Chanukka

»Ein riesiger Geschenkeberg«

Foto: Uwe Steinert

Mika (10), Amy (10), Jonathan (10) und Raphael (11) besuchen die Heinz-Galinski-Grundschule in Berlin. Sie feiern Chanukka in der Schule – und natürlich zu Hause mit ihren Eltern und Geschwistern.

Was habt ihr am ersten Chanukkaabend gemacht?

Mika: Wir haben Freunde eingeladen und mit ihnen zusammen gefeiert. Bei uns zuhause gibt es sehr viele Chanukkageschenke. Ich komme aus Israel, und da ist man gewöhnt, dass alle Kinder sehr viel bekommen.
Amy: Ich habe fünf Geschwister, und dazu laden wir noch sehr viele Freunde ein. Bei uns gibt es ein ganz großes Essen. Das Essen dauert sehr lang. Danach gehen wir alle zusammen in unser Wohnzimmer, und da liegt dann ein Riesenberg Geschenke, jeder kann seinen kleinen Berg auspacken. Die Kinder von den Freunden kriegen auch Geschenke.
Jonathan: Wir laden unsere Familie ein, und dann singen wir Maos Zur und Hanerot Halalu. Dann gibt es Challa und Essen, und beim Essen kriegen wir die Geschenke. Dann sagen wir schön Danke, und dann essen wir weiter.
Raphael: Am ersten und am letzten Tag gehen wir zu meinen Großeltern, weil die uns meistens die Geschenke geben. Und weil es in einer jüdischen Familie so ist, dass der älteste Mann des Hauses die Gebete aufsagt. Aber ich durfte auch ein paar Gebete aufsagen, und die Lieder singen dann alle zusammen. Meine Oma macht die Gebete, die die Frau machen muss, wie beim Schabbat. Und meine kleine Schwester darf die Chanukkakerzen anzünden. Die Geschenke gibt es nach dem Hauptgang, und dann gibt es den Nachtisch.

Was habt ihr euch zu Chanukka gewünscht?
Mika: Ich habe mir ein Spiel für meine Wii U gewünscht.
Amy: Meistens habe ich keine Wünsche, sondern ich bekomme, was mein Papa und die Freunde von meinem Papa mir schenken.
Jonathan: Ich spiele gerne Fußball, und ich habe mir diesmal ein Trikot von Union Berlin gewünscht, mit meinem Namen und der Nummer sieben. Und dann habe ich mir noch Geld gewünscht, ein bisschen mehr für mein Konto.
Raphael: Ich wünsche mir immer Geld, und ein Paar neue Schuhe, diese neuen Nike Air Force.
Jonathan: Habe ich. Gold-schwarz.
Raphael: Nein, ich will andere. Die mit dem Doppel-Klick-Klack.

Wer will die Chanukkageschichte erzählen?

Raphael: Ich. Ich kenne sie auswendig. Also, das Volk Israel lebte in Israel. Dann kamen die Griechen mit dem König Antiochus, die wollten das Land erobern. Sie haben es auch geschafft, und sie haben die Juden gezwungen, Schwein zu essen, und haben die jüdische Religion verboten. Sie haben auch die Menora weggeworfen. Die Makkabäer haben sich dann zusammengetan, um die Griechen zu besiegen. Und das war das erste Wunder von Chanukka, dass sie trotz ihrer Unterzahl die Griechen besiegt haben. Das zweite Wunder war, dass das Öl aus einem kleinen Krug im Tempel für acht Tage ausgereicht hat.
Mika: Die Griechen waren unendlich viele, und die Juden waren nur fünf. Aber die Juden haben trotzdem gewonnen, weil Gott an ihrer Seite war.

Mögt ihr Chanukka?
Mika: Das ist nicht mein Lieblingsfest. Chanukka ist bei mir nur auf dem fünften Platz. Zuerst kommt mein Geburtstag, dann Purim, drittens kommt Tu Bischwat, und viertens mag ich auch gerne den Geburtstag von meinem Bruder.

