Wiesbaden

»Deutschland ist Israels wichtigster Partner«

Amnon Weinsteins Sohn Avshalom nahm die Ernst-Cramer-Medaille stellvertretend für seinen Vater entgegen. Foto: Michael Schick

Zwei Ziele verfolgten die Gründer der Deutsch-Israelischen Gesellschaft vor 50 Jahren: die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zu vertiefen und die internationale Verbundenheit, Toleranz und Verständigung der Völker im Nahen Osten zu fördern.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erinnerte am Sonntag beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Organisation im Schloss Biebrich an diese bis heute schwierige Aufgabenstellung. Gäste waren unter anderen der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sowie Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman.

Der israelische Geigenbauer Amnon Weinstein erhielt in diesem Rahmen die Ernst-Cramer-Medaille für sein Wirken zur Aussöhnung und gegen das Vergessen. Weinstein restauriert Geigen jüdischer Opfer des Holocausts, auf denen junge Musiker auch aus Deutschland spielen. DIG-Präsident Hellmut Königshaus überreichte die Medaille an Avshalom Weinstein, der seinen erkrankten Vater vertrat.

Aufgaben Die zweifache Aufgabenstellung der DIG gilt bis heute, betonten Königshaus, Bouffier und Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Die Grundidee sei es gewesen, dass die Annäherung zwischen Israel und Deutschland nicht nur auf der Ebene der Staaten erfolgen soll, sondern von den Bürgern mit Leben erfüllt wird, betonte Böhmer.

»Die Bereitschaft vieler Israelis, uns die Hand zu reichen, hat mich tief beeindruckt«, berichtete sie von ihren ersten persönlichen Begegnungen mit Menschen in Israel. Sie selbst wurde vor 30 Jahren Mitglied der DIG. »Verantwortung für die Vergangenheit und Solidarität für die Zukunft«, bezeichnete Böhmer als die Pfeiler, der sich alle DIG-Präsidenten parteiübergreifend seit der Gründung vor 50 Jahren verschrieben hätten.

Botschafter Hadas-Handelsman sagte einen Satz, der – wie er selbst glaubt – vor 50 Jahren so nicht denkbar gewesen wäre: »Deutschland ist Israels wichtigster Partner und Freund in Europa.« Man werde niemals einen Schlussstrich unter die Schoa ziehen können. Aber es gehe heute nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. »Wir sagen Dank an die Deutsch-Israelische Gesellschaft, dass sie seit 50 Jahren an der Seite Israels steht.«

Naher Osten
Hessens Ministerpräsident Bouffier dankte DIG-Präsident Königshaus für die Anfrage an das Land Hessen, den Festakt auszurichten: »Wir sehen darin eine Auszeichnung.« Das Land Hessen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn war Gründungsmitglied der DIG. »Aber es war immer ein parteiübergreifendes Anliegen, sich in der DIG zu engagieren«, betonte Bouffier. »Und dahinter stehen viele Menschen in den Kommunen.«

Der 30. Oktober 2016 sei ein Tag der Freude, wenn man bedenke, »an welchem Punkt wir damals angefangen haben«. Aber es sei auch ein Tag der Verpflichtung, wenn man sich an das zweite Ziel der DIG-Gründer erinnere: die Aussöhnung der Völker des Nahen Ostens. »Die ganze Region ist aufgewühlt. Das Einzige, was wir dort nicht haben, ist Frieden.«

»Die Verantwortung ergibt sich aus der deutschen Geschichte – und diese Verantwortung bleibt«, betonte Bouffier in seiner Festrede. »Das Existenzrecht Israels verbleibt und verpflichtet uns.« Der Blick in die Zukunft sei verbunden mit der Zukunft der jüdischen Gemeinden in Deutschland. »Die Mitglieder kehrten zurück in das Land der Täter und gaben uns damit Vertrauen. Der jüdische Glaube und die jüdischen Gemeinden sind seit Jahrhunderten Teil unserer Gesellschaft. Ohne sie ist unsere Gesellschaft nicht denkbar.«

Antisemitismus Judenhass in Deutschland sei nicht hinnehmbar. Besorgt zeigte sich der Ministerpräsident über Antisemitismus, der zunehmend in den sozialen Netzwerken laut werde. »Das können wir nicht tolerieren.«

Genauso deutlich müsse man mit jungen Menschen reden, die etwa aus Syrien nach Deutschland geflohen sind und deren Feindbild von Kindesbeinen an Israel ist: »Es gehört zu unseren Aufgaben, diesen Menschen zu erklären, warum das Existenzrecht Israels nicht verhandelbar ist.«

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