Nachruf

Ein echter Papenburger

Er war der einzige Schoa-Überlebende, der nach Papenburg zurückkehrte: Wilhelm Polak. Jetzt starb der Vater des jüdischen Comedian Oliver Polak kurz vor seinem 90. Geburtstag. Viele sahen in ihm den »Papenburger mit Leib und Seele«.

Denn trotz Verfolgung und Ausgrenzung, die sein Vater als Viehhändler und Schlächter in Papenburg zu ertragen hatte, trotz der Deportation ins Ghetto Riga und der Internierung im KZ Burggraben bei Danzig, wo ihn russische Soldaten befreiten, kehrte Wilhelm Polak nach Papenburg zurück. Seiner Schwester, die ebenfalls überlebt hatte, konnte er nicht in die USA folgen, da er wegen seiner Lungenkrankheit keine Einreisegenehmigung bekam.

Bauchladen Polak schlug sich mit einem Bauchladen durch, indem er mit dem Rad über Land fuhr und Stoffreste verkaufte. 1954 konnte er im ehemals elterlichen Betrieb sein eigenes Geschäft eröffnen. »Für Papenburg ist das Leben von Wilhelm Polak ein Zeichen dafür, dass selbst nach den Verheerungen und Gräueltaten des Nationalsozialismus ein Neuanfang in unserer Stadt möglich war«, würdigte Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) ihn.

Seine Erlebnisse während der Schoa, die ihn nie losließen, veröffentlichte Wilhelm Polak in dem Buch Erinnerungen an eine unfreiwillige »Reise« – und zurück. Mit seiner Schwester Ilse in New York telefonierte er täglich. ja

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Kino

»Ich habe keine Heimat«

Eine Dokumentation über Albrecht Weinberg erzählt von Verfolgung, Erinnerung und der schwierigen Rückkehr in das Land der Täter

von Esther Martel  14.09.2026

Porträt der Woche

Der Barockmusiker

Moshe Haas stammt aus Israel, ist Kantor und liebt Johann Sebastian Bach

von Anja Bochtler  14.09.2026

Berliner Leuchtturmprojekt

Musikalische Stolpersteine jetzt in fünf Bundesländern

Mehrere Tausend in Gehwegen eingelassene »Stolpersteine« halten europaweit die Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wach. Jetzt gibt es auch »Stolperstein«-Podcasts

 14.09.2026

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit. Für ihren Einsatz gegen Antisemitismus geht der Preis in diesem Jahr an NRW-Ministerin Neubaur

 14.09.2026

Deutschland

Morddrohung gegen Charlotte Knobloch nach AfD-Wahlsieg

Die Gewaltandrohung steht in explizitem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD. Knobloch sagt aus Sicherheitsgründen Veranstaltung ab

 11.09.2026

Neujahr

Mit Tatkraft und Ausdauer

Gerade in diesen Zeiten müssen wir als jüdische Gemeinschaft die Werte der Demokratie verteidigen. Denn auch wir tragen Verantwortung – mehr denn je

von Charlotte Knobloch  11.09.2026

Berlin

Bundespräsident Steinmeier: Müssen alles daran setzen, Antisemitismus zu bekämpfen

»Es ist beschämend und darf uns niemals ruhen lassen, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Anfeindungen auf der Straße oder in Universitäten ausgesetzt sind« schreibt Frank-Walter Steinmeier

 11.09.2026

Imkerei

»Bienen muss man respektieren«

Wie bei vielen Juden steht bei den Gempels zu Rosch Haschana Honig auf dem Tisch. Doch bei ihnen kommt er aus dem eigenen Garten. Ein Ausflug nach Leipzig

von Mascha Malburg  11.09.2026