Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Bühnenreif: Aviel, Hanna und Sharon sind das Trio, das im Mai die große Jewro-Show moderieren wird. Foto: Vasilij Kotov

Ihre erste Bewährungsprobe haben Hanna, Aviel und Sharon schon bestanden: Bei der Ziehung der Startplatzierungen der Jewrovision sorgten sie für gute Stimmung.

Am 15. Mai werden Hanna Veiler, Aviel Uston und die Musikerin Sharon, die nur unter ihrem Vornamen auftritt, die Moderation übernehmen. »Mit Hanna und Sharon werden zwei Moderatorinnen durch die Show führen, die der Jewro-Bühne entstammen«, sagt Marat Schlafstein, Leiter der Abteilung Programme und Veranstaltungen des Zentralrats der Juden in Deutschland, der den größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Deutschlands und Europas ausrichtet.

Aviel, der in Wien lebt, sei der »wahrscheinlich größte Fan der Jewro außerhalb Deutschlands«. Er kenne jedes Lied, das bisher gesungen und performt wurde. Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien ist er für die Organisation von JEW FACTOR, der kleinen Schwester der Jewro, zuständig. »Wir freuen uns auf unser Trio«, so Schlafstein.

Sharon und Hanna haben Jewrovision- Bühnenerfahrung.

Am Donnerstagabend, 14. Mai, beginnt das Mini-Machane, das bis Sonntag geht. Die Show startet dann am frühen Freitagnachmittag. Bis dahin werden die Outfits und Texte der Moderatoren stehen. Mit die weiteste Anreise zum Austragungsort Stuttgart haben Hanna und Aviel. Sie lebt in Brüssel, er in Wien. Sharon aus Pforzheim wird nicht so lange unterwegs sein. Was die drei mit der Jewrovision verbinden und worauf sie sich am meisten freuen, haben sie uns verraten.

Hanna Veiler (27), Brüssel
2014 meldete mich mein Vater für die Jewrovision in Hamburg an. Ich glaube nicht, dass er sich lange damit auseinandergesetzt hatte, was das für eine Veranstaltung war. Das Kind sollte Hamburg sehen. Am Abend zuvor weinte ich, weil ich viel lieber zu Hause bleiben und mit meinen Freunden Fasnacht feiern wollte. Aber irgendwas bewegte mich dazu, am nächsten Morgen trotzdem in den Zug zu steigen. Heute scherzen mein Vater und ich oft darüber, dass diese eine Entscheidung mein ganzes Leben veränderte.

Ich werde nie vergessen, wie ich während des Schabbats in den Raum voller singender junger Menschen lief. Ich hatte noch nie zuvor einen Schabbatgottesdienst erlebt, geschweige denn einen mit nahezu 2000 Jugendlichen aus ganz Deutschland. Als am nächsten Tag die Show stattfand und ich Freunde, die ich erst am Tag zuvor kennengelernt hatte, auf der Bühne stehen sah, war es um mich geschehen. Ich wusste sofort, dass ich im nächsten Jahr auch auf diese Bühne gehöre. Die Jewrovision eröffnete für mich als 15-Jährige, die zuvor kaum Zugang zu jüdischen Räumen hatte, einen Weg, den ich seitdem verfolge und dem ich seither mein ganzes Leben gewidmet habe. Seit ich vor zwölf Jahren eher widerwillig in den Zug nach Hamburg gestiegen bin, ist vieles passiert. Ich stand mehrere Jahre selbst auf der Bühne für das Team Fantastic 4 feat. JuJuBa, wurde Madricha, gründete ein Jugendzentrum in meiner Heimatstadt Baden-Baden mit, wurde Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) und schließlich Präsidentin der European Union of Jewish Students (EUJS). Oft frage ich mich, ob ich ohne die Jewro jemals in dieses Leben gefunden hätte und wer ich heute ohne sie wäre.

»One Jewro can change everything«, und dieses Jahr als Moderatorin auf der Bühne zu stehen, ist für mich ein Full Circle Moment. Vor allem in Stuttgart, wo ich mehrere Jahre gelebt und studiert habe.

Das 15-jährige Mädchen in mir, das durch die Jewro seine Bestimmung fand, steht mit mir auf der Bühne, und es ist sehr glücklich und stolz, weiterhin Teil dieser unglaublichen Erfahrung sein zu dürfen.

