Erlangen

Ein Ort zum Diskutieren

Ein freies jüdisches Lehrhaus – das ist ein Ort für offene Diskussion, Disput, intellektuelle Auseinandersetzung und lebenslanges Lernen. Eine Tradition, die in den 20er-Jahren in Frankfurt gegründet wurde und bis 1938 die Zuhörer anzog, bevor die Nazis die Lehrhäuser schlossen. Die jüdische Gemeinde in Erlangen hat diese Tradition wiederbelebt. Am 20. Oktober fand die erste Veranstaltung statt.

Erlangen knüpft damit auch an eine lange Tradition jüdischen Lebens in der Region an. Die fränkischen Landjuden lebten bis zur ersten Wanderungswelle in die Städte Nürnberg und Fürth zu Beginn der Industrialisierung in den Gemeinden. Heute besteht die jüdische Gemeinde zu einem großen Teil aus Zuwanderern.

Positives Echo
Sie sind auch ein Teil der Adressaten, an die sich Rabbiner Dani Danieli mit seinem Angebot im Freien Lehrhaus wendet. Mit seiner Idee rannte er beim Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis offene Türen ein, und innerhalb eines knappen Jahres war die Unterstützung auch der anderen Religionsgemeinschaften in der Stadt bis hin zur Raumfrage geklärt.

Viele der Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion konnten und durften in ihrer Heimat kein Fundament für ihren Glauben aufbauen. Etwa 100 Menschen zählt die jüdische Gemeinde in der Stadt heute. Hinzu kommen die vielen Studierenden an der Universität sowie die Mitarbeiter von Siemens, die in der Stadt leben und von denen einige Juden sind, aber bisher keinen Anschluss fanden. Sie will er ebenso als Gäste gewinnen.

Neues Konzept
»Wir haben ein etwas anderes Konzept als in anderen Lehrhäusern«, erzählt Danieli. »Wir werden nicht direkt aus unseren Heiligen Schriften lernen, sondern die Themen behandeln und entwickeln, die die Menschen heute beschäftigen.« Dabei geht es um Wissenschaft und Mystik, Dogmen und Anarchie. »Was ist der Davidstern, warum nennt man ihn so? Welche Vorurteile haben Menschen bei der Aussage vom auserwählten Volk? Wie sieht die Stellung der Frau im Judentum aus?« So umreißt der Rabbiner die ersten Vortragsthemen, die er debattieren will.

Denn Diskussion ist ausdrücklich erwünscht. In den früheren freien Lehrhäusern waren Debatten und Widerspruch normal. Ausdrücklich revolutionär und basisdemokratisch sollten diese Lehrhäuser sein, so wünschte sie sich ihr Gründer, der Religionsphilosoph Franz Rosenzweig. In ihnen sollten Juden, die ihre religiöse und spirituelle Heimat außerhalb des Judentums suchten, wieder mit ihrem Ursprungsglauben vertraut gemacht werden. Rosenzweig hatte eine Art jüdische Volkshochschule im Sinn.

Offener Diskurs Hans-Hermann Hann vom Freundeskreis der Jüdischen Gemeinde Erlangen sieht das freie jüdische Lehrhaus als Möglichkeit, gerade mit den neu zugewanderten Juden ins Gespräch zu kommen, aber auch Interessierte aus anderen Religionen neugierig zu machen. »Das pädagogisch Neue ist, dass der Widerspruch zwischen Lehrenden und Lernenden aufgehoben wird, die Themen werden im Diskurs erarbeitet. Der Lehrer ist also auch Lernender.«

Und Esther Klaus, die Vorsitzende der Gemeinde, macht Lust auf diese neue Lernform abseits des Frontalunterrichts: »Das traditionelle Lehrhaus ist ein offenes Haus mit Kommen und Gehen, es ist laut und bewegt, hier herrscht keine Stille, sondern ein lautes Miteinander, ein Infrage-Stellen, nach Resultaten suchen.«

Berlin

CDU-Präsidium tagt in Chabad-Synagoge

Die Parteispitze will damit ein Zeichen setzen

 01.05.2026

Berlin

Tanzen, trotz allem

Der Israeltag am Wittenbergplatz setzte ein Zeichen der Solidarität, der Lebensfreude – aber auch der Sorge

von Christine Schmitt  30.04.2026

Glosse

Tipps und Tricks für Judenhasser

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Eine Handreichung

von Daniel Neumann  30.04.2026

Düsseldorf

Auschwitz-Museum: Rüttgers erhält Auszeichnung »Light of Remembrance«

»Mein Antrieb wurzelt in der tiefen Überzeugung, dass wir Deutsche uns der Verantwortung, die aus unserer Geschichte als ›Land der Täter‹ erwächst, niemals entziehen können«, sagt der Preisträger

 30.04.2026 Aktualisiert

Erinnerung - 20 Jahre ohne Paul Spiegel

Zum 20. Todestag von Paul Spiegel

Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland stand er für Dialog, Klarheit und Verantwortung. Ein Video erinnert an sein Vermächtnis – und daran, warum seine Stimme heute fehlt.

von Jan Feldmann  30.04.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 30. April bis zum 7. Mai

 29.04.2026

Düsseldorf

Zwei Familien, eine Freundschaft

Die Rubinsteins und die Spiegels erlebten wichtige Momente gemeinsam. Erinnerungen an einen Freund

von Herbert Rubinstein  29.04.2026

Erinnern

»Paul, du fehlst«

Vor 20 Jahren am 30. April starb Paul Spiegel. Als Zentralratspräsident hat er das Land geprägt und sich für Verständigung eingesetzt. Wie würde er auf das Heute blicken? Gedanken von Gisèle Spiegel

von Gisèle Spiegel  29.04.2026

Jubiläum

»Wir richten den Blick nach vorn«

Toby Axelrod über 20 Jahre Limmud Deutschland, Herausforderungen und eine ganz besondere Aktion

von Christine Schmitt  28.04.2026