Toleranzpreis

Eine fast schon zwingende Ehrung

Laudator Günter Krings würdigt die ehemalige Berliner Gemeindevorsitzende Lala Süsskind für ihr ehrenamtliches Engagement. Foto: Uwe Steinert

Toleranzpreis

Eine fast schon zwingende Ehrung

Bundesinitiative würdigte Lala Süsskind als »Botschafterin für Demokratie und Toleranz«

von Jakob Mühle  26.05.2015 14:16 Uhr

Standing Ovations im Haus der Berliner Festspiele: Mit einem emotionalen Festakt zeichnete das Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT) am vergangenen Samstag fünf engagierte Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft und zum Abbau von Vorurteilen aus. Lala Süsskind erhielt den Titel »Botschafterin für Demokratie und Toleranz« für ihre ehrenamtliche Arbeit. Das BfDT würdigte damit den unermüdlichen Einsatz der Vorsitzenden des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA) gegen Ausgrenzung und Gewalt und für interkulturelle Verständigung.

grundstein Anlass zum Feiern gab es an diesem 23. Mai gleich mehrfach: Zum einen jährte sich das Inkrafttreten des Grundgesetzes zum 66. Mal, mit dem die Mitglieder des Parlamentarischen Rates die Konsequenzen aus den Schrecken des deutschen Nazismus gezogen und den verfassungsrechtlichen Grundstein für Demokratie und Toleranz gelegt hatten.

Zum anderen konnte auch das BfDT ein Jubiläum feiern. Vor genau 16 Jahren wurde die Initiative von den Bundesministerien des Inneren und der Justiz ins Leben gerufen, um die in der Verfassung festgelegten Bekenntnisse zu Demokratie und Toleranz auch im Alltag mit Leben zu füllen und vielversprechenden Projekten zu helfen, sich zu vernetzen und den Dialog mit der Bundespolitik zu ermöglichen. Die Initiative vergibt zudem den jährlichen Toleranzpreis, um besonders engagierte Personen, stellvertretend für alle ehrenamtlichen Helfer in Deutschland, zu würdigen.

werte Gregor Rosenthal, Leiter der BfDT-Geschäftsstelle, wies vor allem auf die spezielle Ausrichtung des Bündnisses hin: »Wir sind für die inhaltliche Unterstützung da, das ist unser Markenkern.« In einer Begrüßungsrede an die fünf Botschafter unterstrich Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), dass Demokratie und Toleranz keineswegs selbstverständlich sind und durch das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern jeden Tag neu verteidigt werden müssen.

»Phänomene wie Pegida oder die Brandanschläge in Tröglitz führen uns immer wieder vor Augen, wie fragil diese Werte sind«, betonte Krüger. Weil Demokratie genau auf diese Formen der Mitwirkung angewiesen ist, schloss der bpb-Präsident seine Rede scherzhaft mit einer Aufforderung an alle Anwesenden, es den ausgezeichneten Personen gleichzutun: »Kopf hoch und nicht die Hände.«

projekte Neben Süsskind wurde eine ganze Reihe ambitionierter Projekte ausgezeichnet, beispielsweise die Interessensgemeinschaft Kolbstraße e.V., die die Kölnerin Meral Sahin ins Leben gerufen hat. Der Verein setzt sich für die Bewahrung kultureller Vielfalt im Stadtteil Köln-Mülheim ein, der 2004 Ziel eines Brandanschlages der rechtsradikalen Terrorzelle NSU geworden war.

Die Veranstalter der BfDT hoben besonders Lala Süsskinds vielfältiges und mehrdimensionales Engagement hervor. Zusammen mit der JFDA, deren Vorsitz sie seit 2012 innehat, setze sich die Berlinerin gegen rassistische, religiöse und politische Verfolgung und für die Stärkung der Demokratie ein. Der Verein betreibt ein Monitoring-Programm zu antisemitischen, rassistischen und homophoben Vorfällen an Schulen und leistet Aufklärungsarbeit in den Klassen.

Außerdem kämpft Süsskind für die Rechte von Schwulen und Lesben. Bereits während ihrer Zeit als Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war die Organisation dem Netzwerk gegen Homophobie beigetreten.

lebenswerk Auch Laudator Günter Krings, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, würdigte Süsskinds vielfältige Tätigkeiten und sprach von einer »fast schon zwingenden Wahl«, ihr den Preis zu überreichen. »Wir verleihen Lala Süsskind heute quasi den Preis für ihr Lebenswerk, allerdings nicht, ohne ihr vorher das Versprechen abzunehmen, dass sie ihr Engagement fortsetzen wird«, sagte Krings.

Lala Süsskind konnte ihn in diesem Punkt allerdings beruhigen: »Bei allem, was mich ärgert, sitze ich doch nicht zu Hause herum und schmolle, sondern versuche, etwas dagegen zu tun«, unterstrich die 69-Jährige ihre Ambitionen, die ehrenamtliche Arbeit auch weiterhin fortzusetzen.

Interview

»Alija machen ist wie vom Zehnmeterturm springen«

Sie haben Deutschland verlassen und sich für ein Leben in Israel entschieden. Was hat sie dazu bewogen? Ein Gespräch mit vier »Olim« über Zionismus, einen rastlosen Alltag und die Zukunft des Judentums in der Diaspora

von Joshua Schultheis  19.02.2026

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026