Herr Kutikow, die Jüdische Gemeinde Potsdam plant in der Landeshauptstadt die erste jüdische Kita in Brandenburg. Wie kam es zu der Initiative?
Die Idee ist sehr alt. Es gab bereits vor etwa 20 Jahren einen Versuch, in Potsdam eine jüdische Kita aufzubauen. Nun möchten wir diese Vision aufgreifen. Viele Eltern engagieren sich diesbezüglich. Schon seit mehr als zwei Jahren arbeiten wir daran. Jetzt soll die geplante Kita im Mai Realität werden. Insgesamt sind 40 Plätze vorgesehen.
Werden nur jüdische Kinder aufgenommen?
Nein. Allerdings sollte die Mehrheit jüdisch sein. Doch die Kita wird offen für alle Kinder sein, unabhängig von ihrer Religion.
In Potsdam sind fünf jüdische Gemeinden beheimatet. Wie viele Kita-Kinder gibt es, die dort angemeldet werden könnten?
Unserer Gemeinde gehören etwa 30 Kita-Kinder an. Wie es bei den anderen Gemeinden aussieht, weiß ich nicht. Deren Kinder sind natürlich auch willkommen. Etliche besuchen allerdings bereits eine Einrichtung. Da möchten Eltern ungern eine Veränderung für die Kinder herbeiführen. Wir planen nun Schritt für Schritt.
Welche Inhalte sind Ihnen wichtig?
Wir möchten jüdische Kultur und Tradition weitergeben. Dazu gehört die kindgerechte Vermittlung jüdischer Religion und Geschichte ebenso wie die Einhaltung jüdischer Feiertage oder das koschere Essen, das von der Küche des Synagogenzentrums angeliefert werden soll. Alle religiösen Gesetze sollen eingehalten werden.
Was ist die größte Herausforderung?
Die Situation für Juden hat sich stark verändert. Anfangs gab es einige Familien, die sich gefreut haben, ihre Kinder in naher Zukunft in eine jüdische Kita bringen zu können. Nun haben wir Schwierigkeiten. Der 7. Oktober 2023 war und ist ein tiefer Einschnitt. Der Antisemitismus ist immer stärker geworden. Jüngst hat es einen Anschlag auf den Antisemitismusbeauftragten Brandenburgs, Andreas Büttner, gegeben. Da möchten viele Familien ihren Nachwuchs schützen und nicht offen zeigen, dass ihre Kinder eine jüdische Kita besuchen. Die Eltern sind beunruhigt. Sie haben Angst. Viele Interessenten von damals sind inzwischen abgesprungen.
Wo wird sich die Kita befinden?
Das können wir aus Sorge vor Anschlägen nicht öffentlich machen. Aber die Sicherheitsmaßnahmen sind bereits erfolgt.
Erhalten Sie vonseiten der Politik hinreichend Unterstützung?
Ja. Dafür sind wir dankbar. Zwar sind wir im Land Brandenburg die größte Gemeinde, aber wirtschaftlich sind wir nicht in der Lage, eine eigene Kita zu betreiben, denn wir sind zu klein. Die Stadt Potsdam hilft kräftig. Die Arbeiterwohlfahrt ist auch ein guter Partner. Ebenso haben wir qualifiziertes Personal. Wir sind bestens aufgestellt.
Mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Potsdam sprach Christine Schmitt.