Weimar

Die »Thüringer« soll koscher werden

So sieht die »Original Thüringer« Bratwurst aus. Die koschere Variante soll im Oktober auf den Grill kommen. Foto: Thinkstock

Als »kulinarische Sensation« beschrieb die Bild-Zeitung in der vergangenen Woche »die erste koschere Thüringer Bratwurst«, die der Weimarer Fleischer Jens Blässe auf den Markt bringen will. Die Idee dazu sei auf Anregung von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) entstanden, gemeinsam mit dem Berliner Koch Elmar Werner, der seit Jahrzehnten mit seiner Agentur auch deutsch-israelische Projekte organisiert.

Nun ist das mit dem Etikett »koscher« so eine Sache: Denn die ersten Würste wurden mit Fleisch »normaler Schlachttiere« probeweise produziert, sagte Blässe der Jüdischen Allgemeinen. Die Tiere seien nicht geschächtet worden, auch habe bislang kein Maschgiach den Prozess begleitet. Enthalten sei Fleisch vom Rind, Kalb und von Geflügel. Die Rezeptur sei entsprechend der »Original Thüringer«, eben nur ohne Schweinefleisch.

rabbiner »Es war also eher ›koscher style‹«, sagt Blässe, aber man sei in Kontakt mit einem Rabbiner, der das Ganze künftig begutachten werde. Der Koch Elmar Werner sagte, es handele sich um Rabbiner Zvi Alonie, der auch eine Schächtungslizenz besitze. Benjamin Kochan, Rabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, sagte der Jüdischen Allgemeinen auf Anfrage: »Mit mir hat bisher niemand Kontakt aufgenommen.«

Die Idee einer koscheren Thüringer Bratwurst finde er grundsätzlich gut, so der Rabbiner: »Es gibt natürlich viele praktische Fragen, die aber lösbar sind. Das Fleisch müsste aus koscherer Produktion stammen.« Bisher sei die Wurst nicht koscher, sondern »koscher style«, urteilte auch Kochan.

zwiebelmarkt Bereits in der ersten Oktoberwoche will Fleischer Blässe wirklich koschere Würste auf den Grill bringen. Dann findet der Weimarer Zwiebelmarkt statt, eines der größten Volksfeste der Region. Später soll mehr auf Bestellung produziert werden. Blässe geht nicht davon aus, dass es eine tägliche Nachfrage der Laufkundschaft gibt. Auf dem Zwiebelmarkt soll Thüringens Ministerpräsident Ramelow erstmals die Wurst probieren und selbst am Grill stehen.

Einwände, dass eine Rostbratwurst, die nicht aus Schweinefleisch besteht, niemals so schmecken könne wie eine »echte« Thüringer, weist Elmar Werner entschieden zurück: »Wir haben eine Gewürzmischung zusammengestellt, mit der die Wurst sogar noch feiner schmeckt als das Original!« Dies liege auch daran, dass sie unter anderem aus Kalbfleisch bestehe. Bei einem Geschmackstest in der Weimarer Fleischerei seien alle Tester begeistert gewesen, so Werner.

Übrigens ist die Idee einer koscheren Bratwurst nicht ganz neu: Das Feinkosthaus »Danel« in München bietet schon seit vielen Jahren Frankfurter, Wiener, Weißwürste und eben auch Rostbratwürste an – unter Aufsicht des Oberrabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde München. ja

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026

Pforzheim

Die vergessene jüdische Geschichte der Goldstadt

Vom Schwarzwald aus verkauften Juden einst Schmuck in die ganze Welt. Erst langsam wird diese Geschichte aufgearbeitet. Sie ist nicht immer glänzend – und auch noch nicht vorbei

von Mascha Malburg  20.07.2026

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026

Maccabiah

Momente, Medaillen, Menschen

Nach zwei Wochen ist das größte internationale Sportevent in Jerusalem erfolgreich zu Ende gegangen

von Katrin Richter  15.07.2026

Programm

100 Synagogen, zwei Chemnitzer und ein Eis am Stiel: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. Juli bis zum 23. Juli

 15.07.2026