Zahlreiche Besucherinnen und Besucher haben am vergangenen Sonntag die Gelegenheit genutzt, das neue Familienzentrum in der Reichenbachstraße kennenzulernen. Der »gemein(de)same« offene Nachmittag lud dazu ein, ins Gespräch zu kommen – und machte sichtbar, wie vielfältig sich jüdisches Gemeindeleben an diesem Ort entfaltet.
Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) gewährte Einblicke in zahlreiche ihrer wöchentlichen Angebote. Das Spektrum reichte von Pilates – samt Probestunde – über Krav Maga bis hin zu Einblicken ins Kinder-Ninja-Turnen für drei unterschiedliche Altersgruppen. Vorgestellt wurde auch das hebräisch-deutsche Sprachtandem, das allen offensteht, die ihre Sprachkenntnisse wechselseitig vertiefen möchten.
Auch für Familien hält das Zentrum Unterstützung in vielerlei Hinsicht bereit. Ein Beratungsangebot mit dem Titel »Family Perspectives« richtet sich gezielt an junge Eltern. Eine zertifizierte Therapeutin und Coachin begleitet bei Fragen rund um Schule und Entwicklung. Spielgruppen vervollständigen das Angebot.
Musikalisch wurde der Nachmittag von einer offenen Jamsession eingerahmt. Einmal im Monat gehört diese Form des gemeinsamen Musizierens zum festen Programm.
»Es ist ein Ort, um einander zu begegnen, sich einzubringen und zu entfalten«
Entstanden ist das Familienzentrum auf Initiative der Familienkommission im IKG-Gemeindevorstand. Dessen Mitglied Grischa Judanin hatte gemeinsam mit Ester Müller-Dayan die Idee für einen verbindenden Ort: »Wir arbeiten miteinander und füreinander – und ganz nach dem Do-it-Yourself-Prinzip«, sagt Judanin. Viele helfende Hände, überwiegend ehrenamtlich engagierte Gemeindemitglieder, tragen das Projekt.
Müller-Dayan, die das wachsende Programm koordiniert, fasst den gemeinschaftlichen Ansatz des Hauses zusammen: »Es ist ein Ort, um einander zu begegnen, sich einzubringen und zu entfalten.« Die meisten Angebote gibt es in deutscher, englischer und hebräischer Sprache.
Neben der IKG sind im traditionsreichen Gebäude auch der israelische Kulturverein »Bayit«, die Zionistische Jugend Deutschland (ZJD), der Verein kaukasischer Bergjuden und der Verband Jüdischer Studenten in Bayern (VJSB) beheimatet. Während Bayit die hebräische Bibliothek präsentierte, organisierte die ZJD eine Peulah für Kinder und Jugendliche, der VJSB lud an einem Infostand zum Austausch ein, und die Initiative der Bergjuden informierte über ihre Geschichte.
Bis zur Eröffnung des Gemeindezentrums am Jakobsplatz im Jahr 2006 Sitz des Gemeindezentrums der IKG, knüpft das Haus in der Reichenbachstraße an seine Geschichte an – und ist erneut zu einem lebendigen Begegnungsort geworden.