70 Jahre Israel

Festival am Gleisdreieck

Was braucht man für den perfekten Hummus? Rogel Rachman hat da so seine eigene Theorie. »Neben Kichererbsen und leckerer Tahini-Sauce ist die wichtigste Zutat ganz viel Liebe«, sagt er. Ohne die richtige Portion Leidenschaft nütze schließlich auch das beste Kochrezept nichts.

Rogel Rachman ist israelischer Gesandter in Berlin und passionierter Hobbykoch. Am vergangenen Sonntag zeigte der Diplomat Besuchern auf dem von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) organisierten Festival »70 Jahre Israel«, wie man das israelische Nationalgericht frisch und unkompliziert zubereitet. »Israelis lieben gutes Essen, und Hummus gehört bei uns definitiv zu den Lieblingsgerichten«, sagt Rachman. Während manch einer die Kichererbsen-Spezialität mit ordentlich Knoblauch mag, bevorzuge es ein anderer mehr mit Zitrone oder reichlich Kumin. »Die Hauptsache ist doch, dass es gut schmeckt«, findet der israelische Botschaftsrat.

strand Der Hummus-Workshop war eines der Highlights des dreitägigen Festivals. Von Freitag bis Sonntag hatte die DIG in die Location »Station Berlin« am U-Bahnhof Gleisdreieck eingeladen, um den jüdischen Staat zum 70. Jahrestag in seiner ganzen Vielfalt zu präsentieren.

Insgesamt waren der Einladung über das Wochenende rund 5000 Besucher gefolgt. Die Veranstaltung fand unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) statt. Zu den Unterstützern zählten neben dem Auswärtigen Amt auch die israelische Botschaft und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST).

»Ich bin positiv überrascht, dass so viele Berlinerinnen und Berliner gekommen sind und mit uns gemeinsam Israel und seine Menschen gewürdigt haben«, zieht Maya Zehden, Vizepräsidentin der DIG, Bilanz. Die gute Resonanz habe gezeigt, wie eng die deutsch-israelischen Beziehungen nach wie vor seien. »Uns war wichtig, den Menschen in Berlin und Deutschland mit dem Festival Israel näherzubringen und darüber hinaus ein anderes Bild des Landes zu vermitteln, als es die üblichen Berichte in den Medien sonst tun«, sagt Zehden.

krav maga Das abwechslungsreiche Veranstaltungsprogramm reichte von verschiedenen Workshops über Filme und Vorträge bis hin zu Sportkursen und Partys am Abend. Neben politischen Diskussionen – etwa über aktuelle Entwicklungen des Staates Israel und das Iran-Abkommen – stand vor allem die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt Israels im Vordergrund der Veranstaltung.

So waren die Besucher zusätzlich zu dem Hummus-Kochkurs eingeladen, ihren Namen auf Hebräisch zu schreiben, israelische Volkstänze zu erlernen und israelische Popmusik zu hören. An über 30 Ständen konnte man mit Kooperationspartnern Israels ins Gespräch kommen.

Ein Cateringservice sorgte mit Falafel, Kebab und israelischem Goldstar-Bier für das leibliche Wohl. Eine Beach-Area mit Liegestühlen brachte das Tel-Aviv-Flair nach Berlin und lud zum Entspannen ein. Wer eher sportlich unterwegs war, spielte eine Runde Volleyball oder lernte, wie man sich mit der Kraftsportart Krav Maga selbst verteidigt.

prominenz »Es gab hier wirklich viel zu sehen, und ich freue mich schon, demnächst einmal selbst nach Israel zu fahren und mir ein eigenes Bild von Land und Leuten zu machen«, sagte Mariah Barone. Die 24-Jährige stammt aus Brasilien und war zusammen mit ihrem Freund zu dem Festival gekommen. Am Ende nahm die Studentin eine mit vielen Info-Materialien vollgepackte Tüte mit nach Hause. »Das Hummus-Rezept werde ich bestimmt einmal nachkochen«, sagte Barone.

Zur Eröffnung der Veranstaltung am Freitag konnte DIG-Präsident Hellmut Königshaus viel Prominenz begrüßen. Israels Präsident Reuven Rivlin bedankte sich per Videobotschaft bei der DIG und allen Freunden Israels für ihre wichtige Unterstützungsarbeit. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, der Vizepräsident der Knesset, Yehiel Hilik Bar, und Michelle Müntefering (SPD), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, sprachen Grußworte.

