Hamburg

Auf der ganzen Welt zu Hause

Die Vorsitzende der Union progressiver Juden, Sonja Guentner, ehrt den ehemaligen Welt-Vizepräsidenten der Union, Rabbiner Joel Oseran. Foto: Moritz Piehler

Die Union progressiver Juden in Deutschland hat den ehemaligen Vizepräsidenten der Weltunion, Rabbiner Joel Oseran, mit dem Israel Jacobson Preis gewürdigt. Im Lesesaal des Hamburger Warburg-Hauses begrüßten Sonja Guentner, Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland, und Miriam Kramer, Vorsitzende der Europäischen Union, Gäste und Preisträger.

Rabbiner Oseran war im vergangenen Jahr nach 30 Jahren unermüdlichen Wirkens im Weltverband der Union in Ruhestand gegangen. Nun wurde er mit dem Israel Jacobson Preis geehrt, der seit 2001 alle zwei Jahre in Deutschland vergeben wird. 2014 erhielt ihn Bundesjustizminister Heiko Maas.

Oseran habe wie kaum ein anderer die Entwicklung des progressiven Judentums in den vergangenen Jahrzehnten mitgeprägt. Alle Redner rühmten seinen Einsatz für die Gemeinden rund um die Welt. Mit Hamburg als Ort der Preisverleihung erinnerte die Union daran, dass hier vor 200 Jahren das progressive Judentum entstand.

Osteuropa Oserans langjähriger Wegbegleiter und Freund, Rabbiner Tom Kucera, teilte das Wirken des Preisträgers in vier Kategorien ein. Die erste sei das Reisen um die Welt, das Bemühen um Gemeinden vor allem in Lateinamerika und den ehemaligen Sowjetstaaten, die Oseran nach 1989 immer wieder besucht und in ihren Entstehungsprozessen unterstützt habe.

Die Punkte zwei und drei bezogen sich auf den Rabbiner als Motivator. Er, der seine Ordination 1976 in New York erhielt, habe eine unglaubliche Begabung, andere mitzureißen, so Kucera. Dabei sei es die Mischung aus kognitivem und emotionalem Zugang, die Oseran zu einem echten »Rabbi Educator« machten. Einem, der gleichzeitig lehrt und lernt.

Daneben habe ihm seine enorme Widerstandsfähigkeit geholfen, auch mit schwierigen Situationen in der Gemeinschaft fertig zu werden und nie seinen positiven Ansatz zu verlieren. Als letzten Punkt nannte Kucera die enge Verbindung Rabbi Oserans zu Israel »aus der Überzeugung heraus, dass das progressive Judentum eben auch zu Eretz Israel gehört«.

Reformjudentum Oseran erinnerte in seiner Dankesrede an die Wurzeln des Reformjudentums. »Die Liste der Veränderungen, die von Jacobson eingeführt wurden, muss viele Juden der Zeit veranlasst haben, sich zu fragen, ob die Welt jetzt komplett auf den Kopf gestellt wird.« Er erinnerte an die großen Veränderungen, die der Fall der Mauer mit sich gebracht hat und die den Weg bereiteten, in den ehemaligen Sowjetländern liberale Gemeinden aufzubauen. »1986 wäre es noch unmöglich gewesen, sich das vorzustellen«, so Oseran.

Heute jedoch würden Menschen in Moskau studieren, um anschließend als liberale Rabbiner des Abraham Geiger Kollegs ordiniert zu werden. Er selbst habe einfach das Privileg gehabt, in den bewegten Jahrzehnten »zur rechten Zeit am rechten Ort« gewesen zu sein. Seine Ehrung unterstreicht jedoch, dass Joel Oseran selbst tatkräftig an der Bewegung mitgearbeitet hat.

Bayern

Nach Morddrohung gegen Charlotte Knobloch – jetzt äußert sich die Polizei

Die Hintergründe

 15.09.2026

München

Wadephul trifft Charlotte Knobloch nach Morddrohung

Die Präsidentin der Israelitischen Gemeinde München und Oberbayern wurde nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt Opfer einer Gewaltandrohung. Der Bundesaußenminister demonstriert Solidarität

 15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Kino

»Ich habe keine Heimat«

Eine Dokumentation über Albrecht Weinberg erzählt von Verfolgung, Erinnerung und der schwierigen Rückkehr in das Land der Täter

von Esther Martel  14.09.2026

Porträt der Woche

Der Barockmusiker

Moshe Haas stammt aus Israel, ist Kantor und liebt Johann Sebastian Bach

von Anja Bochtler  14.09.2026

Berliner Leuchtturmprojekt

Musikalische Stolpersteine jetzt in fünf Bundesländern

Mehrere Tausend in Gehwegen eingelassene »Stolpersteine« halten europaweit die Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wach. Jetzt gibt es auch »Stolperstein«-Podcasts

 14.09.2026

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Deutschland

Morddrohung gegen Charlotte Knobloch nach AfD-Wahlsieg

Die Gewaltandrohung steht in explizitem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD. Knobloch sagt aus Sicherheitsgründen Veranstaltung ab

 11.09.2026