Charity

Dem Terror trotzen

Der WIZO-Basar 2015 begann mit einer Schweigeminute: Die Attentate von Paris lagen nur wenige Stunden zurück, am Eingang zum Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum in Frankfurt standen »Pray for Paris«-Plakate, und das Entsetzen über den Terror an der Seine war allen Beteiligten anzumerken. »Ich hoffe, dass die Ereignisse von Paris zu noch mehr Unterstützung für Israel, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, führen«, sagte Mirijam Kon, Vorstandsmitglied der Zionistischen Frauenorganisation, WIZO, bei der Eröffnung des 65. Basars in Frankfurt.

Und Harry Schnabel, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, betonte: »Wir müssen uns zu unseren freiheitlichen Werten bekennen und uns solidarisch zeigen. Der Flüchtlingsandrang darf nicht dazu führen, dass andere Sozialprojekte deswegen vernachlässigt werden.«

Bei den Besuchern des Basars fielen die Appelle auf fruchtbaren Boden: Schon am Samstag war der Umsatz nach Angaben der ehemaligen WIZO-Präsidentin Diana Schnabel »so hoch wie im vergangenen Jahr«. Zeitweise wirkte das Gemeindezentrum jedoch deutlich weniger besucht als bei den Veranstaltungen in den Vorjahren.

Nervosität Wie nervös manche Besucher waren, offenbarte sich, als im Foyer mit lautem Krach etwas zu Bruch ging. Da zuckten etliche zusammen, und erst das launige »Mazel Tov!« von Kantor Yoni Rosen entspannte die Situation wieder. »Es ist bedrückend. Zum ersten Mal hat mich meine Schwester aus Israel angerufen und gebeten, ich solle auf mich aufpassen, wenn ich zum Basar gehe«, sagte etwa Jona Gilman. Und auch Jeanette Lieberberg bekannte, sie fühle sich »nicht besonders« – die Angst begleite sie.

Und dennoch: Auch beim diesjährigen Frankfurter WIZO-Basar wurde gelacht, getratscht, geschlemmt und geshoppt. Rund 100 Frauen – im Alter zwischen 16 und 80 Jahren – arbeiteten vor und hinter den Kulissen schier bis zum Umfallen. Ein Zustand, den WIZO-Präsidentin Simone Graumann gut kennt, doch dieses Mal konnte sie sich nicht beteiligen. Sie pendelte zwischen den Patenschaftsveranstaltungen in Berlin und München sowie dem Herbstmarkt in Hannover.

Gäste Ihr Mann, der ehemalige Zentralratspräsident Dieter Graumann, gab dem Basar dennoch die Ehre. Ihm zur Seite standen mehrere der Basar-Schirmherren, wie Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann oder die ehemalige Bürgermeisterin Jutta Ebeling. Außerdem anwesend: der ehemalige Oberbürgermeister Andreas von Schoeler und Frankfurts amtierender Stadtkämmerer Uwe Becker. Am Bücherstand signierten Rabbiner Shlomo Raskin sowie Esther Schapira und Georg Hafner ihre Bücher, in der Cocktailbar der Young WIZO legte DJ Ilya auf.

Ein anderes Highlight war auch in diesem Jahr der Losverkauf. »Sag mir nächstes Jahr unbedingt Bescheid, wenn dieser Basar wieder stattfindet«, forderte eine waschechte Frankfurterin ihre Freundin auf. Mit nur fünf Euro Einsatz hatte sie ein riesiges Topf-Set gewonnen. Die Lose für die üppig bestückte Tombola waren rasch ausverkauft – am Sonntag nach nicht einmal zwei Stunden.

Des einen Leid, des anderen Freud: »Hör jetzt endlich auf, Lose zu kaufen«, hatte noch kurz vorher eine Mutter ihren Sohn ermahnen müssen. Denn die Glücksfee hatte es mit dem Sprössling gut gemeint und ihn so allerhand gewinnen lassen. Seine Pakete türmten sich so massenhaft, dass sich die Mutter bereits Sorgen um die häusliche Ordnung machen musste.

Ums Packen ging’s auch am Montag nach dem traditionellen Schnäppchenverkauf. Denn selbst beim besten Willen gelang es den WIZO-Frauen nicht, alle Sach- und Kleiderspenden der Second-Hand-Stände zu verkaufen. Deshalb spendeten die Damen einen Teil davon an karitative Organisationen. Entsprechend profitierte in diesem Jahr nicht nur das Theodor-Heuss-Familientherapiezentrum in Herzliya vom Basar, sondern auch Frankfurter Bedürftige. Und zwar so, wie es auch in den israelischen WIZO-Zentren praktiziert wird – ungeachtet ihrer Hautfarbe, Religion oder Herkunft.

Jom Haschoa

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