Detmold

Eigentümer will Synagoge in Freilichtmuseum versetzen

Die Synagoge Detmold ist im Besitz eines Anwalts der rechten Szene. Er feierte in dem denkmalgeschützten Gebäude eine geschmacklose Halloweenparty und will es abreißen lassen, um Parkplätze zu errichten Foto: Jan Mathys

Im Streit um den Abriss einer alten Synagoge im nordrhein-westfälischen Detmold schlägt der Besitzer eine Versetzung des Gebäudes in ein Freilichtmuseum vor. In diesem Fall würde er den Bau an das Museum verschenken, sagte Rechtsanwalt Hendrik Schnelle dem »Westfalen-Blatt« im Interview.

Er wolle das Gebäude nicht sanieren oder an die Stadt verkaufen, sondern Parkplätze an Stelle der Synagoge errichten. »Die Sanierung dieses Denkmals ist ein Verlustgeschäft, aber Parkplätze in der Innenstadt sind wertvolle Wirtschaftsgüter«, so der Anwalt. Die Stadt hatte vorgeschlagen, in dem Gebäude einen Geschichts- und Erinnerungsort einzurichten.

»Wer auch nur ein ganz kleines bisschen Geschichtsbewusstsein hat, weiß, dass ein solcher Abriss mit unserer Historie nicht vereinbar ist«

Matitjahu Kellig, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Herford/Detmold

Vorwurf Die Jüdische Gemeinde in Detmold wirft Schnelle, den das Landgericht Detmold 2002 zu einer Bewährungsstrafe wegen Volksverhetzung verurteilt hatte, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus vor. »Wer auch nur ein ganz kleines bisschen Geschichtsbewusstsein hat, weiß, dass ein solcher Abriss mit unserer Historie nicht vereinbar ist«, sagte der Gemeindevorsitzende Matitjahu Kellig der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Das Gebäude wurde vor rund zehn Jahren von Forschenden als Hofsynagoge aus dem 17. Jahrhundert identifiziert. Das Haus ist damit eine der ältesten Synagogen in Norddeutschland. Die Jüdische Gemeinde hofft auf ein Museum oder eine Begegnungsstätte an dem Ort. Erwerb und Sanierung seien jedoch Aufgabe des Staates, so Kellig.

Eigentümer Schnelle erklärte erneut, er würde die alte Synagoge an die Jüdische Gemeinde vermieten - sofern sie die Sanierungskosten trage. Die Erlaubnis, das Denkmal abzureißen, will er vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster erstreiten. kna

Neujahr

Mit Tatkraft und Ausdauer

Gerade in diesen Zeiten müssen wir als jüdische Gemeinschaft die Werte der Demokratie verteidigen. Denn auch wir tragen Verantwortung – mehr denn je

von Charlotte Knobloch  11.09.2026

Berlin

Bundespräsident Steinmeier: Müssen alles daran setzen, Antisemitismus zu bekämpfen

»Es ist beschämend und darf uns niemals ruhen lassen, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Anfeindungen auf der Straße oder in Universitäten ausgesetzt sind« schreibt Frank-Walter Steinmeier

 11.09.2026

Imkerei

»Bienen muss man respektieren«

Wie bei vielen Juden steht bei den Gempels zu Rosch Haschana Honig auf dem Tisch. Doch bei ihnen kommt er aus dem eigenen Garten. Ein Ausflug nach Leipzig

von Mascha Malburg  11.09.2026

Festival

Geliebte, Gesang und Gender

Ein Blick auf das fulminante Programm der 39. Jüdischen Kulturtage Berlin mit mehr als 40 Veranstaltungen

von Helmut Kuhn  11.09.2026

Dresden

Zurück am Hasenberg

Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit feiert die jüdische Gemeinde ihre Rückkehr in Synagoge und Gemeindezentrum

 11.09.2026

Mode

»Die Kippa gehört zum Outfit«

Jonathan Hirsch über edle Stoffe zu den Feiertagen, stilistische Entgleisungen und die jüdische Kopfbedeckung als Accessoire

von Mascha Malburg  10.09.2026

Pro & Contra

Sollen jüdische Kinder nur noch auf jüdische Schulen?

Zwei Meinungen zur Debatte

von Noga Hartmann, Marina Chernivsky  10.09.2026

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  10.09.2026

Rosch Haschana

Mehr Zeit, mehr Frieden, mehr Miteinander

Was wünschen sich Jüdinnen und Juden fürs neue Jahr? Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  10.09.2026