Frankfurt/Main

Biografien in Bildern

Bei der Eröffnung am Dienstagabend: Staatssekretärin Bernadette Weyland, Zentralratsvizepräsident Mark Dainow, Stadträtin Nargess Eskandari-Grünberg, Stadtkämmerer Uwe Becker und Fotograf Rafael Herlich (v.l.) Foto: Rafael Herlich

Die einen waren stolz, die anderen gerührt, und einigen war es sogar etwas unangenehm: Viele der Frauen, die der Fotograf Rafael Herlich für seine neueste Ausstellung Nashim (auf Deutsch: Frauen) porträtiert hat, waren am Dienstagabend zur Vernissage in die Frankfurter Innenstadt gekommen. So sahen sie sich plötzlich dem eigenen, überdimensionalen Konterfei gegenüber - die Begegnung mit dem eigenen Ich wurde zum Ereignis, auch für Freunde und Verwandte.

50 Frauen hat Herlich für seine Ausstellung fotografiert. Sie selbst haben Texte zu den Bildern geschrieben und damit einen Teil ihrer Biografie, Gefühle, Gedanken und Lebenseinstellungen offenbart. Schülerinnen sind in der Ausstellung ebenso vertreten wie Rabbinerfrauen, Soldatinnen – der deutschen und der israelischen Armee –, eine Anwältin und eine Ärztin sowie mehrere Schoa-Überlebende.

anne frank Letzteres veranlasste Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker dazu, bei seiner Eröffnungsrede anzumerken, dass auch Anne Frank Teil dieser Ausstellung hätte sein können. »Was wäre wohl aus ihr geworden, diesem Frankfurter Mädchen?«, fragte er in die Runde und plädierte dafür, sie als Ehrenbürgerin der Stadt zu betrachten, auch, wenn diese Auszeichnung offiziell nicht postum verliehen werde.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Mark Dainow, betonte in seiner Ansprache, dass Herlich mit seinen Aufnahmen des pulsierenden jüdischen Lebens der Gegenwart »etwas Wertvolles« leiste, denn sie näherten »Welten aneinander an, die leider bis heute wenig Berührungspunkte haben«.

bild In Schulbüchern würden auch heute noch meist nur traditionelle Juden mit Schläfenlocken oder in Karikaturen zur Illustration der NS-Zeit gezeigt: »Das prägt ein Bild, das fest in den Köpfen sitzt«, stellte Dainow bedauernd fest. Auch bei Tagen der offenen Tür der jüdischen Gemeinden zeige sich immer wieder, dass »jüdisches Leben für Nichtjuden etwas Fremdes« sei. Daher danke er Rafael Herlich, dass er »immer wieder Türen in die jüdische Welt« öffne.

Auch von anderer Seite wurden Türen geöffnet: Die Ausstellung wird im Haus am Dom, einem der katholischen Kultur- und Bildungszentren des Bistums Limburg, gezeigt. Hier hatte schon vor gut einem halben Jahr die Tagung »50 Jahre Konzilserklärung Nostra aetate. Eine Revolution im Verhältnis der Kirche zum Judentum« stattgefunden.

Bis 31. März, geöffnet Mo bis Fr von 9 bis 17 Uhr, Sa und So von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

www.hausamdom-frankfurt.de

Dessau-Roßlau

Buch zur jüdischen Geschichte Anhalts vorgestellt

Ein neues Buch informiert über jüdische Orte in Anhalt und soll zum Besuch anregen

 16.01.2026

Weimar

Trauer um Raymond Renaud

Der französische Überlebende des NS-Konzentrationslagers Buchenwald wurde 102 Jahre alt

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Hamburg

Espresso für die Seele

Der Jugendkongress der ZWST und des Zentralrats ist für viele das Highlight des Jahres. Hier findet eine Generation, die gestalten möchte, Impulse, Gespräche und Resilienz

von Eugen El  15.01.2026

Makkabi

Slalom und Schabbat

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in diesem Jahr zur Wintersport Week in die Südtiroler Alpen

von Helmut Kuhn  15.01.2026

Leipzig

»Jeder Hass macht blind«

Das koschere Café »HaMakom« wurde in der vergangenen Woche angegriffen. Was genau ist passiert? Fragen an den Eigentümer

von Katrin Richter  15.01.2026

Mainz

Neue Ausstellung erinnert an Synagogen, Rabbiner und Matzenbäcker

Vom uralten Grabstein bis zum KI-generierten Rabbiner-Avatar reicht die Spannweite. Die Ausstellung »Shalom am Rhein - 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz« im Landesmuseum Mainz präsentiert so umfangreich wie nie das jüdische Erbe im Land

von Karsten Packeiser  15.01.2026

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-Jähriger setzte vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand und zeigte den Hitlergruß. Er wurde von der Haftrichterin in die Psychiatrie eingewiesen

von Michael Thaidigsmann  15.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026