München

Eine lebende Legende

Kriegsveteran David Dushman und IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch Foto: Marina Maisel

Viele Menschen dürfte es nicht geben, die ähnlich zahlreiche Auszeichnungen erhalten haben wie David Dushman. Am 1. April, an dem Dushman seinen 98. Geburtstag feiern konnte, ist noch eine ganz besondere Ehrung hinzugekommen. Der Kriegsveteran aus der ehemaligen Sowjet­union, der seit einem Vierteljahrhundert in München eine neue Heimat gefunden hat, wurde zum Ehrenmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ernannt.

In einem persönlichen Fotoalbum von David Dushman ist eine Aufnahme zu finden, die ihn zusammen mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zeigt. Die beiden Männer haben sich über den Fechtsport kennen- und schätzen gelernt, Bach war Olympiasieger und David Dushman Erfolgstrainer der russischen Nationalmannschaft. Auf einer Glückwunschkarte zum 95. Geburtstag bezeichnete der IOC-Präsident Dushman als einen »Mann von Ehre«.

auszeichnung Als einen solchen betrachten ihn auch die Mitglieder des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die sich einig darin waren, Dushman die seltene Auszeichnung in Form der Ehrenmitgliedschaft zuteilwerden zu lassen. IKG-Vizepräsident Ariel Kligman hatte die Ehrung angeregt und nannte Dushman ein Vorbild für alle. Diesem Urteil stimmten die Vorstandsmitglieder uneingeschränkt zu. Charlotte Knobloch sprach von einer »außergewöhnlichen Persönlichkeit«, der in der jüdischen Gemeinde große Wertschätzung entgegengebracht werde.

Die Biografie von David Dushman ist Zeitgeschichte pur, Stoff für Geschichtsbücher.

Die Biografie von David Dushman ist Zeitgeschichte pur, Stoff für Geschichtsbücher. Als Fahrer eines sowjetischen T-34-Panzers nahm er an zahllosen Gefechten teil und sah dem Tod oft genug direkt ins Auge. Mit diesem Panzer schrieb er aber auch Geschichte. Er war es, der den elektrischen Zaun in Auschwitz niederwalzte. Heute ist er der letzte lebende Befreier des Konzentrationslagers. Dafür erhielt er keinen Orden, wurde aber Dutzende Male für seine Tapferkeit und seinen Mut ausgezeichnet.

trainer Nach dem Krieg war Dushman fast vier Jahrzehnte lang, von 1952 bis 1988, Trainer der Frauen-Nationalmannschaft im Fechten und bildete am laufenden Band Spitzensportlerinnen aus, die Weltmeistertitel erhielten und bei einem halben Dutzend Olympischer Spiele im Medaillenregen standen. David Dushman erlebte 1972 zudem den blutigen Mordanschlag auf die israelischen Sportler bei der Olympiade in München aus nächster Nähe mit.

Das neue Ehrenmitglied der IKG nimmt auch heute noch den Degen in die Hand und trainert. Die Liebe zu diesem Sport hat Dushman nie losgelassen. Nach Öffnung der Ostblockgrenzen zog er für kurze Zeit nach Österreich, ehe er vor rund 25 Jahren in München-Neuperlach landete. Ressentiments gegenüber seiner neuen Heimat hat er nicht. »Wir haben nicht gegen die Deutschen gekämpft«, sagt er, »sondern gegen den Faschismus.«

Hamburg

Ruine mit Herz

Einst das Zuhause des Reformjudentums, stand der Israelitische Tempel kurz vor dem Verfall. Eine Bürgerinitiative und die Stadt wollen den historischen Ort nun neu beleben. Ein Besuch im Hinterhof

von Heike Linde-Lembke  02.08.2026

Geschichte

Die Pension in Mumbai

Ellie und Max Lesser aus Dresden waren nur zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte die Journalistin Iris Völlnagel

von Thyra Veyder-Malberg  02.08.2026

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Porträt der Woche

Mehr als ein Beruf

Valerie Vorkul ist Sozialarbeiterin – und jüdischer, als sie lange Zeit annahm

von Leon Stork  02.08.2026

Bundeswehr

Anerkennung für eine Zeitzeugin

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit dem Ehrenkreuz

von Luis Gruhler  01.08.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Thüringen

Das Erbe der Simsons

Beim jährlichen Moped-Treffen in Suhl feiern Zehntausende den »Sound des Ostens«. Doch hinter der Kultmarke steht die Geschichte einer von den Nazis vertriebenen jüdischen Unternehmerfamilie

von Helmut Kuhn  30.07.2026

Fußball

Rot-Weiß verbindet

Vergangene Woche gründete sich mit den »FCB Chaverim« der deutschlandweit erste jüdische Fanklub des FC Bayern München

von Luis Gruhler  30.07.2026

Erinnerung

Für immer

Manchmal sind es die kleinen Dinge, von denen wir uns nie trennen würden. Wir haben Gemeindemitglieder gefragt, welche Gegenstände ihnen viel bedeuten

von Christine Schmitt  30.07.2026