Berlin

Auf ein Kiezgebäck

Die Babka ist ein paar Zentimeter lang, kann herzhaft oder süß sein und kommt eigentlich aus Osteuropa. Der Krantz wiederum ist rund, süß und in Israel und der nahöstlichen Küche zu Hause. »Wer ist Babka, und wer ist Krantz?«, das werden Marcin D. Liera-Elkin und sein Mann, Konditormeister Shahar Elkin, oft gefragt, denn ihr Café heißt genau so: »Babka & Krantz«.

Was so einfach und passend klingt, fiel den beiden nicht sofort ein. »Mit der Namensfindung unseres Cafés haben wir uns schwergetan, aber es ist uns wichtig, dass der Titel einen Hinweis darauf gibt, dass es eine jüdische Location ist.« Und auch die Namen der anderen Gebäcksorten sind für Friedenauer Verhältnisse etwas außergewöhnlich: »Zhug«, »Safta Tamar«, »Balabuste« und »Naches«. Den Kunden gefalle es, sie seien neugierig, und es habe den schönen Nebeneffekt, dass man ins Gespräch komme, sagt Geschäftsführer Liera-Elkin.

ofen Im November wurde der Ofen des Cafés zum ersten Mal angeheizt, seitdem sind die beiden jeden Tag außer am Schabbat um die 16 Stunden am Backen, Bestellen, Putzen, Aufräumen und Organisieren. Unterstützt werden sie von Shahars Schwester Rotem Elkin, die hinter der Theke steht.

»Darf ich die Kerze anzünden?«, fragt Marcin Liera-Elkin ein Pärchen, das sich gerade hingesetzt hat. Die anderen Tische, die nun frei geworden sind, wischt er mit einem Tuch ab. Ständig geht die Ladentür auf, und es kommen Kunden, bestellen einen Kaffee für unterwegs, Bagels oder Törtchen. Oder nehmen ein Kubane mit, ein Brot, dessen Teig über zwei Tage ruhen muss. »Den können wir vor Schabbat ansetzen, und er ist dann nach 48 Stunden fertig und kann verarbeitet werden.« Der hauseigene Hefeteig sei ihr Spezialgebiet.

Fünf Tische stehen im Café, sodass es 16 Plätze im Innenraum gibt. In den wärmeren Monaten kommen noch 44 Stühle im Außenbereich dazu. Shahar Elkin, 39 Jahre alt, kommt aus Haifa, war Mitarbeiter der israelischen Botschaft in Berlin und beschloss vor ein paar Jahren, ein Handwerk zu lernen. Dabei spukten in seinem Kopf die Backrezepte seiner Großmutter herum, die aus dem Jemen stammte.

praktikum Er absolvierte ein kurzes Praktikum bei einem Meisterbäcker und konnte gleich dort bleiben, um seine Ausbildung zu machen. Hinzu kamen zahlreiche Fortbildungen. »Ich möchte meine eigenen Rezepte verwirklichen«, sagt der 39-Jährige. Einmal beim Backen, aber auch bei der Kaffeezubereitung, denn es gibt auch jemenitischen Kaffee.

Der Konditormeister steht vor dem heißen Backofen, wirft einen zufriedenen Blick auf die Kontrollanzeige, streift den Teig für Babkas auf ein Blech und füllt ihn mit einer Schokoladenmischung. Nicht nur das Produkt wird liebevoll zubereitet, viel Wert legen die beiden auch auf außergewöhnliche Rezepte und gute Zutaten. »Die kommen alle aus der Region, sind zu 95 Prozent Bio. Außerdem haben wir ein veganes Angebot«, sagt Liera-Elkin, der bis vor Kurzem Steuerberater war.

Babka wecken bei ihm Kindheitserinnerungen an Aufenthalte bei seiner Großmutter in Polen, in Poznan, sagt Liera-Elkin. Am Schabbat kommt ein Mitarbeiter und backt.

Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit hört im »Babka & Krantz« auch beim Ofen nicht auf, denn das Modell ist besonders energiesparend. »Der Ofen wiegt dreieinhalb Tonnen, und bevor der einziehen konnte, musste erst einmal ein Statiker prüfen, ob das überhaupt möglich ist.« Der nächste Schritt ist das Koscher-Siegel, mit dem die Backstube in den nächsten Tagen zertifiziert werden soll.

Wenn die Regale abends leer sind, dann blicken die beiden Café-Besitzer auf einen intensiven Tag zurück. »Der Start war super«, erinnert sich Marcin Liera-Elkin.

Aber sie haben noch mehr Wünsche: In den nächsten Monaten soll ein Frühstücks­angebot dazukommen, ein Koch wird eingestellt, und wenn das Café weiterhin gut läuft, möchten sie noch zwei bis drei Filialen an anderen Standorten eröffnen. »Allerdings suchen wir noch Personal.«

Babka & Krantz, Hackerstraße 1, Berlin-Friedenau

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  26.08.2026

Plädoyer

Stark und selbstbewusst

Die Zeiten des Ghettos und Sich-Wegduckens gehören zum Glück der Vergangenheit an. Umso mehr sollten Juden hierzulande entschiedener für ihre Interessen eintreten

von Sacha Stawski  25.08.2026

München

Von Deutschland in die Welt

Eine Ausstellung widmet sich dem Wirken jüdischer Architekten, deren Karrieren von Verfolgung und Exil bestimmt waren. Ihre Bauten beeinflussten die Moderne maßgeblich

von Ellen Presser  25.08.2026

Dresden

Ausstellung würdigt jüdische Sportlerinnen und Sportlern

Deutsch-jüdische Sportlerpersönlichkeiten stehen im Mittelpunkt einer Präsentation. Anlässlich des Jahres der jüdischen Kultur wird sie in Dresden gezeigt

 25.08.2026

Spremberg/Forst

Stolpersteine gestohlen

Der Staatsschutz ermittelt

 24.08.2026

Dresden

Unbekannter entwendet Kippa

Der Staatsschutz der Dresdner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

 24.08.2026

Meinung

Jüdische Schulen: Orte der Zugehörigkeit

Der Wunsch nach jüdischer Bildung wächst, während die Strukturen zunehmend fragil werden

von Eduard Steinberg  24.08.2026

Ferien

Unsere kleine Stadt

Mehrere Wochen trafen sich deutsche, ukrainische und israelische Jugendliche in Brandenburg zu einem Sommercamp der Initiative »J-ArtEck«. Zum Abschluss inszenierten sie eine Oper von Paul Hindemith

von Leon Stork  23.08.2026

Porträt der Woche

Mein Traum von Frieden

Yuval Halpern ist Sänger der iranisch-israelischen Band Sistanagila

von Alicia Rust  23.08.2026