Ein ganz besonderer Gast war der gebürtige Berliner Arye Sharuz Shalicar. Shalicar, dessen jüdische Familie nach dem Sturz des Schahs aus dem Iran nach Deutschland geflohen war, wuchs in den 80er-Jahren im sozialen Brennpunkt Berlin-Wedding auf. Als Jugendlicher schloss er sich einer arabisch-türkischen Jugendgang an, ohne allerdings von seiner jüdischen Herkunft zu sprechen. Als diese später bekannt wurde, wurde Shalicar von seinen ehemaligen Freunden antisemitisch beschimpft und bedroht. Als Erwachsener wanderte er nach Israel aus, wo er bei der Armee Karriere machte.

austausch Derzeit arbeitet der 40-Jährige als Abteilungsleiter im israelischen Ministerium für Nachrichtendienste im Büro des Ministerpräsidenten. Auf dem Festival las Shalicar aus seinem Buch Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude. Bei einer Podiumsdiskussion zum Iran schilderte der Ex-Berliner seine Haltung gegenüber dem theokratischen Mullah-Regime. Beide Veranstaltungen waren gut besucht. »Ein prominenter Publizist wie Shalicar hat sicherlich dazu beigetragen, dass so viele Menschen den Weg zu uns gefunden haben«, sagt DIG-Vizepräsidentin Zehden.

»Ich finde, das Festival war ein voller Erfolg«, meint Niclas Cares. Er betreute auf der Veranstaltung den Informationsstand von »ConAct«, dem Service- und Koordinierungszentrum für Jugendkontakte zwischen Deutschland und Israel. Die Organi-
sation, die 2001 auf Initiative des Bundesfamilienministeriums entstand, unterstützt bestehende Kontakte und entwickelt neue Ideen für Austauschprogramme. »ConAct« fördert jedes Jahr rund 300 Projekte finanziell und pädagogisch in der außerschu-
lischen Bildungs- und Austauscharbeit.

»Veranstaltungen wie das Festival sind sehr wichtig für uns, um unsere Austauschprogramme vorzustellen und mit Interessierten ins Gespräch zu kommen«, sagt Cares, bevor er sich zu den Schaulustigen um Rogel Rachman gesellt und dessen frisch zubereiteten Hummus kostet.

Erinnerung

Verantwortung lebt weiter

In Dachau fand kurz vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag erstmals ein »March of the Living« statt

von Esther Martel  09.02.2026

Lerntool

Timothée Chalamet, Batmizwa und eine Davidstern-Kette

»Sich be-kennen«: Der Zentralrat der Juden bietet einen interaktiven Onlinekurs über die Vielfalt des Judentums für Schulen und interessierte Gruppen an

von Helmut Kuhn  09.02.2026

Berlin-Neukölln

Kritik am Kandidaten

Ahmed Abed sorgte jüngst für einen Eklat, als er einen israelischen Gast als »Völkermörder« beschimpfte. Doch bei der Linkspartei steht der Politiker mit palästinensischen Wurzeln hoch im Kurs

von Imanuel Marcus  09.02.2026

Restitution

Uni Frankfurt übergibt erstmals NS-Raubgut an Jüdische Gemeinde

Seit gut fünf Jahren durchforstet die Universitätsbibliothek in Frankfurt ihre Bestände systematisch nach Raubgut aus der NS-Zeit. Das Projekt trägt nun Früchte - und ist noch lange nicht abgeschlossen

 09.02.2026

Berlin

Lesen, Lernen, Spaß

Der Saftblatt-Baum stand im Mittelpunkt der Erzählstunde des Projekts PJ Library

von Naomi Gronenberg  08.02.2026

Wettbewerb

»Kein Reichtum ist größer«

Aus 13 Ländern kamen Jugendliche zum europäischen Finale des Bibelquiz Chidon Hatanach in München

von Esther Martel  08.02.2026

Porträt der Woche

Der Geheimnisträger

Leonid Komissarenko war Rüstungstechniker – und emigrierte, um seine Frau zu retten

von Anja Bochtler  08.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026