Eisenach

Botschafterin der Versöhnung

Ehrenbürgerin Avital Ben-Chorin (r.) mit Tochter Ariela Kimchi Foto: stadt eisenach

»Sie sind uns eine liebe Eisenacherin«. Mit diesen warmherzigen Worten beendete die Oberbürgermeisterin der Bachstadt, Katja Wolf, ihre Grußworte für Avital Ben-Chorin. Die Israelin mit deutschen Wurzeln gilt als Botschafterin der Versöhnung und hat sich viele Jahre lang gemeinsam mit Ehemann Schalom Ben-Chorin für das Miteinander der jüdischen und christlichen Religion und die Versöhnung des deutschen und israelischen Volkes eingesetzt.

Dieses besondere Lebenswerk würdigte am 11. August ihre Geburtsstadt Eisenach mit dem Ehrenbürgerrecht. Hinter dieser sachlichen Information verbirgt sich eine sehr emotionale Geschichte, die mit der Geburt von Erika Fackenheim 1923 begann.

Kindertransport Die Sitzung des Eisenacher Stadtrates aus diesem Anlass fand in einem Festsaal statt, den die heute 89-Jährige noch aus ihrer Kindheit in bester Erinnerung hatte. Hier spielte sie manchmal als kleines Mädchen. In Eisenach verlebte Avital Ben-Chorin, damals noch Erika genannt, zunächst eine unbeschwerte Kindheit, die Familie war angesehen.

Mit der Machtergreifung der Nazis begannen Ausgrenzung und Demütigungen. 1936 verließ die Heranwachsende trotz aller Angst vor Heimweh ihre Familie und Deutschland mit einem Kindertransport nach Palästina. Ihren Eltern, Großeltern und vielen Vertrauten gelang es nicht, dem mörderischen Regime zu entkommen.

»Sie hat sich mit einer menschlichen Größe den traurigsten Erinnerungen gestellt«, beschreibt Katja Wolf die Frau, die ihr persönlich ein Vorbild sei und der Stadt Eisenach durch zahlreiche Besuche die Würde wiedergegeben habe. Ben-Chorin erinnert sich an den ersten Kontakt nach Deutschland als einen schwierigen Schritt, auch der erste Besuch in der Geburtsstadt 50 Jahre nach der Flucht brachte zunächst Ernüchterung.

Kontakte Inzwischen entstanden viele herzliche Kontakte, die sie mit den Menschen hier verbindet. »Man darf nicht vergessen, man soll erinnern. Erinnern ist die Wurzel der Erlösung, um einer besseren Zukunft willen.« Hochachtung für die humanistische Haltung ihrer Lebensmission durchzog die Feierstunde, die die Geehrte mit Dankbarkeit genoss.

Ein Geschenk aus Jerusalem verbleibt in der einstigen Heimatstadt der Familie Fackenheim: der Schriftzug Schalom. Und die Ehrenbürgerin wünscht der Stadt, mit der sie beste und schlimmste Erinnerungen verbindet, eben jenen Frieden.

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Köln

»Russisch gehört zum Familienleben«

Hana Fischer bietet in der Kulturakademie Sprachkurse für Kinder an. Ein Gespräch über spielerisches Lernen, Vokabeln und das beliebte Bingo-Alphabet

von Christine Schmitt  26.06.2026

Dresden/Gohrisch

Sächsische Schostakowitsch Tage eröffnet

Das Festival widmet sich bis Sonntag jüdischen Einflüssen auf das Werk des russischen Komponisten

 26.06.2026

Chabad

Jüdische Gemeinde verschiebt Fest wegen Hitze

Neuer Termin nun Ende August

 25.06.2026

Musik

Vielstimmig

Das Festival »Shirat Haʼam« der ZWST hat sich zu einer kleinen Tradition entwickelt und ist so beliebt, dass Chöre weite Reisen auf sich nehmen, um dabei zu sein. Wir haben mitgehört

von Anja Bochtler  25.06.2026

Zwickau

Ausstellung zu jüdischen Lebensgeschichten

Im Jahr 2022 ist in Zwickau eine alte Torarolle wiederentdeckt worden. Die Schrift der früheren jüdischen Ortsgemeinde bildet nun das Herzstück einer Ausstellung

 24.06.2026

Dresden

Sachsen erwägt Verbindungsbüro in Israel

Das sächsische Kabinett stehe seiner Anregung dazu positiv gegenüber, sagt der Beauftragte für jüdisches Leben, Thomas Feist

 24.06.2026

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026