Osnabrück

Drei Religionen, eine Schule

Nächsten Mittwoch startet in Osnabrück die bundesweit erste »Drei-Religionen-Schule« ihren Unterricht. 22 Jungen und Mädchen werden an diesem Tag in die erste Klasse eingeschult. Neun von ihnen sind katholisch, acht muslimisch, zwei jüdisch und je ein Kind ist evangelisch, griechisch-orthodox oder ohne Religionszugehörigkeit. Alle Kinder werden gemeinsam unterrichtet, für die jüdischen, islamischen und christlichen Kinder wird jeweils eigener Religionsunterricht erteilt.

Die Grundschule wird von der Schulstiftung des Bistums Osnabrück getragen, die dabei mit der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, dem islamischen Landesverband Schura Niedersachsen, dem DiTiB-Landesverband Niedersachsen und Bremen und der Stadt Osnabrück kooperiert.

Wurzeln Für die Kinder jeder Religion sei es wichtig, begründet Schulleiterin Birgit Jöring den getrennten Religionsunterricht, sich zunächst der eigenen Wurzeln zu vergewissern. »Einen religiösen Mischmasch wird es dabei nicht geben«, betont Jöring.

Allerdings stehen gemeinsame Projekttage auf dem Lehrplan. Und auch die jeweils andere Art, Feste zu feiern, sollen die Kinder erleben. Es dürfen Kreuze an den Wänden hängen, und es werden andere religiöse Symbole wie Halbmond und Menora gezeigt. Im Schullogo bilden sie einen offenen Kreis.

Für die neue Schule soll die Johannisschule, eine katholische Bekenntnisschule in Trägerschaft der Stadt Osnabrück, in den nächsten drei Jahren auslaufen. Alle 13 Lehrer der Johannisschule lehnen die Drei-Religionen-Schule ab. Sie erhalten dabei Unterstützung von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Osnabrücker Grund- und Förderschulleiter.

Quoten Michael Grünberg dagegen, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, begrüßt die Drei-Religionen-Schule: »In einer Schule, die alle Kinder aus einem Einzugsgebiet aufnehmen muss, kommen nie genug jüdische Schüler für einen eigenen Religionsunterricht zusammen.« Die neue Schule sei nach dem Trägerwechsel von der Kommune zum Bistum frei in der Wahl ihrer Schüler. Als katholische Bekenntnisschule musste sie laut Schulgesetz mindestens 70 Prozent katholische Kinder aufnehmen. Das Bistum als Träger kann, anders als öffentliche Schulen, selbst entscheiden, wie hoch die Quoten sind.

Die Eltern jedenfalls nehmen das Angebot wahr. Für das Schuljahr 2013/14 sind an der Drei-Religionen-Schule 38 Kinder angemeldet worden. Damit könnten in dem Jahrgang zwei Klassen gebildet werden, teilte die für das Projekt zuständige Schulrätin im Bischöflichen Generalvikariat mit. Die Zweizügigkeit sei also gesichert.

Dazu trägt unter anderem die christlich-jüdische Kindertagesstätte »König David« bei, ein weiteres religionsübergreifendes Projekt in Osnabrück, das vor einem Jahr die Arbeit aufnahm.

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

»Koscher-Licious«

Mazze, Challe, Wodka

Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot

von Alicia Rust  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026

Kommentar

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen. Bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation

von Stefan Hensel  27.03.2026