Hommage

Ehrung für ein Multitalent

Der Autor Peter Stephan Jungk Foto: Astrid Schmidhuber

Es gibt vieles, was im Leben von Peter Stephan Jungk eine Rolle spielt: die Erforschung von Biografien wie beispielsweise der des Schriftstellers Franz Werfel (1890–1945); das Medium Film, dem er Dokumentarfilme schenkte – über André Previn und die Fotografin und KGB-Agentin Edith Tudor-Hart (1908–1973), eine Cousine seiner Mutter; die Übertragung von Reiseeindrücken in Romane wie Tigor und Die Reise über den Hudson, die beiden ihm liebsten, wie er zögernd zugibt, weil es wie bei der Liebe zu den Kindern keine Rangfolge geben sollte.

Es geht, wie Martin Kudla – der die Biografie des Zukunftsforschers Robert Jungk und damit auch die von dessen Sohn erforscht – bei einer Hommage für das Multitalent Peter Stephan Jungk ausführte, um dessen Suche nach Heimat, die Beschreibung der Diskrepanz zwischen innerem Erleben und der fremden äußeren Wirklichkeit, die Schaffung von Gedächtnisorten.

Für die Präsentation des Sammelbandes Tracking Peter hatte Herausgeber Martin Kudla das Jüdische Gemeindezentrum gewählt, weil der international renommierte Publizist Robert Jungk 39 Jahre zuvor als Gast des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde, damals noch am Prinzregentenplatz, erstmals öffentlich über sein Jüdischsein gesprochen hatte.

»Begegnung mit einem wohlbekannten Fremden«

Die Veranstalterin Ellen Presser hörte seinerzeit von ihm und seiner Frau Ruth so viel über deren damals 33-jährigen Sohn Peter, dass er ihr vertraut war, ohne ihn zu kennen. Darum trägt ihr Text im Buch den Titel »Begegnung mit einem wohlbekannten Fremden«. Kudla arbeitete intensiv an der Sammlung von 50 Beiträgen von Milo Dor über Peter Handke bis Georg Stefan Troller. Fertig wurde sie zum 71. Geburtstag am 19. Dezember 2023.

Doch Jahreszahlen sind Schall und Rauch, wenn einer so zeitlos jung wirkt wie Peter Stephan Jungk. Sein Vorlass ruht im Literaturarchiv Salzburg, dessen Leiter Manfred Mittermayer ebenso für die Veranstaltung nach München kam wie Lothar Struck, der über Tigor sprach, und Richard C. Schneider, der über »Eine Freundschaft, die älter ist als wir selbst« sinnierte.

Im Jahr 1952 in Santa Monica, Kalifornien geboren, lebte Jungk junior mit seinen Eltern von Sommer 1954 bis September 1955 in München. Damals hielt sein Vater fest: »Dem Kleinen geht es großartig. Sein einziges Wort ist nach wie vor ›Oje‹ – kurz, er beginnt die Welt zu verstehen.« Mit einem Auszug aus dem nächsten Roman, der dem Großvater väterlicherseits, David Baum alias Max Jungk, gewidmet ist, bedankte sich der Geehrte bei seinem Publikum, darunter auch die österreichische Generalkonsulin Eva-Maria Ziegler, die sichtlich stolz ist auf den seit 1988 in Paris lebenden österreichischen Schriftsteller.

Martin J. Kudla (Hrsg.): »Tracking Peter. Zum 70. Geburtstag von Peter Stephan Jungk«. Königshausen & Neumann, Würzburg 2023, 360 S., 39 €

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