Gebäudeareal

Baustelle Auguststraße

In der Mädchenschule an der Auguststraße wird gebohrt und gehämmert. Von außen sieht das Gebäude zwar aus wie immer, doch im Inneren sind Handwerker dabei, die Turnhalle, Aula und die anderen Räume nach den Plänen des Architekturbüros Grüntuch und Ernst umzugestalten.

Dennoch ist der erhoffte Einzugstermin nach hinten verschoben worden. »Vor Dezember wird das nichts«, sagt Silke Neumann, Pressesprecherin des Restaurants Grill Royal, dessen drei Besitzer ein weiteres in der Turnhalle der Mädchenschule eröffnen möchten. Angestrebter Termin war der Oktober.

Kunst Seit Anfang dieses Jahres ist Michael Fuchs von der Galerie Haas und Fuchs Mieter der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule. In der Repräsentantenversammlung im Dezember hat der Galerist den Zuschlag für das seit 1996 leer stehende Gebäude erhalten. Michael Fuchs möchte ein »Sammelbecken für Kunst und Kultur« errichten.

Über die vier Etagen verteilt soll es Galerien, Studios und Ateliers geben, einen Ausstellungsraum in der ehemaligen Aula, einen Buchladen für Kunst und Architektur – und das Restaurant. Der Charakter der Schule soll dabei erhalten bleiben. Der Bau mit 3.300 Quadratmetern Nutzfläche soll in seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt und die 14 Klassenräume, die zwischen 50 und 80 Quadratmeter groß sind, zu Ateliers oder Räumen für Workshops umgebaut werden.

Die Mädchenschule und auch die anderen Gebäude auf dem Areal zwischen Auguststraße und Oranienburger Straße seien jetzt vom Bundesbauftragten für Kultur und Medien (BKM), Staatsminister Bernd Neumann, als »national wertvolles Kulturdenkmal« anerkannt worden, berichtete Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, auf der jüngsten Repräsentantenversammlung.

Das Denkmalsareal umfasst damit den historischen Sitz des Gemeindevorstands in der Oranienburger Straße 28 und das danebenliegende Kuppelgebäude im Haus Nr. 30 sowie die ehemalige Mädchenschule, das Torhaus, Siechenhaus und das ehemalige jüdische Krankenhaus Ahawah.

Fördermittel Mit der Anerkennung verbunden ist die Vergabe von Fördermitteln aus dem Denkmalpflegeprogramm des BKM. Zusammen mit Fördermitteln des Landesdenkmalamtes Berlin, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie Eigenmitteln der Jüdischen Gemeinde zu Berlin werde dadurch die »Substanzerhaltung und Restaurierung der denkmalgeschützten und einsturzgefährdeten Gebäude Auguststraße 14 –16 möglich«, betonte Süsskind.

Das ehemalige Jüdische Krankenhaus gilt als bauhistorisch einzigartiges Gebäude, weshalb sich Bund und Land für dessen Sanierung einsetzen. Diese werde, so Süsskind, voraussichtlich bis 2014 dauern. Der Architekt Markus Benedikt Müller, der bereits den Jüdischen Kindergarten an der Delbrückstraße saniert hat, ist mit dem Projekt beauftragt worden, sagt Grigorij Kristal, Baudezernent der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Die Handwerker sind seit einigen Tagen vor Ort, um mit den Maßnahmen zu beginnen. Als Erstes steht das Dach auf dem Programm, das wieder mit historischen Schiefern gedeckt werden solle.

»Durch diese Baudenkmäler, in denen das alltägliche Leben stattgefunden hat und stattfindet, wächst das Verständnis für die Vergangenheit und die Chance, die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft zu gestalten«, meint Ingeborg Junge-Reyer, Stadtentwicklungssenatorin. Damit sei ein weiterer wichtiger Schritt für eine Sicherung des kulturellen Erbes der jüdischen Gemeinschaft gemacht worden.

Kritik an der Gemeindevorsitzenden und ihrer Informationspolitik übte der Gemeindepolitiker Natan Del. Sie habe in der Repräsentantenversammlung im De-zember, in der über die Vermietung der Mädchenschule diskutiert und abgestimmt worden sei, nicht über den bereits gestellten Antrag auf Anerkennung als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung informiert.

»Dann hätten wir die Mädchenschule nicht vermieten müssen, sondern hätten etwas Eigenes machen können.« Beispielsweise brauche die Jüdische Oberschule an der Großen Hamburger Straße dringend mehr Platz. Dafür hätte man die Räumlichkeiten in der Mädchenschule ausbauen und nutzen können, forderte Natan Del.

NUTZUNG Süsskind versicherte, dass der Gemeindevorstand ständig Anträge stellen würde. Sie persönlich rechne allerdings überwiegend mit einer Ablehnung und könne die Repräsentanten nicht über alle gestellten Anträge informieren. Ferner stellte die Gemeindechefin klar, dass die Mädchenschule nicht von diesen Geldern profitieren werde, sondern dass Michael Fuchs alleine die Finanzierung für die Instandsetzung der ehemaligen Mädchenschule stemmen werde. Die Gemeinde hätte es finanziell nicht leisten können.

Nach Beendigung der Sanierungsarbeiten an der Ahawah soll wahrscheinlich ein Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg einziehen. Darüber führt der Gemeindevorstand derzeit Verhandlungen mit den vier Universitäten von Berlin und Brandenburg.

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 4. November bis zum 12. November

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