Brandenburg

Ein Rabbiner für sechs Gemeinden

Frankfurt an der Oder war einst die Wirkungsstätte von Rav Yosef Teumim, einem der bekanntesten Talmudgelehrten des 18. Jahrhunderts. Mit dessen Schriften und Kommentaren befassen sich auch heute noch die Jeschiwastudenten. 200 Jahre nach Teumim starten junge hoch motivierte Rabbiner in derselben Region eine jüdische Bildungsoffensive.

»Manpower« und Struktur sind dafür unverzichtbar, und so einigten sich der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Brandenburg und das orthodoxe Rabbinerseminar zu Berlin in der vergangenen Woche auf die Einrichtung eines Landesrabbinats. Ein wichtiger Schritt zur rechten Zeit, denn mit Ausnahme von Potsdam leiden die jüdischen Gemeinden des Landes seit den 90er-Jahren an chronischem Personalmangel, Finanzproblemen, fehlender Infrastruktur und unzureichenden Bildungsangeboten.

Geld Dass nun erstmals ein Landesrabbiner in Brandenburg aktiv werden kann, ist nicht zuletzt dem neuen Staatsvertrag zu verdanken. Im September hatte die brandenburger Landesregierung die jährliche Förderung für die jüdischen Gemeinden auf mehr als das Doppelte auf 500.000 Euro erhöht.

Dies gibt dem Landesverband den nötigen finanziellen Spielraum, um neben Potsdams jungem Rabbiner Shlomo Afanasev einen zweiten Profi zu engagieren, der sich um die Gemeinden in Frankfurt/Oder, Cottbus, Königs Wusterhausen, Oranienburg, Bernau und Brandenburg an der Havel kümmern wird. Rabbiner Shaul Nekrich wird dafür eigens vom Rabbinerseminar zu Berlin freigestellt. Der 31-jährige verheiratete Dozent und Vater dreier Kinder gilt als ein Mann der behutsamen, aber klaren Töne.

Landesvorsitzender Gennadij Cusnir dankte bei der Unterzeichnung des Vertrages Kultusministerin Martina Münch für alle bisherige Unterstützung bei einer »sicherlich nicht immer sorgenfreien Zusammenarbeit«. Münch lobte das Rabbinerseminar, das »eine wichtige und sehr verantwortliche Aufgabe für die jüdischen Gemeinden im Land Brandenburg« übernehme. Dessen Vorstand Joshua Spinner sprach von viel gegenseitigem Nutzen: »Gemeinsam mit Rabbi Nekrich werden auch engagierte Studenten im Einsatz sein.

Es gibt viel zu tun, wir wollen den Gemeinden jede erdenkliche Hilfe anbieten – aber auch selbst viel lernen.« Spinner sieht zudem eine »ausgewogene Balance zwischen den in Brandenburg präsenten jüdischen Strömungen, die der Zentralrat der Juden anerkennt und unterstützt.« Tatsächlich hat sich das Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg als Ausbildungsstätte für liberale und konservative Rabbiner einen europaweit guten Ruf erworben. Indes scheinen die jüdischen Gemeinden in Brandenburg eher an orthodoxen Rabbinern interessiert, was die enge Zusammenarbeit mit dem Berliner Seminar umso plausibler macht.

Erfahrung Shaul Nekrich entstammt einer jüdischen Familie aus St. Petersburg. Sein Weg nach Berlin und Brandenburg führte über Israel, wo er in Jerusalem zunächst Informatik studierte und später Rabbinische Studien am Kollel Shvut Ami betrieb. Dort sammelte er Erfahrungen bei der religiösen Bildungsarbeit für Jugendliche. 2007 kam Shaul Nekrich mit der Familie in die Bundesrepublik. An der Berliner Yeshiva Beis Zion lehrte er seitdem Hebräisch, Halacha und Jüdische Philosophie, und im Rahmen des Lauder-Programms »Jewish Life Leaders« beriet er Gemeinden in Management- und Projektfragen. »Regelmäßiger Religionsunterricht wird helfen«, sagt der freundlich-bescheiden wirkende junge Mann, »die jüdische Identität der Menschen zu stärken, ihren Stolz auf das eigene Judentum zu wecken.«

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