Aviel Uston (26), Wien
Ich war noch nie bei einer Jewro. Die Show, die im Mai in Stuttgart stattfindet, wird meine erste. Es ist mir eine große Ehre, einer der drei Moderatoren zu sein. Ich freue mich riesig auf den Contest. Zwar bin ich kein professioneller Moderator, aber ich habe gelernt, mich durchzusetzen, bin rhetorisch versiert und schlagfertig. Kein Wunder, schließlich habe ich acht Geschwister und bin das dritte Kind.
Lustigerweise habe ich erst Mitte März erfahren, dass ich tatsächlich moderieren werde. Marat Schlafstein vom Zentralrat der Juden war bei uns in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien beim Wettbewerb JEW FACTOR 2026 als Jurymitglied. Mein Bruder David moderierte dort gemeinsam mit drei weiteren Jugendlichen und hat die Show einfach gerockt. Als Marat mir dann sagte, dass ich moderieren darf, dachte ich zuerst, er hätte mich mit meinem Bruder verwechselt.

Als mir klar wurde, dass wirklich ich gemeint war, blieb mir kurz der Atem weg, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte. Dass Marat überhaupt von meinem Traum erfahren hatte, war eher Zufall. Beim »Next-Step-Seminar« in Athen habe ich Hanna zum ersten Mal persönlich getroffen. Ich hatte schon viel über sie gehört, und plötzlich standen wir gemeinsam dort. Marat war ebenfalls dabei, und wir sagten ihm, halb im Spaß und halb im Ernst, dass wir unbedingt zusammen die Jewro moderieren wollen. Mit einer lauten und ziemlich enthusiastischen Präsentation versuchten wir, ihn zu überzeugen. Ich hoffe nur, dass das nicht auf der Jewro gezeigt wird. Und jetzt wird dieser Traum tatsächlich wahr. Dafür bin ich unglaublich dankbar.

Ich bin in Wien aufgewachsen, arbeite privat als Koch. Seit mehr als 13 Jahren engagiere ich mich in der jüdischen Gemeinde, angefangen als »Laufjunge«, der Plakate für Veranstaltungen aufgehängt hat, bis hin zu meinem Einstieg ins Likrat-Programm, vergleichbar mit dem deutschen »Meet a Jew«, damals noch im ersten Jahrgang.

Mit den Jahren wurde mein Engagement immer intensiver. Heute bin ich Jugend­referent der Gemeinde und organisiere Seminare und Programme wie die »Light of Hope«-Gedenkveranstaltungen zum Erinnern der Pogromnacht, den »March of the Living«, Gedenkfahrten sowie Projekte wie den »Bar & Bat Mizwa Club«, »Jew Factor«, »Israel Explained«, »Next Step« und vieles mehr. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass Jugendliche sich Inhalte selbst erarbeiten und ihre eigenen Ausdrucksformen finden.

Die Jewro verfolge ich seit 2016. Damals besuchte mich eine Freundin aus Düsseldorf, sie zeigte mir ihre Moves für ihren Auftritt, und ich war sofort fasziniert. Heute stehe ich selbst hier. Bereit, meine Moves zu zeigen. Bereit, meine Schlagfertigkeit auf die Bühne zu bringen.

Sharon (28) Pforzheim
Für mich war die Jewrovision eine meiner ersten größeren Bühnen. Dort habe ich gelernt, was alles zu so einer großen Show dazugehört. Licht, Bühnenbild, Choreos, Outfits und das ganze Drumherum. Dafür brenne ich noch heute. Die Jewrovision war für mich kein Anfang im klassischen Sinne, denn ich stand schon davor auf der Bühne, zum ersten Mal als Fünfjährige in Tel Aviv. Jedoch ist die Jewro ein Ort, an dem sich diese Faszination noch mal gezeigt hat und ausgelebt wurde. Insgesamt bin ich mit JuJuBa (Juedische Jugend Baden) viermal auf der Jewro angetreten und habe meine Texte gerappt. Zum ersten Mal 2013, das letzte Mal 2017. Ich erinnere mich gern an unsere Erfolge und die gemeinsamen Proben. Noch viele Jahre danach schrieb ich für die JuJuBa mit an den Texten für den Wettbewerb.

Heute mache ich das beruflich: Ich bin Rapperin, Voice Actress, Songwriterin und Moderatorin. Meine erste musikalische Veröffentlichung liegt zehn Jahre zurück, und als selbstständige Vollzeit-Künstlerin bin ich seit circa vier Jahren tätig. Moderation ist in den vergangenen Jahren hinzugekommen, was ich während meines Studiums des Voice Actings vertiefen konnte. Bei der vergangenen Jewro bin ich auf Marat zugegangen und habe mich für die Moderation für dieses Jahr beworben.

Bei unseren Vorbereitungstreffen gehen wir als Team den Verlauf des Abends durch und bereiten die Moderationskärtchen vor. Am Tag selbst wärme ich Körper und Stimme auf, meditiere, und bei der Show lasse ich Platz für Spontaneität.

Heute wieder ein Teil der Show zu sein, sie aus einer anderen Perspektive mitzugestalten und das Event begleiten zu können, ist für mich ein Full Circle Moment. Ich freue mich wahnsinnig, ein Teil davon sein zu dürfen.

Zusammengetragen und aufgeschrieben von Christine Schmitt

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