Mannheim

»Es ist eine Schande«

Die Synagoge in Mannheim Foto: imago stock&people

Der Sachschaden sei relativ gering, sagt Rita Althausen. »Aber es ist eine Schande und nicht einfach nur eine Tat von randalierenden Jugendlichen«, stellt die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim fest. In der Zeit zwischen Dienstag um 13 Uhr und Mittwochmorgen 7.50 Uhr hat ein bislang unbekannter Täter offenbar einen Absperrpoller gegen eine schützende Plexiglasscheibe vor der Synagoge geworfen und diese durchstemmt.

Der Hausmeister habe den Schaden am Mittwochmorgen entdeckt. Bei seinem Rundgang am Dienstagmittag sei noch alles in Ordnung gewesen, erklärt Althausen. Sie könne das Ereignis schwer einschätzen und habe umgehend mit dem Polizeivizepräsidenten gesprochen. Auch er wisse nicht, wie dieser Akt der Gewalt einzuordnen sei.

»Wenn es wirklich ein antisemitischer Anschlag war, dann ist das sehr bedenklich.«

Gemeindevorsitzende Rita Althausen

»Es ist widerwärtig, es ist scheußlich«, sagt Althausen. Der Vorfall zeige, dass das Gewaltpotenzial groß sei. Egal in welche Richtung man denke, die Tat sei schändlich und erschreckend, und sie frage sich, welche Intention dahinterstehe. »Wir kennen die Täter nicht, es ist alles noch unbekannt. Wenn es wirklich ein antisemitischer Anschlag war, dann ist es sehr bedenklich«, betont die Gemeindevorsitzende. »Dann ist es ein Zeichen, dass der Täter oder die Täter uns treffen wollte.« Aus ihrer Sicht könnten es keine Kinder gewesen sein: »Der Poller ist ja sehr schwer, die Tat kann nur von einem sehr kräftigen Menschen oder zu zweit begangen worden sein.«

Zeugenbefragung Inzwischen seien Bewohner in der näheren Umgebung befragt worden. »Es muss ja einen Schlag gegeben haben«, meint Althausen. Doch Zeugen habe man bislang noch nicht ermitteln können. »Der Staatsschutz ermittelt, das Landeskriminalamt, die Spurensicherung – alles ist in der Auswertung. Das kostet Nerven, kein Mensch braucht das.«

Mannheim sei für das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen bekannt, sagte Althausen. »Wir hatten jetzt wieder ein Treffen des Forums der Religionen, darin sind viele Religionsgemeinschaften vertreten. Einmal im Jahr gibt es ein Sommerfest, in diesem Jahr konnte es stattfinden, und mehr als 20 Beteiligte waren da.« Man habe sehr gute Gespräche geführt.

»Die Menschen, die sich daran beteiligen, sind offen, sie wollen den Dialog, sind ehrlich. Und sie wirken auch auf ihre Gemeinde ein.« Es gebe allerdings viele Jugendliche, die die muslimischen Verbände selbst nicht erreichten und von ihnen als sehr hasserfüllt und radikal eingeschätzt würden. Darin liege eine gewisse Gefahr.

Die Motivation hinter dem Anschlag ist zur Stunde noch vollkommen ungeklärt.

Aus welcher Motivation heraus dieser Gewaltakt erfolgt sei, sei zur Stunde jedoch noch vollkommen unklar. Althausen findet es gefährlich, zu denken, dass es sich um einen muslimischen Anschlag handeln könnte. »Das will ich nicht«, betont sie. »Dann kommen wir in ein ganz schlechtes Licht. Es kann auch ein Rechtsradikaler gewesen sein, ein dummer Streich, ein Betrunkener oder sonst wer.« Man dürfe in diesem Zusammenhang nicht spekulieren.

»Wir haben keine Probleme mit Muslimen«, sagt Althausen. Man tauscht sich aus, besucht sich gegenseitig, erzählt die Gemeindevorsitzende. Muslime kämen in die Synagoge, Juden besuchten die Moschee. »Wir bleiben weiter im Dialog, das haben wir gerade jetzt am Montag beim Sommertreffen klargemacht. Wir sind auf Augenhöhe, wir stehen mit allen Religionsgemeinschaften in engem Kontakt. Mannheim ist da wirklich offen.«

Stadtgesellschaft Althausen betont, dass es viele Kooperationspartner gibt, mit denen gemeinsam eine jüdische Kulturwoche im Herbst geplant ist. »Wir sind ganz fest in dieser Stadtgesellschaft verankert. Deswegen ist es ja so traurig, wenn es solche verlorenen Seelen gibt, die meinen, sie müssten hier ihr Gewaltpotenzial ausleben.«

Sie nehme den Anschlag sehr ernst, ebenso die Polizei, die jetzt verstärkt Streife ums Haus fahre. »Vielleicht finden sich ja doch Fingerabdrücke. Wir müssen die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. Die Polizei ist sehr flexibel. Auf sie lasse ich nichts kommen. Es ist nur gut, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist«, zeigt sich Rita Althausen erleichtert.

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