Projekt

Der richtige Dreh

Von der Idee bis zur Verwirklichung des Projekts dauerte es ein ganzes Jahr. Herausgekommen ist der Film Spuren im Sand, den Schüler vom Wahlkurs Geschichte der sechsten und siebten Klasse des Jüdischen Gymnasiums produziert haben.

Mit dem 25‐minütigen Streifen, der von der Brodt Foundation und dem Förderverein des Jüdischen Gymnasiums unterstützt wurde, nehmen die Schüler am Geschichtswettbewerb teil, den der Bundespräsident im Zwei‐Jahres‐Rhythmus veranstaltet. Diesmal lautete der vorgegebene Arbeitstitel »So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch«.

Hinter Spuren im Sand verbirgt sich die wechselvolle Geschichte des Jüdischen Gymnasiums in München. Die Schule war während der Besatzung durch die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Tausende Juden in München aufhielten, vom Jewish Committee gegründet. Doch sie bestand nur wenige Jahre – genauer gesagt, bis 1951. Fast alle Juden hatten zwischenzeitlich das Land verlassen, sodass es einfach nicht mehr genügend jüdische Schüler gab.

traum Was weiterlebte, war der Traum von einem Jüdischen Gymnasium. Immer wieder wurde mit dem Gedanken gespielt, diesen Wunsch zu verwirklichen, aber es sollte fast 70 Jahre dauern, bis es endlich so weit war. Im Sommer 2016 nahm die Schule im Gemeindezentrum ihren Betrieb wieder auf. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sprach damals von einem »historischen Moment«.

Für Miriam Geldmacher, die Direktorin des Gymnasiums, hätte es kaum ein besseres Thema geben können, um die Vorgaben des Bundespräsidenten für den Wettbewerb umzusetzen. »Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gut abschneiden werden«, zeigt sie sich optimistisch. Ähnlich begeistert ist auch Tutorin Irina Alter, unter deren Fittichen der Film entstand und die das Drehbuch schrieb.

Die Schüler waren
überrascht von dem
gewaltigen Aufwand.

Ihre Bilanz nach dem ereignisreichen Jahr ist mit einem dicken Lob für die jungen Filmemacher verbunden. »Ihre Begeisterung und ihr Einsatz«, sagt Irina Alter, »waren phänomenal.« Überrascht jedoch waren sowohl sie als auch die Schüler von dem gewaltigen Aufwand, der mit der Produktion eines Films verbunden ist. Dutzende Besprechungen und Arbeitssitzungen waren vonnöten, ein Workshop, Recherchen im Archiv, Vorbereitungen für Interviews. Für die technische und dramaturgische Umsetzung stand der Crew mit dem bekannten Filmemacher Daniel Targownik ein Profi zur Seite.

stadtarchiv Die thematische Aufarbeitung führte die sieben Schüler (Veronica Afrina, Oskar Etinger, Noa Goldscheider, Flora Kanyo, Vera Shutin, Marc Alter, David Kula), die den Film gedreht haben, an völlig unterschiedliche Schauplätze. Bernhard‐Ludwig Reiser, der stellvertretende Leiter der Städtischen Sing‐ und Musikschule, war eine der Anlaufstellen. In dem Gebäude der Münchner Einrichtung befand sich einst das Jüdische Gymnasium.

Den geschichtlichen Überblick und die historischen Zusammenhänge hatten sich die Gymnasiasten zuvor von Andreas Heusler im Stadtarchiv erklären lassen. Er ist Experte für die jüdische Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt und einer der Interviewten im Film.

Ganz persönliche Eindrücke hielten die Filmemacher bei den Gesprächen mit Ruth Melcer und Zelig Rosenblum fest. Beide sind Holocaust‐Überlebende und besuchten in der Nachkriegszeit das damalige Jüdische Gymnasium. Die Art und Weise, wie die Interviews gemacht wurden, begeistert auch Irina Alter. »Alle Fragen wurden von den Schülern selbst ausgearbeitet und vor der Kamera gestellt«, schildert sie das Prozedere.

Zu Wort kommt in Spuren im Sand auch IKG‐Präsidentin Charlotte Knobloch. Sie war es, die das »Projekt Gymnasium« nie aus den Augen verloren hatte. Heute freut sie sich, dass die Israelitische Kultusgemeinde das Vorhaben auch in die Tat umsetzen konnte. »Wir haben jetzt ein komplettes Bildungsangebot unter einem Dach – von der Kita bis zum Gymnasium«, sagt sie nicht ohne Stolz.

zeitzeugen Die Thematik des Films ist nach Überzeugung Knoblochs von elementarer Bedeutung. »Wir leben an der Schwelle zu einer Zeit ohne Zeitzeugen, und solche Filme tragen dazu bei, dass die Erinnerung an den Holocaust und die Gründe, die dazu führten, nicht verblassen. Nur das ermöglicht uns, die richtigen Lehren daraus zu ziehen«, lobt sie das Engagement der Schüler. Und das war in der Tat beeindruckend.

Am Ende hatten die Schüler sieben Stunden Filmmaterial, das auf 30 Minuten zusammengeschnitten werden musste. Zeitlich wurde es ein bisschen knapp, aber Miriam Geldmacher und Irina Alter konnten am Ende doch noch aufatmen: Die Abgabefrist für den Wettbewerb wurde eingehalten.

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