Gedenkstunde

»Der Sieg ist auch der Sieg der Gefallenen«

Denkmal von Alexander Shimanovskiy Foto: IKG München und Obb.

Gedenkstunde

»Der Sieg ist auch der Sieg der Gefallenen«

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern ehrte die jüdischen Soldaten mit einer Kranzniederlegung

von Vivian Rosen  15.05.2025 09:35 Uhr

Auch zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus kam die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) auf dem Neuen Israelitischen Friedhof zusammen, um am Denkmal von Alexander Shimanovskiy der im Kampf gegen den Nationalsozialismus gefallenen jüdischen Soldaten zu gedenken und sie mit einer Kranzniederlegung zu ehren.

»Der große Sieg war und bleibt bis heute ein Sieg der Menschlichkeit über das abgrundtief Böse«, betonte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. Eineinhalb Millionen jüdische Soldaten hatten während des Zweiten Weltkriegs in den Armeen der Alliierten gekämpft, wo sie im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerung oft überrepräsentiert waren. Allein in der Roten Armee waren es rund 500.000 Soldaten, von denen 200.000 fielen. »Sie haben für den Sieg gekämpft, den sie selbst nicht mehr erleben und feiern durften«, sagte Knobloch. Und sie fügte nachdrücklich hinzu: »Der Sieg ist auch der Sieg der Gefallenen!«

Sie dankte dem Vorsitzenden des Veteranenrates, Grigorii Levitin, und erinnerte an David Dushman (1923–2021), der mit seiner Einheit am 27. Januar 1945 den Zaun des Vernichtungslagers Auschwitz niederriss.

»Die gerettete Welt wird sich für immer an sie erinnern«, betonte Ariel Kligman.

IKG-Vorstandsmitglied Ariel Kligman hob in seiner Ansprache die Bedeutung des jährlichen Gedenkens hervor: »Für uns, die jüdischen Zuwanderer, ist der Tag der Befreiung vom Faschismus nicht nur ein historisches Datum, sondern auch eine Tradition unserer Vorfahren, die wir mit nach Deutschland gebracht haben.« Zugleich sei das Gedenken untrennbar verbunden mit der Dankbarkeit gegenüber allen Soldaten und Offizieren, die Europa vom Nationalsozialismus und den unvorstellbaren Schrecken der Konzentrationslager befreit hätten: »Die gerettete Welt wird sich für immer an sie erinnern«, betonte Kligman.

Erstmals sprachen in diesem Jahr bei der Gedenkveranstaltung auch zwei junge Vertreter der dritten und vierten Generation. Anton Nogaller erinnerte an seinen Großvater Alexander Nogaller (1920–2021), der von 1941 bis 1945 als Oberarzt im Artillerie-Regiment sowie als Leiter der chirurgischen Abteilung eines Lazaretts an der Front im Einsatz war. Der international renommierte Mediziner kam in den 90er-Jahren als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland und lebte seit 2009 in München.

Die Drittklässlerin Emma Seel erzählte schließlich von ihrer Urgroßmutter Nina Vevel, auch sie eine Ärztin, die während des Krieges in einem Militärkrankenhaus gearbeitet und sich als »Kämpfernatur«, so Emma, ihr Leben lang für Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung eingesetzt habe.

Forschung

Storys per QR-Code

Studierende der TU recherchieren zu Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

von Helmut Kuhn  31.08.2025

Bildung

Mathe, Kunst, Hebräisch

Diese Woche ist die Jüdische Grundschule in Dortmund feierlich eröffnet worden. Warum entscheiden sich Eltern, ihr Kind auf eine konfessionell geprägte Schule zu schicken – und warum nicht?

von Christine Schmitt, Katrin Richter  31.08.2025

Essay

Wie eine unsichtbare Wand

Immer sind Juden irgendetwas: Heilige oder Dämonen, Engel oder Teufel. Dabei sind wir ganz normale Menschen. Warum nur gibt es immer noch Erstaunen und teils Zurückweisung, wenn man sagt: Ich bin jüdisch?

von Barbara Bišický-Ehrlich  31.08.2025

Porträt der Woche

Sprachen, Bilder, Welten

Alexander Smoljanski ist Filmemacher, Übersetzer und überzeugter Europäer

von Matthias Messmer  31.08.2025

Vor 80 Jahren

Neuanfang nach der Schoa: Erster Gottesdienst in Frankfurts Westendsynagoge

1945 feierten Überlebende und US-Soldaten den ersten Gottesdienst in der Westendsynagoge nach der Schoa

von Leticia Witte  29.08.2025

Würdigung

Tapfer, klar, integer: Maram Stern wird 70

Er ist Diplomat, Menschenfreund, Opernliebhaber und der geschäftsführende Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses. Zum Geburtstag eines Unermüdlichen

von Evelyn Finger  29.08.2025

Interview

»Physisch geht es mir gut, psychisch ist ewas anderes«

Sacha Stawski über den Angriff auf ihn und seine Kritik an Frankfurts Oberbürgermeister

von Helmut Kuhn  28.08.2025

München

»In unserer Verantwortung«

Als Rachel Salamander den Verfall der Synagoge Reichenbachstraße sah, musste sie etwas unternehmen. Sie gründete einen Verein, das Haus wurde saniert, am 15. September ist nun die Eröffnung. Ein Gespräch über einen Lebenstraum, Farbenspiele und Denkmalschutz

von Katrin Richter  28.08.2025

Zentralrat

Schuster sieht Strukturwandel bei jüdischen Gemeinden

Aktuell sei der Zentralrat auch gefordert, über religiöse Fragen hinaus den jüdischen Gemeinden bei der Organisation ihrer Sicherheit zu helfen

 27.08.2025