Interview

»Das ist hohes Niveau«

Rabbiner Uri Gamson Foto: Gegor Zielke

Herr Rabbiner, am kommenden Sonntag werden sechs junge Rabbinerstudenten der Yeshiva Gedola Berlin ordiniert. Was bedeutet das für Sie persönlich?
Es ist für mich ein besonderes Ereignis, weil es meine erste Smicha-Feier hier in Berlin ist. Ich habe die Tätigkeit als Rosch Jeschiwa, also als Leiter der Yeshiva Gedola Berlin, erst im vergangenen Jahr aufgenommen.

Was haben Sie hier verändert?
Mit Blick auf die Ausbildung der sechs Rabbinerstudenten dieses Jahrgangs denke ich, dass es uns gelungen ist, das Studium noch mehr zu strukturieren, die Lerninhalte zusätzlich zu vertiefen – insgesamt das schon sehr hohe Niveau noch mehr anzuheben.

Was bedeutet das konkret?
Wir konnten die Ausbildung auf einem international anerkannten hohen Niveau fortsetzen und noch zusätzlich verbessern. Das lässt sich mit den rabbinischen Autoritäten verdeutlichen, die diesmal die Zwischen- und Abschlussprüfungen abgenommen haben. Dazu gehören unter anderem Raw Zalman Nechemya Goldberg, der Leiter des Machon Iyun HaHalacha in Jerusalem, Raw Chaim Yehuda Rabinovich, der Vorsitzende Richter des Jerusalemer Rabbinatsgerichts und Raw Avraham Yossef, der sefardische Oberrabbiner von Holon.

Welche Bedeutung hat die Tatsache, dass Israels Oberrabbiner Yona Metzger zur Feier am Sonntag kommt?
Das ist eine Anerkennung unserer Ausbildung und des Wertes der hier verliehenen Smichot.

Bei der Ordinierung stellen Sie eine Publikation »Torat Berlin« vor. Worum handelt es sich?
Dies ist eine Sammlung wissenschaftlicher Arbeiten zum Talmud von leitenden Rabbinern und der Rabbinerstudenten der Yeshiva Gedola. Sie beinhaltet verschiedene Forschungsergebnisse im Bereich der Halacha, und behandelt unter anderem Fragen zu Gesetzen der jüdischen Feiertage und der Kaschrut. Diese Themen werden bis heute im Rahmen unseres Talmud-Studiums in der Yeshiva Gedola gelernt und gelehrt. Die Publikation in hebräischer Sprache und mit deutschem Vorwort umfasst rund 100 Seiten. Zum ersten Mal nach der Schoa kann in Deutschland bei einer Rabbinerordinierung eine solche Arbeit vorgestellt werden.

Wo werden die Rabbiner tätig sein?
Das steht noch nicht abschließend für jeden einzelnen Studenten fest. Aber wie schon bei den vorherigen Jahrgängen – unsere Je-
schiwa bildet bereits seit 1999 Rabbiner aus – werden einige in deutschsprachigen Gemeinden zum Einsatz kommen, andere irgendwo auf der Welt. Absolventen der Yeshiva Gedola Berlin sind unter anderem bereits in Hamburg und Düsseldorf, aber auch in Estland, Mexiko oder Zypern als Rabbiner tätig.

Wie geht es in der Jeschiwa weiter?
Das Lernen geht weiter. Wir beginnen das nächste Semester nach den Hohen Feiertagen. Erstmals gibt es dann auch eine Kooperation mit dem Touro-Colleg Berlin. Das ermöglicht es, zum Beispiel ein Studium in Business-Management zu absolvieren und gleichzeitig Talmud und Tora zu lernen, mit dem entsprechenden Abschlüssen. Die Kurse des Touro-Collegs passen zum Jeschiwa-Studienplan. Das ist einmalig in Deutschland.

Mit dem Leiter der Yeshiva Gedola Berlin sprach Detlef David Kauschke.

Lörrach

Tora als Zeichen der Hoffnung

Die Kultusgemeinde lässt eine historische gerettete Rolle restaurieren. Demnächst wird sie im Landtag vollendet

von Christine Schmitt  19.10.2026

Holocaust-Mahnmal

Gedenken an deportierte Jüdinnen und Juden am Gleis 17

Etwa 10.000 jüdische Menschen deportierten die Nazis vom Bahnhof Grunewald in Berlin aus in die Vernichtungslager. Beim Gedenken an die Opfer nehmen die Redner auch die Gegenwart in den Blick

 18.10.2026

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem neuen Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

München

Das Grauen sehen

Bei der Premiere eines Films über die Familie Bibas und das Hamas-Massaker vom 7. Oktober sprechen die Regisseurin und ein Psychologe über das Verbrechen und die Wirkung der Aufnahmen

von Michael Schleicher  18.10.2026

Lesung

»Die ganze jüdische Welt war in Trauer«

Zum Gedenken an den 7. Oktober stellte Dafna Gerstner ihr Buch vor

von Luis Gruhler  18.10.2026

Porträt der Woche

»Ich mag die Gemeinschaft«

Sonja Fira Grinman geht häufig zu jüdischen Events - bundesweit und im Ausland

von Annette Kanis  18.10.2026

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Sachsen-Anhalt

Drohungen gegen jüdische Studenten nach Aktion vor Synagoge

Eine Menschenkette hinderte den AfD-Politiker Tillschneider an der Teilnahme an einer Gedenkfeier in Halle. Das hat Folgen für die Studierenden

 16.10.2026

Frankfurt/ Main

Einst Provisorium, heute selbstbewusst

Zum 75. Jubiläum beleuchtet ein Almanach die Geschichte der jüdischen Gemeinde nach der Schoa, ihre inneren Konflikte und ihren Weg zu einem festen Platz in der Stadtgesellschaft

von Leon Stork  15.10.2026