Berlin

Eine Tora für Ohel Hachidusch

Die neue Torarolle wurde feierlich empfangen. Foto: Donna Swarthout

»Nun sind wir selber erwachsen geworden«, sagen Jalda Rebling und Anna Adam von der Berliner Gemeinde Ohel Hachidusch. Am gestrigen Sonntag wurde die zweite Torarolle bei einer Feier im Betssaal im ehemaligen Jüdischen Waisenhaus in Pankow in die Gemeinde eingeführt. Mehr als 50 Beter, Vertreter anderer Religionen und Interessierte kamen.

»Es war ein fröhliches und Fest, denn wir sind da«, freut sich die Kantorin, Chasan Jalda Rebling. Vor 15 Jahren, kurz nach Gründung der Gemeinde, erhielt Ohel Hachidusch die erste, die damals aus den USA kam. Die US-Gemeinde Shir Tikvah Troy hatte sich damals eine neue Tora von einer Soferet schreiben lassen und überließ ihnen ihre erste Rolle.

Seitdem sei die Gemeinde gewachsen, feiert regelmäßig ihre Gottesdienste und lädt zu Festen ein. »Eine Tora soll gelesen und studiert werden. Sie wird unsere Gemeinde lehren und uns bei vielen besonderen Anlässen begleiten«, betont Adam.

Die neue kleinere Tora wies einige Schadstellen auf, die restauriert werden mussten, was beim Kauf schon bekannt war. »Dadurch haben wir auch gespürt, dass wir eine große Verantwortung tragen«, so die Vorsitzende Adam. 

Sie setzen auf Dialog und Austausch

Ohel Hachidusch arbeitet europaweit und versteht sich als Initiative für Juden, die außerhalb der »eingefahrenen hierarchischen Strukturen« der jüdischen Gemeinden einen Ort suchen, um moderne jüdische Zukunftsvisionen zu entwickeln. Als Konkurrenz zu den bestehenden Gemeinden sieht man sich dabei nicht, sondern setzt auf Dialog und Austausch. Man hat seine Wurzeln unter anderem in der Jewish Renewal Movement, der jüdischen Erneuerungsbewegung, mit ihrer völligen Gleichstellung von Männern und Frauen. Menschen mit »nur« einem jüdischen Vater sind willkommen.  

In jüngster Zeit wurde der Wunsch immer stärker, auch für die Batmizwa-Feiern eine geeignete Tora zu besitzen. »Sie sollte etwas kleiner und handlicher sein, so dass die Jugendlichen sie gut halten können«, so Adam. Auch die zweite kommt aus den USA, ist wahrscheinlich zwischen 50 bis 60 Jahre alt. »Aber wir kennen ihre Geschichte nicht.«

Ein Beter holte sie dort ab. »Rabbiner Moshe Halfon suchte ein neues zu Hause für seine Tora, weil er aufhörte zu arbeiten. Sie war kleiner als unsere erste Tora und so entsprach sie genau unseren Wünschen.«

Rebling hat in den USA studiert

Dank Spenden wurde es überhaupt möglich, sie zu erwerben. »Sogar Menschen, die wir gar nicht kennen, haben uns unterstützt, Institutionen, die wie wir interreligiös aufgestellt sind, Menschen aus den USA, England und Israel, wir sind sehr dankbar für so viel Hilfe.«

Rebling hat in den USA studiert und wurde von ALEPH 2007 ordiniert. Sie habe ein großes Netzwerk in den USA, meint sie.

Ebenso ist ihr der interreligiöse Dialog wichtig. »Als meine Kinder und ich vor Jahren antisemitisch angegriffen wurden, standen die Nachbarn der protestantischen Gethsemane- Gemeinde an unserer Seite.« Das habe ihr Vertrauen in die moderne Zivilgesellschaft gegeben.

Eine Soferet restaurierte die Torarolle

Eine Frau sollte die Torarolle restaurieren – und diese Expertin fand die Gemeinde in Esther Kontarsky aus Berlin. »Wir sind eine egalitäre Gruppe und möchten auch die Frauen unterstützen.« Esther Kontarsky hatte vor längerer Zeit bereits die entsprechende Ausbildung zu einer Soferet absolviert. »Eine Barmizwa konnten wir mit der neuen Tora schon feiern – und wir freuen uns auf viele weitere«, so Adam.

Redaktion

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