Engagement

Ein Tageslohn für Südosteuopa

Foto mit dem Chef: Dalia Grinfeld und CDU-Landesvorsitzender Frank Henkel Foto: Mike Minehan

Es bringe einfach Spaß, etwas Gutes zu tun, sagt Dalia Grinfeld. Sie sei gerne im Einsatz für andere Menschen – so wie vergangene Woche, als sie einen »sozialen Tag« absolvierte. Dafür tauschte sie ihren Platz im Klassenzimmer der Jüdischen Oberschule gegen einen Schreibtisch im Berliner Abgeordnetenhaus ein und verdiente sich bei der CDU-Fraktion Geld, das sie der Stiftung »Schüler Helfen Leben« spendete. »Es war ein zweistelliger Betrag«, sagt die 15-Jährige. Sie musste ihren sozialen Tag etwas später leisten, da an dem eigentlichen Datum eine Klausur anstand.

Bereits am 17. Juni waren weit über 100.000 Schüler von fast 900 Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet auf den Beinen: Statt zur Schule zu gehen, arbeiteten sie in Unternehmen, bei Nachbarn oder Bekannten. Der so verdiente Tageslohn kommt Hilfsprojekten in Südosteuropa zugute, einer Region, in der nach Kriegsende dringend Hilfe benötigt wird. Die Projekte dienen der Jugend-, Bildungs- und Versöhnungsarbeit und sollen Kindern und Jugendlichen Perspektiven liefern. Mehr als 1,6 Millionen Euro kamen laut Stiftung zusammen.

Partei In der Pressestelle musste Dalia Grinfeld den Medienspiegel bearbeiten. »Dafür wurden die wichtigsten News, und was über die CDU an diesem Tag geschrieben wurde, herausgesucht«. Alle Zeitungen musste sie durchsehen. Ferner war sie bei den Interviews, die die Politiker gaben, dabei und begleitete sie später auch zu ihrer Fraktionssitzung. »Politik und Öffentlichkeitsarbeit interessiert mich sehr, das würde ich gerne später auch beruflich machen.« Die Partei hatte sich bei ihr gemeldet, nachdem Dalia in einem Zeitungsinterview über die Organisation und diesen besonderen Tag erzählt hatte.

Projekte Seit vergangenen Oktober ist sie Mitglied bei der Stiftung. »Mir gefällt es, dass die Schüler selber alles bestimmen. Auch darüber, wohin das Geld nun gehen soll, das am sozialen Tag zusammengekommen ist, entscheiden wir.«

Bei der Auswahl der Projekte war Dalia Grinfeld mit dabei. Einmal im Jahr findet dazu ein großes Treffen in Berlin statt, und jede Schule, die sich zum Sozialen Tag angemeldet hat, kann Schüler schicken. Dort werden sie über die Projekte informiert. Abschließend wird entschieden, wer vom Erlös gefördert werden soll.

»Ich hatte schon immer Interesse an sozialen Projekten«, sagt die Zehntklässlerin. Außerdem lerne sie bei den Aktionen neue Menschen kennen und mache interessante Erfahrungen. Ihr Ziel für das nächste Jahr steht auch schon fest: ganz viele Schüler überzeugen, bei dem sozialen Tag mit- und sich für die Stiftung starkzumachen.

Holocaust-Mahnmal

Gedenken an deportierte Jüdinnen und Juden am Gleis 17

Etwa 10.000 jüdische Menschen deportierten die Nazis vom Bahnhof Grunewald in Berlin aus in die Vernichtungslager. Beim Gedenken an die Opfer nehmen die Redner auch die Gegenwart in den Blick

 18.10.2026

München

Das Grauen sehen

Bei der Premiere eines Films über die Familie Bibas und das Hamas-Massaker vom 7. Oktober sprechen die Regisseurin und ein Psychologe über das Verbrechen und die Wirkung der Aufnahmen

von Michael Schleicher  18.10.2026

Lesung

»Die ganze jüdische Welt war in Trauer«

Zum Gedenken an den 7. Oktober stellte Dafna Gerstner ihr Buch vor

von Luis Gruhler  18.10.2026

Porträt der Woche

»Ich bin gern mittendrin«

Sonja Fira Grinman mag Mädelsabende, ist Erzieherin und ein Familienmensch

von Annette Kanis  18.10.2026

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Sachsen-Anhalt

Drohungen gegen jüdische Studenten nach Aktion vor Synagoge

Eine Menschenkette hinderte den AfD-Politiker Tillschneider an der Teilnahme an einer Gedenkfeier in Halle. Das hat Folgen für die Studierenden

 16.10.2026

Frankfurt/ Main

Einst Provisorium, heute selbstbewusst

Zum 75. Jubiläum beleuchtet ein Almanach die Geschichte der jüdischen Gemeinde nach der Schoa, ihre inneren Konflikte und ihren Weg zu einem festen Platz in der Stadtgesellschaft

von Leon Stork  15.10.2026

Dresden

Tora-Projekt wird verlängert

Mitten in Dresden wird derzeit in aller Öffentlichkeit eine Tora-Rolle geschrieben. Das Projekt soll jüdisches Leben sichtbar machen. Die Schreiberin sitzt in einem gläsernen Pavillon

 14.10.2026

Gedenken

Vier Stolpersteine erinnern in Erfurt an Familie Rosenblüth

Ein Poesiealbum bewahrte die Erinnerung an eine jüdische Mitschülerin über Generationen. Am 9. November werden in Erfurt vier Stolpersteine für Sara Rosenblüth und ihre drei Töchter verlegt

 14.10.2026