gesangsunterricht. Seit sie sieben Jahre alt ist, tanzt sie. Zuletzt hat sie in einem Verein im Hip-Hop-Stil um Meistertitel gekämpft. Nach dem Abitur studierte die 25-Jährige Psychologie und arbeitete für die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland beim Deutsch-Israelischen Freiwilligendienst in Frankfurt.

«Ich freue mich über die Beiträge aller Städte», sagt Laura Cazes. Die besten sollen gewinnen, meint sie.

Jury und Schirmherren
In der Jewrovision-Jury sitzen in diesem Jahr die TV-Moderatorin Andrea Kiewel, der Rapper Ben Salomo, die Schauspieler Rebecca Siemoneit-Barum («Lindenstraße»), Shai Hoffmann («Gute Zeiten, schlechte Zeiten», «Verliebt in Berlin») und Raúl Richter («Das Mädchen aus dem Fahrstuhl») sowie der Sieger von «The Voice Kids 2015», Noah Levi.

Schirmherren sind Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann sowie der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz.

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