Hamburg

Der »Geschichtsautomat« führt durch die Stadt

Wie kann man Schüler dazu bewegen, sich für die jüdische Geschichte Hamburgs zu interessieren und dies so gestalten, dass auch etwas für die Stadt dabei herausspringt? Das Modellprojekt »Geschichtomat« hat sich diese Ziele gesetzt. Seit zwei Jahren wird am Hamburger Institut für die
Geschichte der deutschen Juden
(IGdJ) daran gebastelt. Außerdem war das Atelier für Gesellschaftsgestaltung an dern Entwicklung beteiligt.

Nun konnte die erste Projektwoche an einer Schule gestartet werden. Am Ende soll eine mobile Webseite stehen, auf der von Schülern erstellte Beiträge zu jüdischen Orten zu finden sind. Die kann man dann erwandern und vor Ort Artikel dazu auf seinem Smartphone anschauen. Die Beiträge können Videos sein, Fotos, kleine Texte oder Audioaufnahmen.

Vorkenntnisse Am Institut koordiniert Stephanie Kowitz-Harms das Projekt. Die Historikerin geht mit Medienpädagogen in die Schulklassen. Gedacht ist es zunächst für Acht- und Neuntklässler. Wie wenig Vorwissen inzwischen oft existiert, konnte Kowitz-Harms bei dem Modellprojekt an der Franz-von-Assisi-Schule selbst erleben: »Da kommen Assoziationen wie Kippa oder Schabbat, natürlich auch Holocaust, aber das war es dann auch schon. Erschreckend ist, wie weit selbst bei den 14-Jährigen noch klassische antisemitische Vorurteile verbreitet sind.«

Wichtig sei es den Projektmachern auch gewesen, nicht an ein Gymnasium mit besonders aktiver Elternschaft zu gehen, sondern auszuprobieren, ob es auch an einer Stadtteilschule klappt in einem Bezirk von Hamburg, in dem jüdisches Leben nicht eben öffentlich präsent ist. Das Resultat war begeisternd, nach anfänglichem Zögern seien die Schüler offen und enthusiastisch an das Thema herangegangen. Eine wichtige Voraussetzung, denn, »es geht auch darum, dass sie selbst die Schwerpunkte setzen und sich Themen auswählen, die sie interessieren«, so Kowitz-Harms.

Sensibilisierung So soll denn der »Geschichtomat« nicht in erster Linie eine historische Gedenkwebseite werden. Vielmehr ginge es darum, auch zu zeigen, welche Vielfalt an jüdischem Leben vor und nach der NS-Zeit existierte. »Natürlich können wir in der kurzen Zeit den Schulunterricht nicht ersetzen. Aber wir können für das Thema sensibilisieren und Interesse wecken. Hoffentlich gehen dann ein paar Schüler mit offeneren Augen durch ihr Viertel. Ich denke, dieses Projekt könnte eine gute Möglichkeit sein, das Thema weiter lebendig und spannend zu gestalten«, sagt Kowitz-Harms.

Durch den Einsatz moderner Medien kommt erst gar nicht das Gefühl von verstaubter Historie auf. Die Schüler lernen die Technik direkt im Einsatz von Interviewfragen. Bis hin zum Schnitt müssen sie alles selbst machen, für viele ein ganz neues Erlebnis, das sie stolz macht.

Es sei durchaus denkbar, den »Geschichtomat« auch auf andere Städte oder ganz Deutschland auszuweiten. Erstmal muss allerdings die Finanzierung für das Hamburger Projekt über 2013 hinaus gesichert werden. »Viele Investoren waren zunächst sehr zögerlich, weil sie dachten, dass es inhaltlich zu sensibel ist und die Jugendlichen damit überfordert wären«, sagt Kowitz-Harms. Nachdem aber die Website online gegangen und das erste Modellprojekt erfolgreich abgeschlossen ist, hofft sie auf neuen Rückenwind: »Es wäre schön, wenn sich in diesem Jahr noch zwei bis drei Schulen fänden.«

www.geschichtomat.de

Braunschweig

»Judenpresse«-Rufe: Rechtsextremist zu Bewährungsstrafe verurteilt

Martin Kiese ist ehemaliger Landesvorsitzender der Partei »Die Rechte«, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird

 23.02.2024

Theater im Delphi

Widmung an den Onkel

Der New Yorker Musiker Roger Peltzman erzählt in dem Stück »Dedication« die Geschichte seiner Familie, die von den Nazis vertrieben wurde

von Katrin Richter  22.02.2024

Frankfurt

Bewusste Gedenkkultur

Die Jüdische Gemeinde vergibt den Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement

 22.02.2024

Potsdam

Dringender Appell

Das Zacharias Frankel College sorgt sich um die Zukunft

von Michael Thaidigsmann  22.02.2024

Geflüchtete

Sehnsucht nach früher

Natalia, Tatjana und Slavik stammen aus der Ukraine und leben nun in Deutschland

von Christine Schmitt  22.02.2024

München

»Das war eine Zäsur«

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch über den Brandanschlag auf das jüdische Gemeindehaus in der Reichenbachstraße und das Gedenken an den 13. Februar 1970

von Leo Grudenberg  21.02.2024

München

Roth würdigt verstorbenen Direktor des Jüdischen Museums

Als Gründungsdirektor prägte Bernhard Purin die Einrichtung

 21.02.2024

München

Verloren und verstreut

Die Historikerin Julia Schneidawind stellte im Gemeindezentrum ihre Dissertation über deutsch-jüdische Privatbibliotheken vor

von Nora Niemann  20.02.2024

München

Direktor des Jüdischen Museums unerwartet gestorben

Bernhard Purin war weltweit als Experte für Judaica geschätzt

 20.02.2024