Berlin

»Die dunkelste Stunde der Geschichte«

Mit zahlreichen Veranstaltungen ist am Freitag an die Bücherverbrennung der Nazis vor 80 Jahren erinnert worden. Sie gehöre »zu den dunkelsten Stunden der Geschichte des ›Landes der Dichter und Denker‹«, erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zum 80. Jahrestag.

Am Vormittag hielt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) eine Gedenkrede in der Humboldt-Universität. Dieser »Akt der Barbarei und der antidemokratischen Hetze« zeige bis heute, wie schnell eine offene Gesellschaft zerstört werden kann.

Er warnte vor den Folgen von Geschichtsvergessenheit. »Kein Land kann aus seiner Geschichte ausssteigen, so wenig, wie man aus seiner Biografie aussteigen kann«, sagte Lammert. Und kein Land auf der Welt habe so viel Grund für einen kritischen Umgang mit seiner Geschichte wie Deutschland.

Emigration Die Bücherverbrennung auf dem damaligen Opernplatz sei einer der traurigen Höhepunkte im Jahr 1933 gewesen, in dem die Nazis in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit systematisch die Gesellschaft gleichschalteten, sagte Lammert weiter.

Auf den Rechts- und Verfassungsbruch folgte der Zivilisationsbruch, dem weder die Medien noch die Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst oder Kirchen aus Mangel an Einsicht und fehlender Zivilcourage ernsthaft etwas entgegensetzten. In der Folge wurde eine halbe Million Menschen in die Emigration getrieben, »ein Exodus, von dem sich Deutschland bis heute kulturell und wirtschaftlich nicht richtig erholt hat«, sagte der Politiker

Der Präsident der Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, erinnerte daran, dass die Bücherverbrennung maßgeblich von Studenten der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität ausging.

Themenwoche »Unsere Hochschule war kein Ort des Widerstands oder des Widerspruchs. Auch keiner der Professoren erhob damals Einspruch gegen diesen barbarischen Akt.« Die Universität erinnert in einer Themenwoche mit zahlreichen Podiumsdiskussionen, Workshops und Vorträgen an die Bücherverbrennung. Erwartet wird unter anderem der ungarische Schriftsteller György Konrad.

Am Freitagnachmittag wurde am Bebelplatz der Bücherverbrennung gedacht. In einer gemeinsamen Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und der evangelischen Kirche sprachen der evangelische Bischof Markus Dröge und Rabbiner Daniel Alter Gebete. Als besonderer Gast war der israelische Bildhauer Micha Ullman geladen.

Ullman, der 1995 das »Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung« schuf, die in den Boden des Platzes eingelassen ist, mahnte eindringlich: »Lasst diesen Ort in Ruhe«. Er erklärte, dass er von Beginn an ein Kunstwerk erschaffen wollte, das eigenständig wirke. »Man sieht die Glasscheibe nur, wenn man sie sehen will«, sagte der Künstler. Um sie herum lagen zum Gedenken Blumen.

Am 10. Mai 1933 verbrannten die Nazis allein auf dem Berliner Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz, unter dem Jubel von Augenzeugen rund 25.000 Bücher, die als »undeutsch« galten. Darunter befanden sich sowohl Romane etwa von Erich Kästner und Kurt Tucholsky als auch wissenschaftliche Schriften von Sigmund Freud und Albert Einstein. epd/kat

Seder

Es ist unsere Freiheit

Zu Pessach setzen wir unser Vertrauen in die Kraft des Guten

von Charlotte Knobloch  31.03.2026

Pessach

Der leere Stuhl

Für viele bedeutet der Seder, auf geliebte Menschen zu verzichten. Hier erzählen vier Frauen und Männer, wer an Pessach fehlt – und was ihnen Hoffnung gibt

von Nicole Dreyfus  31.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

»Koscher-Licious«

Mazze, Challe, Wodka

Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot

von Alicia Rust  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026