Buch

Das Haus in der Großen Hamburger

Geschichte auf 240 Seiten Foto: Hentrich und Hentrich

Buch

Das Haus in der Großen Hamburger

Die Geschichte des Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn

von Christine Schmitt  16.02.2015 21:06 Uhr

Dieses Buch hat alles, was eine spannende Dokumentation braucht, um den Leser bis zum letzten Satz zu fesseln. Schalom und Alefbet. Die Geschichte des Jüdischen Gymnasiums in Berlin erzählt von der wechselvollen Geschichte des heutigen Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn.

Autor Dirk Külow hat ein ausführliches Buch geschrieben, mit vielen Abbildungen, Dokumenten und Fotos, dem eine umfassende Archivarbeit zugrunde liegt. Der Historiker hat bislang weitgehend unbekannte Papiere gefunden und in seine Recherchen mit einbezogen. Zusätzlich befragte er Zeitzeugen und schrieb deren Erinnerungen auf. Herausgekommen ist eine fesselnde Chronik von der »Freyschule für jüdische Knaben«, die im Jahr 1778 gegründet wurde.

Schulgeld Ein Initiator war damals auch Moses Mendelssohn, dessen Name das heutige Gymnasium trägt. Külow blickt in die Geschichte des jüdischen Lebens ab dem 16. Jahrhundert und lässt sie lebendig werden, indem er neben der Politik die Jüdische Gemeinde und deren Infrastruktur beschreibt. So entsteht auch eine spannende Exkursion durchs jüdische Berlin. Als erste jüdische Schule ging es mit Nachmittagsunterricht los, finanziert über Spenden wohlhabender jüdischer Bürger und Schulgeld.

Ziel war es, den Jungen die Chance auf einen Aufstieg in die unteren Mittelschichten zu ermöglichen, indem sie so viel lernten, dass sie Handlungsdiener, Buchhalter oder auch Rechenmeister werden konnten. Die Einrichtung galt als erste moderne Schule der jüdischen Welt.

Die Unterrichtsstunden fanden zu Beginn in Privatwohnungen statt, und zwar so lange, bis sich die Nachbarn über den Kinderlärm beschwerten. Schließlich zogen Schüler und Lehrer ins Seitengebäude der Synagoge Heidereutergasse 4. Auf dem Stundenplan standen Deutsch, Französisch, Hebräisch, Rechnen, Buchhaltung, Geografie, Geschichte, Zeichnen, Schönschreiben und das Studieren der Tora.

Die Schule fand erst 1803 eine feste Adresse für die 65 Kinder, und zwar eine Wohnung in der Klostergasse, die bald zu klein wurde. Daraufhin ging es in die Rosenstraße und später, 1862, in die Hamburger Straße. Das neu errichtete Schulhaus musste schließlich wieder abgerissen werden, an dieser Stelle wurde das heutige Gebäude errichtet und 1906 eingeweiht.

Mädchenschule 1869 wuchs die Einrichtung aufgrund beständigen Zuwachses von jüdischen Familien auf 661 Schüler an. Im Sommer 1934 waren es fast doppelt so viele, da die jüdischen Kinder und Jugendlichen – die Mädchenschule aus der Auguststraße war mittlerweile mit der Knabenschule fusioniert – während der Nazizeit keine anderen Schulen mehr besuchen durften. 1942 beschlagnahmten die Nazis das Gebäude und nutzten es als Deportationslager für die Berliner Juden.

Zu DDR-Zeiten war eine Berufsschule darin untergebracht. Nach der Wiedervereinigung gelangte die Schule wieder an die Jüdischen Gemeinde zurück, die erst eine provisorische Grundschule dort unterbrachte und schließlich 1993 die Oberschule wieder einrichtete. Das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn wird heute von etwa 420 Schülern besucht.

Dirk Külow beschreibt die Entwicklung bis zum Herbst 2014, als der jetzige Schulleiter Aaron Eckstaedt seine Vorgängerin Barbara Witting ablöste.

Dirk Külow: »Schalom und Alefbet. Die Geschichte des Jüdischen Gymnasiums in Berlin«. Hentrich und Hentrich, Berlin 2014, 240 S., 24,90 €

Soziale Medien

Zeit zum Ausloggen

Australien hat es vorgemacht und ein Gesetz verabschiedet, wonach Jugendliche unter 16 Jahren kein eigenes Konto mehr auf Plattformen wie Instagram oder TikTok haben dürfen. Wir haben uns bei jüdischen Teenagern und Eltern umgehört, wie sie darüber denken

von Katrin Richter, Christine Schmitt  11.01.2026

Initiative

Gedenken im Alltäglichen

Im vergangenen Jahr wurden Erinnerungszeichen für rund 50 von den Nazis ermordete Münchnerinnen und Münchner der Öffentlichkeit übergeben

von Esther Martel  11.01.2026

Porträt der Woche

Frau mit kreativem Gen

Nelli Davydenko ist Pädagogin und tanzt gern zu eigenen Choreografien

von Chris Meyer  11.01.2026

Brandenburg

Potsdam soll jüdische Kita bekommen

Zum jüdischen Leben gehören auch jüdische Schulen und Kitas. Eine Kindertagesstätte wird derzeit in Potsdam geplant

 09.01.2026

Leipzig

Kinder greifen koscheres Café an

Sie bewarfen offenbar Mitarbeiter mit Plastikflaschen, beschimpften sie und versuchten, in den Schankraum einzudringen: Die Polizei ermittelt gegen mehrere Kinder und Jugendliche in Leipzig

 08.01.2026

Entführungsfall

Jugendamts-Zeugin im Block-Prozess: »Unglaubliche Belastung«

In dem Hamburger Prozess geht es eigentlich um die Entführung der Block-Kinder. Die hat aber eine jahrelange Vorgeschichte. Eine Jugendamts-Mitarbeiterin schildert eine wichtige Wende im Sommer 2021

von Stephanie Lettgen, Bernhard Sprengel  08.01.2026

Trauer

Schöpfer der Todesmarsch-Mahnmale: Hubertus von Pilgrim ist tot

Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim ist im Alter von 94 Jahren in Pullach bei München gestorben. Internationale Bekanntheit erlangte er durch sein Mahnmal für die Opfer des Dachauer Todesmarschs vom April 1945

 08.01.2026

Debatte

Schulen legen Namen von Antisemiten und Eugenikerinnen ab

Hedwig Dohm oder Dag Hammarskjöld sind Namen, die Schulen heute gerne tragen. Andere Schulen sind nach Menschen benannt, deren Wirken heute kritischer gesehen wird als in der Vergangenheit

von Pat Christ  08.01.2026

Gegenwart

Jetzt erst recht!

Das Festjahr für jüdisches Leben in Deutschland war ein großer Erfolg. Es wird Zeit, dass nun auch auf europäischer Ebene das reiche jüdische Erbe gewürdigt wird

von Andrei Kovacs, Abraham Lehrer  08.01.2026