ZWST-Machanot

Auf Reisen

Inklusionsbegleiterin Nicole Fahrmeir Foto: privat

ZWST-Machanot

Auf Reisen

Nicole Fahrmeir begeleitet Inklusionskinder auf ein Summer Camp der ZWST

von Christine Schmitt  22.07.2023 22:43 Uhr

Die Liste, was alles eingepackt werden muss, ist bereits geschrieben. Einmal bei Nicole Fahrmeir aus Würzburg, ein weiteres Mal bei der Familie von Anna (Name von der Red. geändert). Es geht bald auf Machane nach Italien, das von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) organisiert wird. Beide kennen sich von der Reise im vergangenen Sommer, denn die 13-Jährige fährt als Inklusionskind mit, Nicole als Begleiterin.

»Sie ist ein wissbegieriges, unternehmungslustiges und freundliches Mädchen«, weiß die Studentin über die 13-Jährige, die schwerhörig und seheingeschränkt ist, zu berichten. »Wenn etwas Organisatorisches besprochen wird, dann bekommt sie nicht immer alle Ansagen mit, und dann bin ich da, um ihr alles in Ruhe noch einmal mitzuteilen.«

»Gesher« »Auch diesen Sommer werden wir wieder Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen auf den Machanot begrüßen«, sagt Nachumi Rosenblatt, Leiter des Kinder-, Jugend- und Familienreferats der ZWST. Mit Unterstützung von »Gesher« – dem Inklusionsfachbereich der ZWST – kann jedem Kind oder Jugendlichen die notwendige Betreuung zur Verfügung gestellt werden. Neun wurden angemeldet – und alle werden Inklusionsbegleiter an ihrer Seite haben.

Im vergangenen Sommer habe sie immer ein Auge auf sie gehabt, war in ihrer Nähe, falls sie Unterstützung brauchte, aber weit genug entfernt, damit sie in der Gruppe gut integriert werden konnte, erzählt Nicole. Auch bei Heimweh-Attacken war sie an ihrer Seite. »Am Anfang fiel es ihr schon etwas schwer, sich gut zurechtzufinden.« Die Studentin war vorsichtig und überlegte genau, wo sie helfen sollte und wann sie sich besser zurückhielt.

Aber nach wenigen Tagen waren Teilnehmer und Madrichim eine Gruppe. »Sie war sehr gut integriert und fühlte sich wohl.« Vor der Reise hatte Nicole mit ihren Eltern Kontakt aufgenommen und sich genau informieren lassen. Ab und zu schrieb sie ihnen von unterwegs, »aber nicht jeden Tag«. Nicole stammt zwar aus Augsburg, studiert jedoch in Würzburg Sonderpädagogik auf Lehramt im vierten Semester. In Würzburg engagiert sie sich im Jugendzentrum, und als sie hörte, dass für die ZWST-Machanot noch Inklusionsbegleiter gesucht werden, war sie Feuer und Flamme.

Tanzkurse Mehrere Praktika an einer Förderschule hat Nicole bereits absolviert und arbeitet ehrenamtlich in einer Wohnstätte der Lebenshilfe, bei der sie Tanzkurse organisiert. »Nun freue ich mich auf das Wiedersehen. Ich bin gespannt, wie groß sie geworden ist.« Und alle Eltern – unabhängig davon, ob ihr Nachwuchs besondere Bedürfnisse hat oder nicht – freuen sich, ihre Kinder gut aufgehoben zu wissen und dass sie eine tolle Zeit erleben werden.

Das Interesse an den Machanot war sehr groß. Die ZWST sei stolz, eine Rekordzahl von etwa 800 Teilnehmern aus ganz Deutschland zu verzeichnen, auch wenn dies logistische Herausforderungen mit sich brachte, so Nachumi Rosenblatt. »Aber gemäß dem Motto ›Wir lassen kein Kind und keinen Jugendlichen zu Hause‹ ist es uns gelungen, jedem, der es gewünscht hat, die Teilnahme an einem Machane zu ermöglichen, auch wenn es nicht immer der Wunsch-Turnus war«, sagt Rosenblatt.

Neu ist, dass die ZWST-Jugend nun eigene Interessenvertreter hat, und zwar das ZWST Youth Board. Es besteht aus sechs Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren und vertritt die Interessen der Kinder und Jugendlichen in der ZWST-Jugendarbeit. Somit haben sie ein Mitspracherecht in der Gestaltung von Machanot, Seminaren und anderen Aktivitäten.

interessen Dieses Jahr war das Board also das erste Mal auf dem Vorbereitungsseminar der Sommermachanot anwesend, um die Interessen der Chanichim und Chanichot zu vertreten. Weiterhin werden seine Mitglieder auch auf den Machanot anwesend sein.

Die ZWST freut sich auf die von der »Deutschen Fernsehlotterie« geförderten Sommermachanot, die mit der Unterstützung der 160 freiwilligen Teammitglieder überhaupt erst möglich seien.

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026

Erinnerung

Kunst mit Haltung

Das musikalisch-szenische Projekt »Und dennoch morgen« der Europäischen Janusz Korczak Akademie feierte im Gasteig Premiere

von Ellen Presser  28.06.2026

Israeltag

Wenn Freunde feiern

Rund 2000 Münchnerinnen und Münchner kamen auf dem Odeonsplatz zusammen, um ihre Solidarität mit dem jüdischen Staat zu demonstrieren

von Ellen Presser  27.06.2026

Porträt der Woche

Einfach sie selbst

Hannah Kruse ist Lehrerin, engagiert sich politisch und lebt seit ihrer Transition als Frau

von Alicia Rust  27.06.2026

Glosse

Danke, Felix!

Acht Jahre lang hat Felix Klein die wohl anstrengendste Religionsgemeinschaft dieser Welt ertragen. Nun scheidet er aus dem Amt. Eine etwas andere Würdigung

von Leeor Engländer  27.06.2026