Frankfurt/Main

Eine Vielfalt von Beziehungen

Ausgelassene Stimmung bei der FRA-TLV-Eröffnungsparty am Samstagabend Foto: Rafael Herlich

Ich bin überzeugt, dass die einzigartige Beziehung zwischen Israel und Deutschland auf dem Israelkongress durch neue Partnerschaften bereichert wird», sagte Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman. Gemeinsam mit Zentralratspräsident Josef Schuster eröffnete er am Sonntag auf dem Messegelände Frankfurt den 4. Israelkongress.

Hadas-Handelsman war sich sicher, dass auf Europas größtem Israelkongress die eindrucksvolle Vielfalt der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sichtbar werden würde: «Hier treffen sich Freunde und Unterstützer Israels aus dem deutschsprachigen Raum, um ihre Zusammenarbeit weiter zu vertiefen», sagte Hadas-Handelsman. «Der jüdische Staat braucht mehr denn je Verbündete wie Deutschland, die in tiefer Solidarität für das Existenzrecht und die Sicherheit Israels einstehen», betonte Josef Schuster. Das hätten die jüngsten Anschläge in Jerusalem und Tel Aviv und die instabile Lage im Nahen Osten erneut vor Augen geführt.

schirmherrschaft Rund 3000 Teilnehmer und 200 Organisationen hatten sich zu dem Treffen am Wochenende unter dem Motto «Building Partnerships» angemeldet, um die deutsch-israelischen Beziehungen zu stärken. Die Schirmherrschaft hatten Schuster und Hadas-Handelsman übernommen. Hochrangige Experten und Repräsentanten informierten und berieten über alle relevanten Themen, von der Kooperation in der Sicherheit über Wirtschaft bis zu Kultur, Forschung und Sport.

Am Sonntagnachmittag wurde Mathias Döpfner, Axel-Springer-Vorstandsvorsitzender, mit dem Arno-Lustiger-Ehrenpreis ausgezeichnet. Döpfner habe sich um die bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel verdient gemacht, heißt es in der Urkunde. Der Preis wird zum Andenken an den Historiker und Publizisten Arno Lustiger an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen. Frühere Preisträger waren der Schriftsteller Ralph Giordano und der ehemalige Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer. Döpfner habe sich in der öffentlichen Debatte «immer wieder mit deutlichen Worten für die Unterstützung Israels durch Deutschland eingesetzt», betont Veranstalter Stawski. Die Laudatio hielt der Publizist Henryk M. Broder.

Der Kongress knüpfte direkt an das zurückliegende Jubiläumsjahr der deutsch-israelischen Beziehungen an. Veranstalter sind der Verein ILI – I like Israel, dessen Präsident Sacha Stawski und die Israel Allies Foundation. Das Potenzial deutsch-israelischer Beziehungen, sagte Sacha Stawski, sei auch nach 50 Jahren bei Weitem nicht ausgeschöpft. Der 46-jährige Frankfurter ist der Initiator der 2010 gestarteten bundesweiten Veranstaltungsreihe, die in der Regel alle zwei Jahre stattfindet.

Themen Neben dem Jubiläumsjahr und gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Kontakten waren die aktuelle Flüchtlingsfrage und der Terror die bestimmenden Themen des Israelkongresses.

Über die öffentliche Sicherheit und Israels Rolle in der internationalen Arena in Zeiten von Flüchtlingsströmen und Terror sprach und diskutierte Generalmajor Gamal Hakroosh, stellvertretender Polizeipräsident Israels, mit Nachman Shai, stellvertretender Sprecher der Knesset und Vorsitzender der israelisch-deutschen Parlamentariergruppe. In einem Business-Panel unter dem Titel «Partnerschaft zahlt sich aus» debattierten Israel Tapoohi, der Präsident und CEO von Israel Bonds, und die israelische Handelsattachée Hemdat Sagi mit Lutz Raettig, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Morgan Stanley Bank.

Unter dem Titel «50 Jahre diplomatische Beziehungen – und nun?» versuchten Harald Kindermann, ehemaliger deutscher Botschafter, Deidre Berger vom American Jewish Committee, der Bundestagsabgeordnete Volker Beck, Hellmut Königshaus, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, und Avraham Nir-Feldklein, Gesandter der israelischen Botschaft, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Über Verteidigung und grenzüberschreitende Kooperationen debattierten der ehemalige israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz und Roderich Kiesewetter, Obmann für Außenpolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

highlight Am Samstagabend hatte «Golden Boy» Nadav Guedj, Vertreter Israels beim Eurovision Song Contest 2015 in Wien, neben DJ Lev aus Berlin und dem kurdischen Sänger Bedil Brahim für ein musikalisches Highlight der großen Samstagabendparty Frankfurt-Tel Aviv gesorgt.

Begleitet wurde das Programm des Kongresses durch zahlreiche Workshops zu den Themen Sport, Religion, Jugend, Business oder psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen und Trauma-Opfern. Autorenvorträge standen ebenso auf dem Programm wie ein Treffen für die israelsolidarische Hochschularbeit. Darüber hinaus waren rund 200 Aussteller mit ihren Ständen im Kongresszentrum vertreten. Hinzu kamen weitere Empfänge und Veranstaltungen etwa von der Industrie- und Handelskammer, der Stadt Frankfurt und der B’nai B’rith Frankfurt Schönstädt Loge in ihren eigenen Räumen in Frankfurt. Ziel des Israelkongresses ist es, die Zusammenarbeit beider Staaten in allen gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Bereichen zu fördern und Netzwerke zu knüpfen.

Chemnitz

Zentralrat der Juden trauert um Siegmund Rotstein

Ehemaliger Gemeinde- und Landesvorsitzender starb im Alter von 94 Jahren

 07.08.2020

Berlin

Mutiger Entschluss

Samuel Salzborn ist neuer Antisemitismusbeauftragter

von Maria Ugoljew  06.08.2020

München

Makkabi, Erinnerungsort, Einstein

Meldungen aus der IKG

 06.08.2020

IKG LIVE!

Rund 10.000 Klicks

Die Internetplattform der Israelitischen Kultusgemeinde ist ein großer Erfolg

von Helmut Reister  06.08.2020

Erinnerung

Innerlich zerrissen

Die Stadt ehrt das Andenken an den Rechtsanwalt Alexander Dünkelsbühler und seine Lebensgefährtin Elisabeth Heims

von Nora Niemann  06.08.2020

Erinnerungskultur

Ohne festen Direktor

Die Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz sucht seit über einem halben Jahr einen neuen Chef

von Julien Reitzenstein  06.08.2020

Pro & Contra

Sollen wir auf Fleisch verzichten?

Zwei Rabbiner diskutieren zur Debatte

 06.08.2020

Bochum

Hilfestellung zum Heimatgefühl

Die jüdische Geschichte der Stadt vom Anfang bis zum Holocaust lässt sich entlang eines Stelenwegs erfahren

von Michael Rosenkranz  06.08.2020

Dresden

An einem Tisch

Die Gemeinde beteiligt sich an »Coexist«. Auf persönlicher Ebene läuft es gut, aber die Gesellschaft muss noch viel lernen

von Karin Vogelsberg  06.08.2020