Pandemie

»Die Folgen bleiben ein Leben lang«

Schoa-Überlebende bei einer Gedenkzeremonie von AMCHA in Israel Foto: Flash 90

Unterstützungsleistungen für Überlebende des Holocaust bleiben auch 76 Jahre nach der Befreiung eine fundamentale Notwendigkeit. Mit Psychotherapien, sozialen Aktivitäten und Hausbesuchen durch die Selbsthilfeorganisation AMCHA werden die Überlebenden unterstützt. Die Corona-Krise stelle die Behandlung indes vor große Herausforderungen, so die Organisation.

AMCHA wurde 1987 als Selbsthilfeorganisation von Überlebenden des Holocaust in Israel gegründet, die erkannten, dass sie und ihre Familien spezialisierte Hilfsangebote benötigen, die in der Gesundheitsversorgung bis dahin nicht beachtet wurden. AMCHA Deutschland e. V. unterstützt die Arbeit von AMCHA Israel.

erinnerungen »Gerade im Alter werden die traumatisierenden Erinnerungen zur Belastung, wenn das soziale Netz schwächer wird, die Einsamkeit zunimmt, Partner und Freunde sterben. Die Folgen können schwere Depressionen, soziale Isolation und Angstzustände sein«, erklärt Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland e. V.

»Die Befreiung war für die Überlebenden eine Rettung vor dem Tod. Die langfristigen Folgen der Verfolgung aber bleiben ein Leben lang.«

»Damit wird ein lang ersehntes Zeichen der Anerkennung ihrer historischen Verantwortung, die über Generationen hinweg reicht, gesendet.«

Lukas Welz, Vorsitzender AMCHA Deutschland


Angesichts der Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie verstärkt sich das Grundgefühl des Verlassenseins, die Erinnerungen an traumatisierende Erfahrungen während der Schoa werden noch präsenter.

So erklärt sich auch die Zunahme an Unterstützungsbedarf: Die Zahl von 127.972 Therapiestunden im Jahr 2010 ist innerhalb von zehn Jahren auf 242.489 Stunden angestiegen und hat auch während der Beschränkungen weiter zugenommen. So wurden therapeutische Online-Angebote stark ausgebaut, was viele der hochbetagten Menschen sehr fordert.
 
CORONA Die psychosoziale Unterstützung außerhalb der Therapiestunden hingegen sei durch Corona erstmals weitgehend zum Stillstand gekommen. So durften die 15 Sozialklubs im vergangenen Jahr zeitweise von den Überlebenden nicht mehr besucht werden. 

»Seit den ersten Ausgangsbeschränkungen haben wir mit Hochdruck daran gearbeitet, neue Wege der telefonischen und online-basierten Seelsorge, Therapie und Unterstützung auf Distanz zu unterstützen und damit die Kommunikationswege zu Überlebenden aufrechtzuhalten. Denn die Therapeuten sind oft die einzigen Bezugspersonen der Überlebenden«, so Welz.
 
TRAUMATA »Zunehmend rücken auch Kinder von Überlebenden in den Blick. Manche von ihnen sind selbst bereits 75 Jahre alt. Das Ausscheiden aus dem Berufsleben oder der Tod der Eltern sind Faktoren, die psychosoziale Herausforderungen wachsen lassen«, sagt er. Hinzu kämen Erfahrungen wie Gewalt- und Kriegserfahrungen, die zusätzlich belastend auf die transgenerationalen Traumata einwirkten.

Die Bundesregierung wird 2021 die psychosoziale Hilfe für besonders betroffene Angehörige der Nachkommen von Überlebenden des Holocaust unterstützen. »Damit wird ein lang ersehntes Zeichen der Anerkennung ihrer historischen Verantwortung, die über Generationen hinweg reicht, gesendet«, hebt der Vorsitzende hervor. »Die Bearbeitung oft schwerster Traumata des Holocaust ist eine Gegenwartsfrage und wird es bleiben, zumal diese innerhalb ihrer Familien oft über Generationen hinweg spürbar bleiben.« ja

Sachsen-Anhalt

Drohungen gegen jüdische Studenten nach Aktion vor Synagoge

Eine Menschenkette hinderte den AfD-Politiker Tillschneider an der Teilnahme an einer Gedenkfeier in Halle. Das hat Folgen für die Studierenden

 16.10.2026

Frankfurt/ Main

Einst Provisorium, heute selbstbewusst

Zum 75. Jubiläum beleuchtet ein Almanach die Geschichte der jüdischen Gemeinde nach der Schoa, ihre inneren Konflikte und ihren Weg zu einem festen Platz in der Stadtgesellschaft

von Leon Stork  15.10.2026

Dresden

Tora-Projekt wird verlängert

Mitten in Dresden wird derzeit in aller Öffentlichkeit eine Tora-Rolle geschrieben. Das Projekt soll jüdisches Leben sichtbar machen. Die Schreiberin sitzt in einem gläsernen Pavillon

 14.10.2026

Gedenken

Vier Stolpersteine erinnern in Erfurt an Familie Rosenblüth

Ein Poesiealbum bewahrte die Erinnerung an eine jüdische Mitschülerin über Generationen. Am 9. November werden in Erfurt vier Stolpersteine für Sara Rosenblüth und ihre drei Töchter verlegt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Meilenstein

Endlich Batmizwa

Unsere Autorin hatte vor Kurzem ihren großen Tag. Wie sie sich darauf vorbereitet hat, was ihr Dvar Tora war und wie das Motto ihrer Party lautete, das hat sie uns erzählt

von Madeleine Prinz  13.10.2026

München

Einstimmige Zwiesprache

Kunstexperte Konrad Bernheimer stellte seine Familiengeschichte zwischen Südamerika und Deutschland in Briefen an den Vater vor

von Vivian Rosen  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026

Berlin

Guy Katz mit Margot-Friedländer-Preis ausgezeichnet

Geehrt wurden neben dem Hochschullehrer, eine Europaschule und ein Projekt des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend

 13.10.2026