Viele von euren nichtjüdischen Freunden feiern Weihnachten. Was meint ihr: Wer kommt besser weg?
Amy und Mika: Wir.
Jonathan: Ich rede mit meinen Freunden nicht über Feste.
Amy: Wir feiern beides, aber Chanukka feiern wir richtig, und an Weihnachten kriegen wir auch Geschenke. Aber nicht so viele wie an Chanukka. Wir haben auch keinen Weihnachtsbaum in unserem Wohnzimmer. Nur eine Chanukkia.

Spielt ihr eigentlich noch Dreidel?
Mika: Ich spiele damit, und das ist nicht kindisch.
Jonathan: Doch. Das ist langweilig. Schon als kleines Kind fand ich das blöd.
Mika: Ich habe richtig große Trendl aus Israel bekommen. Die haben zehn Schekel gekostet. Warum spielt man überhaupt Trendl? Früher, als die Griechen zu den Juden kamen und alles kaputtmachen wollten, haben sie ihnen auch verboten, Tora zu lernen. Aber die Kinder haben Trendl benutzt, und darauf waren Buchstaben. Und damit konnten sie das Alphabet lernen. Und immer, wenn die Griechen kamen und abchecken wollten, ob jemand Tora lernt, dann haben sie die Trendl rausgeholt und die Tora versteckt.
Raphael: Dreidel zu Chanukka zu bekommen, ist das Allerletzte. Jede jüdische Familie müsste die sowieso haben.

Glaubt ihr, dass es Wunder wirklich gibt?
Amy: Ich glaube an Wunder. Manchmal passieren Sachen, die man nicht erklären kann.
Mika: Meine Mama glaubt an Gott. Mein Papa nicht. Ich glaube auf keinen Fall an Wunder, aber ich glaube, dass die Chanukkageschichte wirklich passiert ist.
Jonathan: Ein echtes Wunder ist, dass Messie schon mit 15 Profi-Fußballer war. Aber ich glaube nicht an die Makkabäergeschichte. Dass fünf junge Makkabäer die Griechen besiegt haben, das kann nicht sein. Die waren doch ausgebildete Krieger.
Raphael: An Chanukka danken wir Gott für die Wunder, die er an unseren Vorfahren getan hat. Träume können uns auf ein Wunder oder auf die Zukunft hinweisen – wie bei Josef in der Bibel.

Mit Amy, Jonathan, Mika und Raphael sprach Ayala Goldmann.

Corona

Regeln für den Alltag

Die jüdischen Schulen wollen wieder regulär unterrichten, doch das wird schwierig

von Elke Wittich  13.08.2020

Hannover

»Alle Generationen sollen ihren festen Platz haben«

Rebecca Seidler über einen jungen Vorstand, Herausforderungen durch Corona und die Hohen Feiertage

von Heide Sobotka  13.08.2020

Tourismus

Von Normalität keine Spur

Tourguides berichten über ihre Erfahrungen seit Ausbruch der Corona-Pandemie

von Maria Ugoljew  13.08.2020

Düsseldorf

Endlich wieder live

Sharon Brauner und Karsten Troyke begeisterten ihr Publikum

von Roland Kaufhold  13.08.2020

Dortmund

»Nie vergessen!«

Stolpersteine erinnern an die Eheleute Hacker

von Stefan Laurin  13.08.2020

Juristin

Vorkämpferin für Gleichberechtigung

Eine Gedenkstele erinnert an Berlins erste jüdische Richterin Marie Munk

von Elke Wittich  13.08.2020

St. Ottilien

Gedenken am Ammersee

Das Kloster war erster Fluchtort für Schoa-Überlebende – ein Konzert erinnert nun an sie

von Blanka Weber  13.08.2020

Nachruf

Trauer in Chemnitz

Siegmund Rotstein, ehemaliger Gemeinde- und Landesvorsitzender, starb mit 94 Jahren

von Jürgen Nitsche  13.08.2020

München

Ein halbes Jahrtausend Geschichte

Eine Bibel aus dem Besitz von Rabbiner Cossmann Werner kehrt wieder in die Gemeinde zurück

von Helmut Reister  13.08.2020