Frankfurt

»Ein bewegender Moment«

»Die Schüler schreiben heute ein Stück Frankfurter und auch ein Stück jüdische Geschichte«: Mazal Tov!! Foto: Rafael Herlich

Die der I. E. Lichtigfeld-Schule der Jüdischen Gemeinde Frankfurt hat am Donnerstag ihren ersten Abiturjahrgang seit 1939 verabschiedet. Zehn Abiturientinnen und ein Abiturient erhielten ihre Abschlusszeugnisse.

 »Dieser Tag ist ein ganz besonderer Tag für uns. Wir feiern heute ein historisches und bewegendes Ereignis, das nicht nur für die Jüdische Gemeinde in Frankfurt eine starke Bedeutung und Symbolkraft hat, sondern auch für die Frankfurter Stadtgesellschaft und das gesamte Land Hessen«, sagte Vorstandsmitglied und Schuldezernent Harry Schnabel. Der erste Abiturjahrgang an einer jüdischen Schule seit 1939 sei ein Zeichen des blühenden und selbstbewussten jüdischen Lebens in der Stadt.

Zuversicht Es sei auch Ergebnis der »Zuversicht und der Willensstärke all der jüdischen Menschen, die trotz des Erlebten in der Schoa, hier wieder jüdisches Leben aufgebaut und gestaltet haben. Ihnen sind wir zu immerwährenden Dank verpflichtet«, so Schnabel.

Auch ihnen wolle man diesen Tag widmen und zugleich derer gedenken, denen die Möglichkeit durch die Nationalsozialisten verwehrt wurde, das Abitur an der jüdischen Schule abzulegen und in der Schoa ermordet wurden.

Die jungen Leute hätten trotz der widrigen Corona-Umstände ihr Abitur mit Bravour gemeistert. Im Namen der gesamten Jüdischen Gemeinde Frankfurt danke er allen »Verantwortlichen aus Landes- und Kommunalpolitik sowie den Schulbehörden, die uns auf dem Weg zur Einführung des Abiturs an unserer Schule begleitet und dieses mit ermöglicht haben. Wir freuen uns auf alle kommenden Abiturjahrgänge und wünschen allen Abschlussklassen in Frankfurt Mazal Tov und Herzlichen Glückwunsch.«

Gäste Aus diesem denkwürdigen Anlass waren Vertreter aus Politik und Stadtgesellschaft wie der Hessische Kultusminister Alexander Lorz und der Frankfurter Oberbürgermeister, Peter Feldmann erschienen. Kultusminister Lorz sagte im Vorfeld der Veranstaltung: »Dass es erstmals seit 1939 wieder einen Abiturjahrgang an der Schule der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/Main gibt, ist ein Grund zu großer Freude – mehr noch: Es ist ein wunderbares Ereignis!«

»Sie schreiben heute ein Stück Frankfurter und auch ein Stück jüdische Geschichte.«

Oberbürgermeister Peter Feldmann

Ebenso betonte Oberbürgermeister Feldmann: »Sie schreiben heute ein Stück Frankfurter und auch ein Stück jüdische Geschichte. Darauf können Sie zurecht stolz sein. Niemand kann je wieder gut machen, was die Nationalsozialisten verbrochen haben. Auch nicht, dass sie diese Schule geschlossen haben.«

Das Wichtige sei aber, weiterzumachen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Dafür sei die I. E. Lichtigfeld-Schule ein »herausragendes Beispiel«. Sie war die erste jüdische Schule, die nach der Schoa in Deutschland eröffnete. Seit der Neueröffnung 1966 ist sie stetig gewachsen und hat sich weiterentwickelt. »Heute dürfen wir den ersten Abiturientinnen und Abiturienten zu ihrem Abschluss gratulieren. Ein bewegender Moment!« ja

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Ferien

Spiel, Spaß, Werte

Gerade beginnt der dritte Turnus der ZWST-Machanot. Bildungsreferentin Liya Cinciper über Heimweh, Handyzeiten und Kühlung bei Hitze

von Helmut Kuhn  13.08.2026

Hitze

Kühl beten, kühl bleiben

Gemeinden und jüdische Einrichtungen bekommen die hohen Temperaturen sehr zu spüren. Einige behelfen sich mit kalten Tüchern, manche mit Ventilatoren, andere haben Klimaanlagen

von Katrin Richter  13.08.2026

Programm

Summer Open Airs in Frankfurt und Hannover, und ein Rendezvous für Hercule Poirot - mit einer Leiche

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 13. August bis zum 20. August

 12.08.2026

Wiesbaden

Hessen verlängert Staatsvertrag mit jüdischen Gemeinden

Die Zahlungen an jüdische Gemeinden steigen schrittweise

 12.08.2026

Brandenburg

Cyberangriff auf Gedenkstätten

Immer wieder schädigen Ransomware-Attacken Behörden, Krankenhäuser und andere Einrichtungen. In Brandenburg ist nun die Gedenkstätten-Stiftung betroffen

 11.08.2026

Gedenken

Stolpersteine für jüdische Familie Frank in Erfurt

Als Zwölfjährige wurde Ingeburg Geißler nach Theresienstadt deportiert. Jahrzehnte später erzählt sie von ihrem Schicksal. Ihre Stimme soll nun bei der Gedenkveranstaltung erklingen

 11.08.2026

Porträt der Woche

Aus Erfahrung handeln

Marina Koren hat Ausgrenzung erlebt und unterstützt heute Betroffene von Hassgewalt

von Gerhard Haase-Hindenberg  09.08.2026