Erfurt/Brüssel

Abbild zerstörter Synagogen wird digitales Erbe Europas

Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, besichtigt während einer Pressekonferenz der Jüdischen Landesgemeinde mit Controller und VR-Brille die virtuell rekonstruierte Große Synagoge Erfurt. (2021) Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Eine digitale Rekonstruktion der von den Nationalsozialisten zerstörten Großen Synagoge von Erfurt wird Teil des deutschen Beitrags für die digitale europäische Kulturkampagne »Twin it!«. »Die virtuelle Rekonstruktion macht die Vergangenheit zu einem Teil unserer Gegenwart«, sagte die Leiterin des Erinnerungsorts Topf & Söhne, Annegret Schüle, der Deutschen Presse-Agentur.

Auf diese Weise entstehe ein Bewusstsein für den kulturellen Reichtum jüdischen Lebens – und ein kritisches Geschichtsbewusstsein dafür, was durch den Nationalsozialismus in Deutschland alles zerstört worden sei.

Gleichzeitig werde so deutlich, welche Gefahren vom wiedererstarkenden Rechtsextremismus und Antisemitismus ausgingen, sagte Schüle. Der Erinnerungsort »Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz« war einer der Projektpartner, die die Rekonstruktion der Großen Synagoge von Erfurt umgesetzt haben.

Öffentliche Vorstellung

Der deutsche Beitrag für die Kulturkampagne besteht nach Schüles Angaben aus zwei Teilen: Neben der Erfurter Rekonstruktion der Großen Synagoge werde die digitale Rekonstruktion der Synagoge am Michelsberg in Wiesbaden Teil von »Twin it!«. Wie die Thüringer Synagoge war auch dieses Gotteshaus in der Pogromnacht im Jahr 1938 zerstört worden.

Die Macher des Projektes seien stolz, dass auf diese Weise die Erfurter Synagoge »als Mittelpunkt einer bedeutenden, im Nationalsozialismus zerstörten jüdischen Gemeinde nun als kulturelles Erbe in Europa wieder sichtbar wird«, sagte Schüle.

Bei »Twin it!« handelt es sich nach Angaben der Europäischen Union um eine Kampagne, bei der alle 27 Mitgliedsstaaten aufgefordert worden sind, mindestens ein in 3D digitalisiertes Kulturerbe zur Verfügung zu stellen, das Teil eines europäischen Datenraums werden soll. Die so entstehende 3D-Sammlung soll in den nächsten Tagen in Brüssel öffentlich vorgestellt werden. Die entsprechenden Daten der Rekonstruktionen wurden inzwischen an das europäische Kulturportal »Europeana« weitergegeben.

Virtuelle Wiederauferstehung

Die Rekonstruktion der Großen Synagoge in Erfurt ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem neben dem Erinnerungsort Topf & Söhne auch Wissenschaftler der Fachhochschule Erfurt, der Universität Erfurt und der Universität Jena beziehungsweise der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek beteiligt waren.

Zwischen 2020 und 2022 hatten sie Synagoge gemeinsam mit der Jüdischen Landesgemeinde virtuell wiederauferstehen lassen. Das Projekt war auch im Rahmen des Themenjahrs »Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen« von der Staatskanzlei bezuschusst worden.

Ausstellung

Ein Blick zurück

Ganz persönlich, doch mit weitem Horizont zeigt »Mit eigener Stimme« die Geschichte des Zentralrats der Juden in Deutschland

von Sophie Albers Ben Chamo  24.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  23.02.2026 Aktualisiert

Sally Bein

Reformpädagoge in schwieriger Zeit

Ein deutsch-israelisches Autorenduo zeichnet das Leben und Wirken filmisch nach

von Alicia Rust  23.02.2026

Lesen

Mehr als eine Familiengeschichte

Jan Mühlstein stellte im Gemeindezentrum sein neues Buch vor, das persönliche Erinnerungen mit europäischer Geschichte verknüpft

von Esther Martel  23.02.2026

Beni-Bloch-Preis

Jugend erinnert

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main vergibt die Auszeichnung an Gedenkprojekte von Schülerinnen und Schülern aus Hessen

von Katrin Richter  23.02.2026

Porträt der Woche

»Das wird mein Leben«

Mayan Goldenfeld verliebte sich in die Opernwelt und wurde Sängerin

von Gerhard Haase-Hindenberg  23.02.2026

Göttingen

Ehrendoktortitel für Holocaust-Überlebenden Leon Weintraub

Auch Ehrung mit Friedenspreis geplant

 23.02.2026

Berlin

Gedenken an Proteste von 1943 in der Rosenstraße

Der Protest von wahrscheinlich mehreren hundert Frauen in der Berliner Rosenstraße während der zwölfjährigen NS-Diktatur gilt als beispiellos. An den lange vergessenen Widerstand wird am Donnerstag erinnert

 23.02.2026

München

Religiöse Heimat

Die Stadtteilsynagoge Sha’arei Zion in der Georgenstraße ist seit Jahrzehnten ein Zentrum jüdischen Lebens in Schwabing

von Esther Martel  22.02.2026