ZWST

Die Kamera muss mit

Leon fotografiert gern. Foto: Christine Schmitt

Einen Ball, seinen Fotoapparat und die Sportsachen hat sich Leon schon zurechtgelegt. Diese Sachen möchte er auf jeden Fall auf seine Reise nach Bad Kissingen mitnehmen. Es ist eine Vorauswahl, denn den Koffer richtig packen wird er mit seiner Mutter. Wanda Vronskia (Namen v. d. Red. geändert) begleitet ihren 40-jährigen Sohn auf der Fahrt für Familien mit psychisch kranken und geistig behinderten Menschen.

Wanda Vronskia sucht ihrerseits Leons Pullover und legt die Wäsche für ihn zusammen. Einige T-Shirts hat sie extra neu gekauft, damit er auch ansehnlich gekleidet ist, sagt die 68-Jährige. Leon ist Autist und gilt als schwerbehindert. Ausgelöst wurde seine Behinderung mutmaßlich durch eine Penicillin-Allergie. Nachdem er dieses Medikament eingenommen hatte, verfiel er in einen Schockzustand und ist seitdem beeinträchtigt.

Familienfreizeit In Bad Kissingen treffen Mutter und Sohn mit vielen anderen Familien zusammen, deren Angehörige beeinträchtigt sind und nicht allein in den Urlaub fahren können. Das Angebot kommt von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Bis zum 3. Juni wollen die beiden in Bad Kissingen bleiben.

»Ich freue mich auf die Gespräche mit anderen Eltern«, erzählt Wanda Vronskia. Leon hingegen liebt es, mit seiner Kamera alles zu fotografieren, was ihm vor die Linse kommt. Auf manchen Bildern sei kaum etwas zu sehen, andere fingen den Moment gekonnt ein, erzählt die Mutter. Und Fußball spielen möchte er, obwohl er sonst ein Einzelgänger sei – mit anderen dem Ball nachzujagen, gefalle ihm sehr. Auch beim Singen mache er lautstark mit, schaue regelmäßig ins Kunstatelier und unternehme gern Spaziergänge.

Wanda Vronskia kann sich währenddessen entspannen. Hier kümmern sich Betreuer um Leon, erklärt Pinchas Kranitz, einer der Verantwortlichen. So kann Mutter Wanda auch einmal ins Schwimmbad gehen und hat Zeit, in Ruhe mit den Psychotherapeuten zu sprechen.

Sozialrecht Auf dem Programm der ZWST-Reise stehen auch Informationsveranstaltungen über das Sozialrecht, das kürzlich im Hinblick auf Menschen mit Behinderungen geändert wurde. Es wird der Schabbat vorbereitet und gefeiert. Die rund 50 Teilnehmer können Ausflüge unternehmen und das jüdische Bad Kissingen entdecken oder an Gesprächen über Literatur und die aktuelle Lage in Israel teilnehmen.

Mittlerweile lebt Leon im betreuten Wohnheim der Frankfurter Gemeinde. Vor vier Jahren meldete ihn seine Mutter für diese neue Wohnform der Budge-Stiftung an. Seitdem hat ihr Sohn große Schritte in die Selbstständigkeit gemacht und kann allein mit dem Bus zur Behindertenwerkstatt fahren. Am Ende der Reise werden Mutter und Sohn wieder die Koffer packen und nach Hause fahren.

Wuppertal

Am helllichten Tag

Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge geht das Gemeindeleben in der nordrhein-westfälischen Stadt weiter. Aber was bedeutet diese Normalität?

von Helmut Kuhn  01.10.2026

Rostock

Zunehmend sprachlos

Die Gemeinde hatte Schlimmeres befürchtet, doch Sorgen bleiben auch nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern

 01.10.2026

Wiedervereinigung

Zeit der Blüte

Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Für jüdische Gemeinden in Ost und West war dies ein neuer Anfang, für manche auch die Rettung. Drei Gemeindemitglieder erzählen, wie sie diese Zeit erlebten

von Christine Schmitt  01.10.2026

Deutschland

Holocaust-Überlebende: Regierung der Linkspartei in Berlin wäre eine Katastrophe

»Hier muss die Politik gründlich aufpassen, dass das nicht passiert«, sagt Charlotte Knobloch bei »Maischberger«

 01.10.2026

Wahl

»Der Schock sitzt tief«

Jüdinnen und Juden blicken mit großer Skepsis auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken. Sie fordern klare Zusagen zum Kampf gegen Antisemitismus

von Christine Schmitt  30.09.2026

Rathaus Neukölln

Berlin

Hillel zieht seine Chanukkia aus dem Rathaus Neukölln ab

Der jüdische Bildungsverein will seine Chanukka-Feier künftig an einem »neutralen Ort« abhalten. Für den scheidenden Bürgermeister Martin Hikel ist die Entscheidung ein Schock

 01.10.2026 Aktualisiert

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 8. Oktober

 30.09.2026

Chemnitz

Gestohlener Davidstern sichergestellt

Unbekannte hatten laut Polizei in der Dauerausstellung des Lern- und Gedenkortes eine Schautafel beschädigt und den Davidstern mitgenommen

 28.09.2026

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026